Burnout ist das Schlüsselthema unserer Zeit. Immer mehr Menschen fühlen sich überfordert, unter Druck gesetzt und ausgebrannt.  Die Zahl der Burnout-Erkrankungen ist in den letzten acht Jahren um 1400 Prozent gestiegen. Aber nicht nur die Überlastung in der Arbeitswelt ist alleinige Ursache, auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle.

Wir möchten deshalb das Thema Burnout eine Woche lang in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken und mit Experten über Ursachen und Prävention diskutieren. Mit unserer Burnoutexpertin Manuela Starkmann, Coach und Guid für Lebenszeitmanagement, Burnoutvorbeugung und Persönlichkeitsweiterentwicklung sprachen wir deswegen über  Diagnose,Vorbeugung und Maßnahmen, die einen Veränderungsprozess in Gang setzen können.

Die ganze Woche über werden wir das mit Manuela Starkmann geführte Interview in mehreren Serienteilen hier auf dem Blog veröffentlichen. In dem ersten Teil geht es heute um die hohe Medienpopularität, die das Thema Burnout mittlerweile besitzt.

Hauptsache Bildung: Mittlerweile wird Burnout als große Volkskrankheit in den Medien stilisiert. Allerdings gibt es medizinisch erst einmal keine Diagnose mit diesem Titel. Warum kommt es aber zu dieser extremen Popularität des Begriffes?

Manuela Starkmann: Ich schätze, es gibt zwei Betrachtungsweisen, die letztendlich wieder zu einem führen.

Betrachtungsweise a. weltlich-wirtschaftlich:

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Coaching- und Burnout-Experte Manuela Starkmann

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es nichts. Der Mensch musste um alles kämpfen, es sich verdienen. Somit hatte der Käufer Glück, wenn er etwas bekam, ihm etwas verkauft wurde. Ich schätze, nach und nach verblasste die Erkenntnis aus dem Krieg, wie schön es ist, zu überleben und gesund zu sein. Die Zufriedenheit wurde nicht mehr in sich gesucht, sondern im Außen, im Konsum. Und der Markt änderte sich. Es gab immer mehr Produkte und die Menschen konnten sie sich leisten, wenn sie arbeiteten. Je mehr man arbeitete, umso mehr Geld konnte man verdienen. Umso mehr konnte man sich wiederum kaufen. Irgendwann wandelte sich der Verkauf. Jetzt wurde sich um den Kunden gekümmert, er wurde König. Je professioneller das Verkaufen wurde, desto wichtiger war eine gute Führung.

Heute leben wir in einer Welt, mit einem Markt, wo wir uns grundsätzlich alles leisten können. Dass wir etwas erreicht haben, beweisen wir über die Statussymbole, die jeder erkennen kann. Auto, Wohnraum, Bekleidung, Freizeitaktionen. Das alles ist im Außen sichtbar, kostet Geld und Zeit. Der Mensch ist im Hamsterrad und läuft dem „immer-mehr“ nach. Ohne dabei zu merken, wie ihm die Luft ausgeht. Denn wenn und weil das Rad läuft, hat man keine Zeit für eine Pause, um sich das ganze mal ernsthaft zu betrachten und in Frage zu stellen. Und während man so rennt, von einem beruflichen Erfolg zum nächsten, von einem Partner zum nächsten, von einer Aktion zur nächsten, verliert man nach und nach an Kraft und Energie. Das kann der Mensch am Anfang noch kompensieren. Entweder mit mehr Anstrengung, für das gleiche Ergebnis, oder mit ein bisschen langsamer laufen, um zumindest ein wenig die Reserven aufzubauen. Niemand würde bei seinem Auto jahrelang nur auf Reserve fahren. Mit dem Körper meint der Mensch, kann er das tun. In der Summe dieser Einzelteile also kaum ein Wunder, wenn dann doch irgendwann das ganze System zusammenkracht.

Betrachtungsweise b. universell-ganzheitlich:

Der Mensch lebt weder gesund noch in seiner Mitte. Wie auch – hat ihm keiner gezeigt?! Wann auch – er macht halt das, was man ihm gezeigt hat?! Heute werden Kinder vor den TV oder andere Bildschirme gepflanzt. Essen gibt’s aus der Mikrowelle in Form von Fertigprodukten. Bewegung an der frischen Luft fällt zugunsten irgendwelcher Pseudosportübungen vor dem Fernseher im Wohnzimmer aus. Erwachsene meinen, es ist irgendein Esokram, wenn man sich erlaubt, sich mit sich zu beschäftigen… und unterlassen es dann. Die Anforderungen lassen eh keine Zeit dafür, gilt es doch, beruflich und privat, immer noch eine Schippe drauf zu legen. Im Beruf werden weitere Aufgaben angenommen, im Privatleben jagt eine Freizeitaktion die nächste. Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit, durch Telefon, Handy und Internet.

Wenn ein Mensch erkrankt, schaut er ganz selten welche Gründe dazu geführt haben können. Damit meine ich ganz deutlich nicht, dass man im Winter eine Erkältung bekommt, weil gerade alle krank sind. Hiermit ist die Ursachenforschung nicht abgeschlossen. Sondern damit meine ich, dass die wenigsten heute hinschauen, was ihnen ihr Körper aufzeigen möchte, z. B. durch die Rückenschmerzen. Heute, doch das verändert sich gerade Gott sei Dank, weiß kaum einer um seine Ganzheitlichkeit von Körper+Seele+Geist. Doch immer mehr Menschen erkennen, dass ihnen etwas fehlt. Sie werfen einen Blick nach draußen, während sie im Hamsterrad rennen. Sie spüren, dass sie in diesem weltlich-wirtschaftlichen System ihre universelle Ganzheitlichkeit verloren haben. Die sich vielleicht auch über etwas zeigt, was wir heute „Burnout“ nennen.

Fazit: Burnout ist so populär, weil wir Menschen mit unserer aktuellen Lebensweise, die nicht sehr weise ist, letztendlich nur bei Burnout rauskommen können. Burnout ist doch nur ein Begriff. Ein Versuch, darin alles zusammenzufassen. Bei dem Wort „Auto“ funktioniert das gut – dabei geht es ja auch um eine Sache. Bei dem Wort „Burnout“, handelt es sich um eine Art Überbegriff. Die Nuancen sind von Mensch zu Mensch verschieden. Denn bei jedem haben unterschiedliche Einzelteile seines Lebens zur Summe geführt.

Tipp: Morgen gibt es hier den zweiten Teil unseres großen Experteninterview mit Manuela Starkmann, in dem es um Sinnhaftigkeit einer Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen geht.

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Manuela Starkmann

Experte für Guiding
und Coaching

Schwerpunkte: Burnoutvorbeugung, LebensZEITmanagement und Guiding, Vertriebscoaching und Bewusstseinserweiterung.

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