Das erste Semester ist für die meisten Studenten ein ganz besonderes Semester. Die Erwartungen sind hoch: viele neue Leute, endlich nur das lernen, was man wirklich will und das schöne Studentenleben genießen…
Das stimmt zwar alles irgendwie, aber ganz so idyllisch ist das Studieren dann doch nicht immer!

Neue Leute

Das ist sicher: an der Uni trifft man viele Menschen! Es ist ein tolles Erlebnis, mit den unterschiedlichsten Studenten in Kontakt zu treten. Die Studenten kommen meistens aus verschiedensten Gegenden und mit ganz unterschiedlicher Biographie an die Uni – teilweise sogar aus dem Ausland. Die neuen Kontakte sind es auf jeden Fall wert, zu studieren! Wer mehr neue Kontakte knüpfen möchte, als seine Kommilitonen hergeben, sollte auf jeden Fall Sprachkurse oder andere fachübergreifende Angebote der Hochschule nutzen. Dadurch kommen nämlich noch verschiedenere Leute zusammen und man sieht nicht immer dieselben Studenten.

Schade ist es jedoch, dass man durch die individuellen Stundenpläne an den Unis (im Gegensatz zur Fachhochschule) viele Leute nur in einer Veranstaltung oder nur ein Semester lang sieht. Freundschaften können so nur schwer entstehen. Wenn man dann auch noch zum Masterstudium die Uni wechselt, leiden die mühsam aufgebauten engeren Bekanntschaften dann auch wieder etwas.

Viele neue interessante Leute? Ja! Viele Freunde? Nicht unbedingt!

Nur interessante Lerninhalte

Natürlich studieren die meisten ein Fach oder einen Studiengang, der sie interessiert und ihren Fähigkeiten entgegen kommt. Es wird vor dem Studium in der Regel mit Freude auf den Tag gewartet, an dem man sich endlich nur noch interessanten Dingen widmen kann und nicht sämtliche Fächer lernen muss, die einem gar nicht liegen. Aus dieser Vorfreude heraus folgt ein starker Motivationsschub bei vielen Erstsemestlern. Bald darauf folgt jedoch manchmal (!) auch ein bisschen Enttäuschung. Viele Studenten merken erst im ersten Semester, dass es wohl auch in ihrem Lieblingsfach unliebsame Veranstaltungen gibt und einem vielleicht auch nicht alles liegt, was man belegen muss. Pädagogen und Sportwissenschaftler verzweifeln an Statistik, Philosophen plagen die Logikveranstaltungen, Informatiker nerven die Vorlesungen zu der mathematischen Theorie hinter ihrem Fach. Es ist also nicht alles Gold, was glänzt.

Dennoch erleben es auch viele Studenten, dass sie geradezu zu Hochleistungen fähig sind, seitdem sie die Schulbank verlassen haben. Endlich können sie das machen, was sie wollen und die Studienwahl war genau die richtige für sie. Es gibt zwar auch langweiligere Tage, aber alles in allem blühen sie geradezu auf. Genau so sollte die Erfahrung im ersten Semester für jeden sein. Mit dieser Motivation kann das Studium eigentlich nur gelingen.

Studentenleben?

Das verbreitete Bild von Studenten sieht immer noch so aus:
Um 10 Uhr quält man sich aus dem Bett um so gerade noch mit einer großzügig ausgelegten akademischen Viertelstunde Verspätung zur Vorlesung zu kommen und das an gerade mal 3 Tagen in der Woche. Die restlichen Tage ist Feiern angesagt. Am Ende des Semesters gibt es dann mal 2-3 harte Wochen in der Bibliothek, aber dann sind erstmal 3 Monate Ferien.
Irrtum, liebe Erstsemestler! So sieht das Studentenleben (heute) nicht aus! Vielleicht schaffen es ein paar Wenige, sich so durchzumogeln, aber der Durchschnittsstudent hat ein anderes Leben. Aufstehen muss er zwar tatsächlich nicht immer so früh, und eine Dreitagewoche gibt es auch schon mal, aber es werden einige wichtige Details vergessen:

  • Die Veranstaltungen an der Uni gehen teilweise bis 19 oder 20 Uhr abends.
  • Blockseminare (v.a. in den Geistes- und Sozialwissenschaften) finden sehr gerne am Wochenende statt, d.h. Freitag, Samstag und Sonntag ist von 10 bis 18 Uhr Uni angesagt.
  • Die Bibliotheken in Deutschlands Universitäten sind meistens voll. Die Studenten lernen sehr viel und das zu fast jeder Tageszeit.
  • Partys gibt es genügend, aber durch Anwesenheitspflichten in Seminaren (mittlerweile wird’s wieder etwas lockerer) heißt die Devise: wer feiern kann, kann auch arbeiten!
  • Die so genannten „Ferien“ heißen eigentlich „vorlesungsfreie Zeit“ und bedeuten, dass dann Klausuren, Hausarbeiten oder Essays geschrieben werden bzw. gelernt wird für mündliche oder schriftliche Prüfungen.

Ich möchte hiermit nicht sagen, dass Studenten es unglaublich schwer haben, aber es ist durchaus stressig, vor allem, wenn man gut sein möchte.
Das Gemeine ist, dass dies nicht unbedingt im ersten Semester auffällt. In den Sozial- und Geisteswissenschaften wird es meistens erst so ab dem dritten Semester härter. Bei zulassungsfreien Studiengängen gelten diese Dinge allerdings schon von Beginn an.

Liebe Erstsemestler,…

Studieren ist wirklich toll und eine gute Entscheidung. Gerade das erste Semester bringt auch einige persönliche Veränderungen mit sich, da man erwachsen wird, sich vielleicht „neu findet“ und einfach ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Dennoch sollte man nicht zu blauäugig an die Sache heran gehen. Die gängigen Idealvorstellungen sollten hiermit relativiert sein. Wichtig ist aber noch zu sagen, dass man als Student natürlich bis zu einem gewissen Maße auch vieles selbst in der Hand hat. Auch zu Zeiten von Bologna hat man noch Freizeit, kann Freundschaften an Unis schließen, feiern etc.! Falls es zu stressig wird, kann man außerdem auch das Studium verlängern. Man sollte selbst dafür sorgen, dass das Studium eine positive Erfahrung wird.

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)