Eine Woche lang steht das Thema „Werte“ im Fokus unserer Aufmerksamkeit  und sorgt  für Gespräche und Diskussionen mit Experten und Fachleuten. Mit unserer Expertin und Initiatorin Manuela Starkmann, Coach und Guide für Lebenszeitmanagement, Burnoutvorbeugung und Persönlichkeitsweiterentwicklung sprachen wir über Werte in Gesellschaft, Familie, und Beruf.

Die ganze Woche über werden wir das mit Manuela Starkmann geführte Interview in mehreren Serienteilen hier auf dem Blog veröffentlichen. In dem ersten Teil geht es heute um eine mögliche Definition und der Frage nach Beständigkeit von Werten.

1. Frau Starkmann: Erst einmal vielleicht eine Definitionsfrage: Was sind für Sie Werte und wie unterscheiden sie sich zum Beispiel von Tugenden?

Starkmann: Ich finde Werte wichtig, lebenswichtig, überlebenswichtig. Vermeintlich sind sie die „weichen Faktoren“. Wer jedoch genau hinschaut, stellt fest, dass sie die Basis von allem sind – das ganze Spektrum von Glück bis Unglück, Erfolg bis Misserfolg, Liebe bis Hass und so weiter.

Im März diesen Jahres machte ich ein Guiding zum Thema „(Wozu) Werte für Kinder und Familien?!“. Eine Frage war, was sind Werte, was Tugenden. Ich habe keine Ahnung. Und nachdem ich im Internet geschaut habe – ich hatte keine Lust lange rum zu suchen – war meine innere Antwort: Ob Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft, Achtsamkeit, Pünktlichkeit, Barmherzigkeit, Abgrenzung, Selbstliebe  etc.nun vom Wort her Werte oder Tugenden sind ist nicht wichtig. Entscheidend ist für mich nicht, dass ich sie zuordnen kann, sondern dass ich sie lebe. Ja und auch, dass ich den Menschen, die ich im Guiding begleiten darf, zeige „Wie?!!“ sie sie – beruflich und privat – leben können.

2. Gibt es für Sie Werte, die immer Bestand haben oder beobachten Sie auch, dass von gewissen Werten die Wichtigkeit oder Präsenz in unserer Gesellschaft zurückgegangen sind?

Starkmann: Eieiei, vielschichtige Frage 😉 Meiner Meinung nach haben Werte immer ihren Wert. Wobei wohl jeder Mensch die Werte und deren Wertigkeit individuell gestaltet.

Mir scheint, dass Werte ihre Wichtigkeit haben, doch sie werden manchmal nicht stimmig „gelehrt“, gelebt. Damit meine ich, dass sie den Menschen oft nicht bewusst sind.

Schauen wir doch auf die Missverständnisse, die Menschen miteinander haben können, unabhängig ob als Paar, Kollegen, Freunde oder Familie. Dabei wurde, genau betrachtet, auch der Wert der betroffenen Personen bzw. deren Werte missachtet. Da wir recht wenig bewusst über Werte wissen, dafür jedoch viel über – manchmal recht unbrauchbares – Fakten-Wissen, können wir nicht klar benennen, was uns gerade fehlt. Womit das Missverständnis oder der Konflikt leider ungelöst bleibt bzw. weiter wächst.

Somit kann man es vielleicht wirklich so sagen: Die Präsenz der Werte ist in Teilen zurückgegangen,  was ja auch wiederum beinhaltet, dass sie noch immer da sind und jederzeit wieder nach vorne geholt werden können. Was gerne hiermit mein Impuls ist.

3. Den eigenen Werten bewusst werden und danach leben – aber gibt es nicht vielleicht auch falsche Werte, an denen sich Menschen orientieren?

Starkmann: Zwei Aspekte dazu – erstens „falscher Wert“: Dazu fällt mir spontan das Beispiel ein, dass wir vor vielen Jahren ausschließlich Briefe geschrieben haben. Somit war, über den Daumen gepeilt, klar, dass die Rückmeldung ungefähr eine Woche dauert. Heute, im flotten Zeitalter der Emails, die natürlich auch noch an sämtliche Orte und Gegenstände weitergeleitet werden können, wird eine Rücklaufzeit von einer Woche eher als unzuverlässig bewertet bzw. als unachtsam, denn wieso antwortet „der“ denn nicht. Ich glaube viele Menschen haben unbewusst schnell ihre ganz eigene Bewertung – der Situation, des Menschen – bereit. In unserer Zahlen-Daten-Fakten-Welt gibt’s dann zur Auswahl nur „Plus“ oder „Minus“. Ich glaube nicht, dass es „falsche Werte“ gibt, doch erlebe in meiner Arbeit sehr, sehr oft, dass Menschen sich, bezogen auf vermeintliche Werte, „gerne“ selbst überfordern, um z. B. schnell und zuverlässig zu sein.

Womit ich beim zweiten Aspekt bin – „eigene Werte bewusst leben“. Damit ist der Punkt schon besprochen.

Ich lege dem Leser gerne ans Herz: Machen Sie eine „geistige Inventur“ Ihrer Werte – schriftlich – was leben Sie, was nicht und jeweils aus welchem Grund – sind das anerzogene Werte bzw. Ihre eigenen – passen Sie zu Ihnen, dann behalten Sie sie; passen Sie gerade nicht zu Ihnen, dann lassen Sie sie los –  und leben Sie in authentischer Klarheit, was wirklich für Sie wertvoll ist.

Tipp: Morgen gibt es hier den zweiten Teil unseres großen Experteninterview mit Manuela Starkmann, in dem es um Werte im Unternehmen geht.

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Manuela Starkmann

Experte für Guiding
und Coaching

Schwerpunkte: Burnoutvorbeugung, LebensZEITmanagement und Guiding, Vertriebscoaching und Bewusstseinserweiterung.

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