Interview mit Burnoutexperte Manuela Starkmann Teil III

 Nachdem wir gestern mit Manuela Starkmann über die Sinnhaftigkeit einer Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen gesprochen haben, geht es heute im dritten Teil unserer Interviewserie zum Thema Burnout um Ursachen und Umstände einer Burnout-Erkrankung.

Hauptsache Bildung: Gibt es Personen, die besonders gefährdet sind, an einem Burnout zu erkranken?

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Coaching- und Burnout-Experte Manuela Starkmann

Manuela Starkmann: Aus meiner Sicht, und die teile ich mit weiteren Menschen, Nein. Ich empfehle gerne das Buch „Burnout“ von dem Quantenphysiker Dr. Michael König. Oder man schaut sich „Der Geist bestimmt die Materie“ von dem Biologen Bruce Lipton an. Wer sich hier interessiert und offen zeigt, dem werden weitere Informationen und Beweise nur so zufliegen.

Doch als Richtung, wer möglicherweise eher „gefährdet“ ist, gebe ich gerne diesen Blickpunkt:

Kein Mensch bekommt heute Burnout, weil er in den letzten Monaten so viel, mehr als sonst gearbeitet hat. Das ist schlicht Unsinn. Mein Oma hat gesagt: „100 Pfennig machen auch eine Mark.“ Zu Burnout gehört, wie bereits gesagt, alles. Somit gehört zu Burnout das berufliche wie auch das private Umfeld. Und dazu gehört auch die Gegenwart und die Vergangenheit. Wenn wir heute in das neue Feld der Bewusstseinsforschung blicken, dann wissen wir, dass Kinder bis ungefähr sechs Jahren alles unbewusst speichern, was sie erleben. Hören sie z. B. „Das kannst Du nicht“, „Du machst das falsch“, „Mach das nicht kaputt“, dann führt ihr inneres Programm letztendlich zum Ergebnis: Ich bin nicht gut bzw. ich bin nicht gut genug. So springt, in Kurzfassung, schon der kleine Mensch ins Hamsterrad, in dem er heute noch, ohne es bewusst wahrzunehmen, läuft. Damals wurde er vielleicht bemessen an Noten, heute am Gehalt. Entscheidend ist: Wer seine unbewussten Programme nicht kennt – laut Hirnforschung mindestens 95 % – der wird gelebt und lebt nicht. Niemand wird diese 95 % erkennen, doch hilfreich ist zumindest das Wissen, dass wir unser Leben nicht selbst führen, sondern dass wir von unseren unbewussten Glaubenssätzen und Verhaltensmustern geführt werden. Ja, und manchmal vielleicht auch in etwas, was wir heute „Burnout“ nennen.

Hauptsache Bildung:  Oft sind es ja äußerliche Umstände, die zu einer Burnout führen. Durch den zunehmenden Leistungsdruck, eventuell Angst vor dem Jobverlust, geraten viele Menschen in einen Burnout. Wie kann man selbst etwas dagegen tun?

Manuela Starkmann: Sie werden es ahnen: Ich glaube nicht an äußere Umstände. Kein Mensch kommt mit einem Reiz von außen in Resonanz, wenn Innen nicht das passende Gegenstück ist. Sonst könnte man ja mit jedem Schlüssel jede Türe aufschließen.

Glaubt der Mensch z. B. dass er nicht schlau genug ist, dann macht er Fortbildung um Fortbildung. Nimmt jede weitere Aufgabe an und ist in seiner Freizeit hoch aktiv. Falls das plakativ klingt, darf man abziehen, was nicht zu einem passt und addieren, was man tatsächlich tut. Mit diesem Ergebnis und den definitiv gleich verteilten 24 Stunden Zeit pro Tag funktioniert halt ein „noch mehr, noch schneller, noch besser“ nicht bis in alle Ewigkeit.

So sollte man herausfinden, was einen dazu bringt, den Leistungsdruck anzunehmen, anstatt eine gesunde Grenze zu setzen. Oder man klärt für sich seine allgemeinen Sorgen, etwa die Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes, und was wirklich dahinter steckt. Damit meine ich nicht, oberflächlich zu wissen, dass beim Verlust des Arbeitsplatzes das Geld knapp wird, sondern, welche Ängste tatsächlich, unter der Oberfläche, im Unterbewusstsein, eine Rolle spielen.

Eine Empfehlung, die ich gerne gebe ist:

Folgen Sie Ihrem ersten Impuls. Ist das erste Gefühl ein „möchte ich nicht“, dann lassen Sie es. Pfeifen Sie auf Anerkennung, Sicherheit oder Kontrolle – eins davon ist es mindestens. Seien Sie gut zu sich, lassen Sie es, wenn Ihr Unterbewusstsein Ihnen ein „Nein“ morst.

Hauptsache Bildung: Liegt bei Burnout immer eine Überforderung zu Grunde oder können auch andere Dinge wie zum Beispiel mangelnde Wertschätzung (im Beruf oder auch privat) dazu führen?

Manuela Starkmann: Ja, auch das kann zu Burnout führen. Dem einen ist das fehlende Lob von außen egal, dem anderen überhaupt nicht. Es ist immer eine Summe der Einzelteile und die sind bei jedem Menschen anders. Wichtig ist zu erkennen, was man braucht, was einem fehlt und zu welcher Folge das führen kann. Wenn für einen Mitarbeiter ständig fehlendes Lob dazu führt, dass er innerlich kündigt, kann er natürlich seiner Führungskraft die Schuld geben. Doch wäre es sinnvoller, bereits vorher, vor der inneren Kündigung, festzustellen, aus welchen Gründen Lob als fehlend wahrgenommen wird, inwieweit man am eigenen Selbstwertgefühl arbeiten mag und dann darüber hinaus vielleicht auch ein Gespräch mit dem Chef sucht, um die Situation anzusprechen. In Summe sind es immer die Einzelteile und in deren Addition liegt die eigene Klarheit zu Grunde. Wer die alleine nicht findet, kann sich dabei professionell begleiten lassen. Das lichtet sehr.

Tipp: Morgen gibt es hier den vierten Teil unseres großen Experteninterview mit Manuela Starkmann, in dem es um die Umstände und Ursachen eines Burnout geht.

Coaching-Expertin Manuela Starkmann

Manuela Starkmann

Experte für Guiding
und Coaching

Schwerpunkte: Burnoutvorbeugung, LebensZEITmanagement und Guiding, Vertriebscoaching und Bewusstseinserweiterung.

Zum Profil

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 10.0/10 (1 vote cast)
Ursachen und Umstände einer Burnout-Erkrankung, 10.0 out of 10 based on 1 rating