Spätestens gestern wurde für alle Bewerber die Studienplatzvergabe in zulassungsbeschränkten Studiengängen aller nordrhein-westfälischer Universitäten und Fachhochschulen bekannt gegeben. Auch die verfügbaren Masterplätze für das kommende Wintersemester wurden unter den Studieninteressierten vergeben.

Sibylle Schwarz, Bildungsanwalt

Allerdings wird wohl kaum jeder Bewerber einen Platz in seinem Wunsch-Masterstudium erhalten haben. Immerhin zeigen aktuelle Befragungen, dass 73 Prozent der Bachelorstudenten planen, einen Master zu machen (Quelle: Masterstudie 2012). Dennoch steht laut dem Deutschen Hochschulverband langfristig nur für jeden dritten Bachelorabsolventen ein Masterstudienplatz zur Verfügung.

Einige können dabei aber noch auf das Nachrückverfahren hoffen, in dem die von angenommenen Bewerber nicht angetretenen Plätze jetzt verteilt werden. Ein Masterstudiengang läuft anders als ein Bachelorstudiengang. Auch bei der Studienplatzvergabe gibt es Unterschiede.

Im Folgenden gibt uns deswegen Sibylle Schwarz, Rechtsanwältin und Expertin für Hochschulrecht, einen  kurzen Überblick über die Neuheit ‚Masterstudiengang‘:

1. Die Idee

Im Rahmen des sog. Bologna-Prozesses soll ein europäischer Hochschulraum errichtet werden, in dem es ein System vergleichbarer Abschlüsse gibt. In Deutschland wurde der sog. Bologna-Prozess in erster Linie durch Änderung des (Bundes-) Hochschulrahmengesetzes und der Hochschulgesetze der Länder sowie durch Einführung der (gestuften) Bachelor- und Master-Abschlüsse umgesetzt.

Einen guten Einblick zum Bachelor- und Master-System gibt das Dokument „Ländergemeinsame Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.10.2003 i.d.F. vom 04.02.2010)“. Die folgenden Zeilen sind dem Beschluss entnommen:

„In einem System gestufter Studiengänge stellt der Bachelorabschluss als erster berufsqualifizierender Abschluss den Regelabschluss dar und führt damit für die Mehrzahl der Studierenden zu einer ersten Berufseinmündung.“

„Im gestuften Graduierungssystem wird der Mastergrad auf Grund eines weiteren berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses verliehen. Deshalb kann ein Masterabschluss in der Regel nur erworben werden, wenn bereits ein erster berufsqualifizierender Hochschulabschluss vorliegt.“

„Zur Qualitätssicherung oder aus Kapazitätsgründen können für den Zugang oder die Zulassung zu Masterstudiengängen weitere Voraussetzungen bestimmt werden.“

 „Konsekutive Masterstudiengänge sind als vertiefende, verbreiternde, fachübergreifende oder fachlich andere Studiengänge auszugestalten.“

Der Bachelorabschluss wird als erster berufsqualifizierender Abschluss gesehen, der den Regelabschluss darstellt und (in den Worten des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalens, s. u.) Grundlage für eine berufliche Tätigkeit schafft.

Der Masterabschluss wird als weiterer berufsqualifizierender Abschluss, folgerichtig der Masterstudiengang als Zweit-Ausbildung angesehen.

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