Der Brockhaus-Verlag hat fünf Klassiker der Weltliteratur im Comic-Format auf den Markt gebracht – die Originalromane sind jeweils auf den Literatur-Empfehlungslisten der Sekundarstufen I und II zu finden. Die so genannten Literaturcomics sollen Jugendlichen den Einstieg in große literarische Werke erleichtern. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob Literaturcomics die jungen Leser auch wirklich auf die Originalromane neugierig machen oder nur zur Haltung „warum umständlich wenn´s auch einfach geht“ verleiten.

Aktuell werden vom Brockhaus-Verlag folgende Klassiker im Comic-Format herausgegeben: „In 80 Tagen um die Welt“ von Jules Verne, „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe, „Odysee“ von Homer, „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes und „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson. Eine gute Idee sind solche Formate allemal, deshalb wollen wir uns auch gar nicht über Sinn und Unsinn dieser „Light-Literatur“ streiten. Ein paar Gedanken haben wir uns jedoch dazu gemacht.

Als ich im zarten Alter von 15 Jahren (Du liebe Zeit, das ist fast 30 Jahre her…) meine kostbare Zeit überwiegend in der 8. Klasse eines bayerischen Gymnasium fristete, da gab es im großen und Ganzen drei Lesetypen – dazwischen gab es recht wenig:

  • Typ 1: Leseratten (zu denen ich heute noch gehöre), denen Bücher gar nicht dick genug sein können und die alles lesen was ihnen in die Finger kommt.
  • Typ 2: Comicleser – lesen auch alles was ihnen in die Finger kommt, solange es nicht mehr als fünf zusammenhängende Sätze pro Seite sind.
  • Typ 3: Target-Leser – lesen keinesfalls alles was ihnen in die Finger kommt, sondern nur das, was sie benötigen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Ich habe keine Ahnung ob sich diesbezüglich in den letzten Jahrzehnten etwas geändert hat, wage aber zu vermuten, dass Literaturcomics auch heute noch nicht in der Lage sind, aus einem Comicleser eine Leseratte zu machen. Muss ja auch gar nicht sein – das ist bestimmt nicht das primäre Ziel. Vielleicht bietet dieses Format wirklich einen guten Ansatz dafür, Jugendlichen den Einstieg in große literarische Werke zu erleichtern und das wäre definitiv eine gute Sache.

Aber noch einfacher darf es dann nicht mehr werden, sonst sieht J.R.R. Tolkiens „Herr der Ringe“ am Ende so aus ;):

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