Während andernorts in der Welt noch die Möglichkeit besteht, die Kinder im eigenen Haus oder privat zu unterrichten, kursiert in Deutschland seit mehreren Jahren ein neues Schlagwort: Frühkindliche Bildung. Bis 2013 soll ein gesetzlicher Anspruch auf einen KiTa-Platz für jedes Kind eingelöst werden können, und viele Kommunen jammern schon jetzt über die Bürde, die mit diesem Gesetz verbunden ist. In vielen Regionen fehlt es an der Infrastruktur und noch schlimmer am Nachwuchs. Die qualitative Frage, ob das Lernen außerhalb des Elternhauses Sinn macht, bleibt eine Frage der pädagogischen Qualifizierung in den KiTas selbst.

Ein-Kind-Familien und verkürzte Kindheit

Immer mehr Ein-Kind-Familien in Deutschland lassen die Schlussfolgerung plausibel erscheinen, dass soziale und bildungsrelevante Kompetenzen der Kinder besser außerhalb der Familien erworben werden. Je früher das Kind in einem größeren sozialen Umfeld lerne und gefordert werde, desto besser  entwickle es sich, heißt es vielfach. Zugleich steht mit diesem Schlagwort aber der Verdacht im Raum, dass mangels anderer ökonomischer Ressourcen die Kindheit in Deutschland immer institutionalisierter ausfällt. Für berufstätige Eltern ist diese Frage jedoch eine existenzielle Frage. Gute Ganztagsangebote sorgen dafür, dass auch Mütter wieder schneller ihren Beruf ausüben können. Aber ist das vom Kind her gedacht? Kritische Eltern sprechen von der Verkürzung der Kindheit zugunsten einer rational ökonomischen Denkweise. Die Bertelsmann Stiftung, eine der Think Tanks in Deutschland, hat diesem Thema sogar ein eigenes Projekt gewidmet (Quelle: Bertelsmann Stiftung)

16 Länder und kein einheitliches Programm

Ein Blick in das Ländermonitoring zeigt, wie krass die Unterschiede in Deutschland ausfallen. Ostdeutsche Regionen stehen bei der Umsetzung sogar etwas besser. Bei allen Daten und Fakten aber deutet sich an, dass die Qualität der Angebote nur bedingt mit der kommunalen Haushaltslage verbunden ist. Ideologische Sperren gegen die frühe Erziehung in KiTas wie in Bayern spielen ebenso eine Rolle wie Diskussionen in manchen Städten, wo Anwohner gegen den Ausbau von Tagesstätten protestieren. Im länderspezifischen Wettbewerb lassen sich bisher auch keine von der Pädagogik angeführten einheitlichen Programme erkennen. Es werden leider bisher auch nur wenige Studiengänge für diesen Bereich  angeboten (http://www.ph-ludwigsburg.de/5591.html). Wenn Kinder die Zukunft darstellen sollen, so ist es auch hier an den Ländern, fachspezifische Studiengänge anzubieten. In Polen beispielsweise ist ein fünfjähriges Studium für den Beruf der Erzieherin bereits lange Pflicht. In NRW hat man immerhin seit Anfang Februar eine Hotline rund um den Ausbau von Krippen und Tagesstätten freigeschaltet (Quelle: Kita.de).

 Sparen an der Zukunft

Wer sich als Gesellschaft berufstätige Eltern wünscht, der muss auch am qualifizierten Nachwuchs von Erzieher und Erzieherinnen interessiert sein. Diese Zukunftsinvestitionen müssen also wesentlich stärker in den Fokus der gesellschaftlichen Debatte rücken. Der demografische Wandel aber scheint auch hier in den Köpfen auf eine Sackgasse zuzulaufen. Weniger Kinder, weniger Erzieher, weniger Geld. So bleibt die Frage nach der Qualität in der frühkindlichen Bildung eine Frage der Erwachsenenbildung. Es gibt bereits heute gute KiTa-Angebote und gute Pädagogen. Eine breite Anerkennung ihrer gesellschaftlichen Leistung gibt es jedoch flächendeckend noch nicht. Die KiTa und ihr Mehrwert in der Ganztagsbetreuung der Kinder steht und fällt also letztlich mit der Qualität der regionalen Angebote.

Bildquelle: @istockphoto/lostinbids

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