Die internationale Zusammenarbeit in Wirtschaft und Politik hat in den letzten zwanzig Jahren eine Intensität bekommen, die schlichtweg als atemberaubend bezeichnet werden kann. Die Welt tauscht sich heute täglich aus, schickt immer mehr Waren und Informationen um den Globus und lässt staunende Menschen in Ländern zurück, die mit dieser Geschwindigkeit auch eine zunehmend kulturelle Entwurzelung wahrnehmen. Neue Medien und die erhöhte Mobilität haben dazu beigetragen, dass wir heute mit der Globalisierung eine gigantische Infrastruktur verbinden, die uns sekundenschnell in andere Welten klicken lässt. Aber was wissen wir eigentlich über die Menschen und Länder, mit denen wir zumeist beruflich in Verbindung stehen? Kennen wir ihre Kultur und ihr Denken?

Interkulturelle Weiterbildung für den Wettbewerbsvorteil

Die Globalisierung hat bisher nur vorläufig und oberflächlich neue Horizonte geschaffen, die mit dem gemeinsamen Interesse auf Warentausch an den unterschiedlichen Gewohnheiten und Sitten der internationalen Handelspartner mehr oder weniger reibungslos vorbeigegangen ist. Der internationale Handelsverkehr beruht auf ein universell anerkanntes Zahlensystem, das überwiegend in der Dollar-Währung abgewickelt wird. Das weltweite Handelsvolumen von Waren, Dienstleistungen und Kapital ist in den letzten zwanzig Jahren sprunghaft gestiegen, während das Wissen um andere Märkte und Kulturen stehen geblieben ist. Es gibt auch keine Rechnung darüber, wie viele Ideen und Produkte mangels interkultureller Marktkenntnisse gescheitert sind. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, vormals Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH, berät in Bonn seit vielen Jahren Führungskräfte und internationale Unternehmen und verweist immer wieder auf die Bedeutung lokaler Markt- und Länderkenntnisse. Interkulturelle Weiterbildung ist dabei für den Wettbewerbsvorteil unerlässlich geworden. (Quelle: Connect)

Interkulturelle Weiterbildung – Kulturunterschiede in Europa

Es scheint auf den ersten Blick einfach zu sein, mit guten Produkten und Dienstleistungen auch erfolgreich exportieren zu können. Deutschland macht es seit Jahren vor. Was in den Statistiken der Außenhandelsbilanzen nicht auftaucht, sind die Reibungsverluste in großen und mittelständischen Unternehmen, die sich einfach dadurch ergeben, dass die Denkweisen und Kommunikationsformen bereits in Europa sehr unterschiedlich sind. BMW hat im Rahmen der später gescheiterten Fusion mit Rover im europäischen Kulturkontext bitter erfahren müssen, wie schwierig eine Annäherung unterschiedlicher Kulturen ist. Dabei berufen wir uns gern auf die so einheitliche europäische Kultur, die ein Mythos ist. Während französische Unternehmen sehr zentralistisch denken, sind wir Deutschen föderalistisch geprägt und delegieren die Verantwortungsbereiche gerne stabsmäßig weiter. Die interkulturelle Weiterbildung kann bereits im innereuropäischen Kontext das Verständnis für den Handelspartner fördern und die Zusammenarbeit damit weiter entwickeln.

Interkulturelle Weiterbildung – Neue Herausforderungen mit neuen Zielen

Die Welt hört unterdessen nicht in Europa aus. Wer mit einem arabischen Geschäftspartner zu tun hat, sollte bei Verhandlungen unbedingt darauf achten, seinem Gegenüber in die Augen zu schauen. Andernfalls kann es zu Misstrauen und zum Scheitern des Geschäfts kommen. Tradition und Moderne geben sich oft die Klinke. Die Werbeindustrie in Indien beispielsweise unterliegt einem dynamischen Wandel zu westlichen Standards. Die Jeans hat längst Einzug in die indische Modewelt erhalten. Wer aber daraus schließt, dass der traditionelle Sari auf Dauer keine Rolle mehr spielen wird, geht fehl. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Im weiteren Zusammenwachsen der Welt wird es zweifellos neue Herausforderungen geben, die sich mit einer verbesserten interkulturellen Weiterbildung meistern lassen. Die Globalisierung ist in den letzten Jahren durch empirische „Vor-Ort-Erfahrungen“ begleitet gewesen, die viele Illusionen von der einen Welt geboren hat. Gezielte Markt- und Länderkenntnisse lassen sich dabei vor der Investition schulen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Interkulturelle Trainingsmaßnahmen in Unternehmen schaffen ein Bewusstsein für die Andersartigkeit von kulturellen Traditionen in der Welt und sind gerade im digitalen Zeitalter notwendiger denn je. Schließlich lässt sich der Globus in einem simplen Zahlensystem nicht einfach gleichschalten. Christoph Barmeyer, Professor für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Passau, hat auf die Potenziale hingewiesen, die für multikulturelle Unternehmen darin liegen, internationalen Strukturen mit mehr Offenheit und Neugierde zu begegnen. (Quelle: Arte)

Die Anzahl global agierender Unternehmen steigt täglich und macht eine ausgewogene Kommunikation notwendig. Die eigenen Vorstellungen lassen sich in der Reibung mit anderen Denkweisen und Kulturen häufig optimieren. Gerade auf mittlerer Managementebene kommt es häufig zu Reibungsverlusten im beruflichen Alltag, die sich durch ein am Unternehmen ausgerichtetes Kommunikationsmanagement leicht beheben ließen. Interessant ist nämlich auch, dass bestimmte Berufstypen wie Ingenieure ungeachtet ihrer kulturell unterschiedlichen Ausprägungen weltweit durch eine ähnliche Denkweise geprägt sind. Die schlimme Vision vom ‚Kampf der Kulturen‘, die von Samuel P. Huntington 1993 geäußert wurde und für Aufsehen sorgte, lässt sich mit der wirtschaftlich schon heute erfolgreichen Vernetzung und den Beobachtungen ähnlicher Denkwelten entkräften. Die Globalisierung darf nur keine mathematische Formel bleiben, sondern muss sich in Zukunft durch gegenseitiges Verständnis und kulturellen Respekt menschlich eine neue Legitimation verschaffen.

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