Studenten fordern eine Masterplatzgarantie für alle Absolventen eines Bachelorstudiengangs

Bei der Wahl des Studierendenparlaments der WWU Münster stand im Wahlprogramm bei knapp der Hälfte der kandidierenden Hochschulgruppen, dass sie das Recht auf einen Masterplatz durchsetzen wollen. Bislang gibt es noch keine Masterplatzgarantie, vielmehr gibt es Zugangsvoraussetzungen, die beispielsweise einen bestimmten Notendurchschnitt im Bachelor oder aber noch zusätzliche Qualifikationen verlangen (Praktikum, Auslandserfahrung oder ähnliches).

Die meisten Studierenden wollen einen Master machen, denn mit einem Master winkt nicht nur eine bessere Bezahlung, sondern auch eine höhere Akzeptanz in der Arbeitswelt. Doch der Zugang zum Master bleibt für viele aufgrund zu geringer Studienplatzkapazitäten und Zugangsbeschränkungen versperrt. (Quelle: Juso HSG)

Dies führt dazu, dass zwar durch den Bologna-Prozess insgesamt mehr Abiturienten studieren können, diesen jedoch lediglich ermöglicht wird, einen Bachelorabschluss zu erwerben. Die Masterplätze der Universitäten umfassen in der Regel nur zwischen 30,0 % und 50,0 % der Bachelorabsolventen. Die Zahl der Studierenden, die so einen mit dem Diplom gleichberechtigten Abschluss erwirbt, sinkt hierdurch.

Warum fordern die Studierenden das Recht auf einen Masterplatz für alle?

Das Problematische am Bachelorabschluss ist bislang, dass dieser in der Arbeitswelt noch nicht überall als vollständiger Abschluss anerkannt wird. Die Berufschancen sind hierdurch schlecht. Viele Studenten befinden sich demnach in der Situation, drei Jahre studiert zu haben, aber danach weder einen Masterplatz noch eine Arbeitsstelle zu bekommen. Die Akademikerarbeitslosigkeit könnte auf Dauer ansteigen.

Als zentrales Problem wird ebenfalls betrachtet, dass die Studenten sich aufgrund der Zugangsvoraussetzungen dann lediglich auf die Noten in ihrem Studium konzentrieren und andere Aktivitäten dadurch zu kurz kommen wie zum Beispiel die Beteiligung an der Universitätspolitik, ehrenamtliches Engagement, Berufserfahrung neben dem Studium, Jobben, um das Studium zu finanzieren…

Aber auch das Wohlbefinden der einzelnen Studierenden sowie das soziale Leben auf der Universität verändern sich durch den erhöhten Druck bezüglich Leistung und Noten:

Die künstliche Verknappung von Ressourcen, in diesem Fall von Bildung und dessen verwertbarer Form der Abschlüsse, führt zu einem erhöhten Konkurrenzdruck. Der so über  Zukunftsangst weiter gesteigerte Leistungsdruck führt u.a. zunehmend zu Studiumsabbrüchen, psychischen Erkrankungen sowie Missbrach von leistungssteigernden und antidepressiven Medikamenten. (Quelle: Bildung jetzt)

Hinzu kommt, dass die weitere Selektion nach dem Bachelorabschluss den Zusammenhang von Bildung und sozialer Herkunft sowie Bildung und finanzieller Ausstattung der Studierenden und deren Familien verstärkt und der immer wieder breit dargestellten Forderung nach mehr Chancengleichheit im Bildungswesen somit widerspricht.

Mittlerweile klagen bereits einige Studenten einen Masterplatz ein und gewinnen diesen Prozess auch häufig, da die Auswahlverfahren der Universitäten nicht transparent sind und somit die Entscheidung gegen den Studierenden nicht nachvollziehbar ist.

Warum gibt es keinen Masterplatz für alle Bachelorabsolventen?

Vor allem liegt der Grund für einen begrenzten Zugang zum Masterstudium darin, dass die Universitäten nicht über genügend Kapazitäten verfügen, um alle Bachelorstudenten auch im Masterstudium zu betreuen. Hierzu reichen weder die Gelder noch das Personal.

Aus politischer Sicht ist dies jedoch nicht unbedingt negativ:

Der Bachelor-Abschluss soll nach Ansicht der Regierungen künftig den Regelabschluss darstellen. Er sei der erste berufsqualifizierende Abschluss. Damit soll die akademische Ausbildung verkürzt und ebenso wie die Arbeitskraft der Absolventen verbilligt werden. (Quelle: GEW Bayern)

Die Akademikerquote steigt insgesamt in Deutschland durch den Bolognaprozess, es gibt mehr Fachkräfte und genau das will die Regierung fördern. Dass die Höhe des erreichten Abschlusses darunter leidet, scheint aus Sicht der Regierung nicht beklagenswert. Zudem ist es fraglich, ob es sich insgesamt lohnen würde, in die Höherqualifizierung der Bachelorabsolventen zu investieren oder ob hierdurch nicht das Langzeitstudieren befördert würde bzw. in Studierende investiert würde, von denen eher kein erfolgreiches weiteres Studium zu erwarten wäre.

Offen bleibt also, ob sich das Recht auf einen Masterplatz in Zukunft aufgrund des Rechtes auf Bildung und aufgrund der Chancengleichheitsforderung durchsetzen wird oder nicht. Bislang sieht es für diese Forderung der Studenten eher schlecht aus.

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