Das deutsche Bildungswesen ist im internationalen Vergleich keineswegs Spitzenklasse. Wie sich nun zeigt, liegt eine Ursache dieses Missstandes darin, dass sich die personelle Ausstattung an den Schulen in den letzten Jahren nicht wesentlich verbessert hat. Dies belegt eine Studie, die im Auftrag der IMK und der Hans-Böckler Stiftung angefertigt wurde.

Finanzexperte Dieter Vesper hat im Auftrag des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in Düsseldorf in einer Studie darauf hingewiesen, dass die schlechten Noten für das deutsche Bildungssystem im personellen Bereich zu suchen ist. Besonders groß ist der personelle Mangel an den deutschen Schulen. Vesper hat dazu die Personalentwicklung der letzten Jahre im öffentlichen Dienst untersucht und stellte fest, dass im schulischen Bereich etwa 55 000 Stellen fehlen.

Rund ein Drittel der personellen Ressourcen entfällt auf die Schulen. Im Bundesdurchschnitt ging das Verhältnis von Schülern zu Lehrern leicht zurück. Es fiel von 16,5 im Jahre 1992 auf 16,1 im Jahre 2009 (d.h. auf einen Lehrer kamen 2009 im Schnitt 16,1 Schüler). Das dies so ist, hängt aber nicht mit einer Verbesserung der Betreuungssituation zusammen, sondern mit dem Rückgang der Schülerzahlen. In den kommenden Jahren werden zwischen 18 000 und 33 000 Lehrer altersbedingt aus ihrem Beruf aussteigen. Und wenn man der Studie glauben mag, dann werden aufgrund der sinkenden Schülerzahlen viele Stellen nicht neu besetzt. Gemessen im internationalen Vergleich hat Deutschland ein Defizit von 55 000 Stellen.

Nahezu ein Fünftel des im öffentlichen Dienst eingestellten Personals arbeitet an den Hochschulen. Hier hat sich parallel zum Anstieg der Studierendenzahlen auch eine Erhöhung der hauptberuflichen Beschäftigtenzahlen um 45 000 in den letzten neun Jahren ergeben. Auch das wissenschaftliche Personal hat zugelegt: hier stiegen die Zahlen um 31 Prozent im gemessenen Zeitraum. Ob sich damit das Betreuungsverhältnis für die Studierenden verbessert hat, ist regional- und vor allem fächerabhängig. Die Zahl der nicht-wissenschaftlichen Beschäftigten hingegen ist gesunken. 2009 waren es 47 000 Stellen weniger als im Jahr 2000. Die neu geschaffenen Stellen seien jedoch laut Studie häufig zeitlich befristete Arbeitsverträge oder keine Vollzeitstellen.

In der Kinderbetreuung ist die Zahl der betreuten Kinder von 2,95 auf 3,08 Millionen angestiegen. 75 000 neue Stellen wurden dafür geschaffen. Damit hat sich die Zahl der Kinder pro Beschäftigten von 7,1 (2006) auf 6,3 (2010) reduziert. Allerdings habe sich „die Beschäftigungsausweitung primär im Bereich der Teilzeitarbeit vollzogen, sodass die Verbesserung der Betreuungsrelationen wohl überzeichnet ist“, so Vesper. Allein aufgrund des Rechtsanspruches von Kindern ergebe sich in den nächsten Jahren ein weiterer Bedarf von 16 000 Stellen. Hinzu kommt, dass die Besoldung der Beschäftigten im internationalen Vergleich nicht stand hält.

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