Serious Games als neue Art des Lernens, die besonders in der beruflichen Bildung Anwendung findet, bietet besonders für das Fernstudium völlig neue Möglichkeiten.

Was sind „Serious Games“?

seriousgamesSerious Games sind Computerspiele, die speziell für Lernzwecke entwickelt werden. Sie sind eine Form des E-Learning, in der ein oder mehrere Spieler fast lebensnah in spezifische Situationen verwickelt werden oder sich einem bestimmten Thema widmen und sich dieses aneignen. Von großer Bedeutung sind dabei Planspiele, in denen Simulationen von tatsächlichen Prozessen und Situationen des Arbeitsalltags dargestellt werden und in denen die Spieler dann angemessen (inter-)agieren müssen.

Dr. Lutz Goertz zufolge, lassen sich Serious Games darin unterscheiden, ob sie on- oder offline stattfinden, für einen oder mehrere Spieler bzw. Teams konzipiert sind und ob sie einen Wettbewerbscharakter haben oder eher kreative Lösungsansätze bzw. Kooperationsfähigkeit von den Nutzern fordern.

Spielerisches Lernen – eine neue Idee?

Neu ist der Ansatz, durch ein Spiel zu lernen, absolut nicht. Mit Spielen sind schon sehr lange auch Einsichten und Lerneffekte verbunden, da häufig Strategien notwendig sind, die zumindest das logische Denken fördern. Besonders John Locke und seine nachfolgenden Pädagogen in der Epoche der Aufklärung traten vehement dafür ein, das Lernen spielerisch zu gestalten, um die Lernlust der Schüler nicht zu gefährden und das Lernen als etwas Angenehmes erleben zu können.

Dieselben Gedanken sind auch mit den Serious Games verbunden. Die Motivation, ein PC-Spiel durchzuspielen, ist sehr hoch und wenn dabei etwas gelernt wird, macht es Sinn dieses Medium in formelle Bildungsgänge zu involvieren.                                                                                                              Bislang findet dies besonders in der Aus- und Weiterbildung seine Anwendung. Hier werden komplette Produktionsprozesse und/oder Wirtschaftszusammenhänge sowie Unternehmen simuliert, in denen Auszubildende und Lernende in der Weiterbildung spezielle neue Kenntnisse handlungsorientiert lernen und anwenden. Bislang hat dies in der Regel ohne mediale Unterstützung stattgefunden, doch die neuen Entwicklungen auf dem Markt für Lernspiele machen es möglich, das spielerische, handlungsorientierte Lernen auf diese Art in Aus- und Weiterbildung zu etablieren.

Eignen sich Serious Games für das Fernstudium?

Serious Games sind gerade für Fernstudiengänge eine enorme Bereicherung. Die Studiengänge unterschieden sich bisher häufig vor allem dadurch von Präsenzstudiengängen, dass Praxisbeispiele nicht gut integriert werden konnten und gerade die Handlungsorientierung des Lernens zu kurz kam, da die Studierenden nicht gemeinsam vor Ort waren. Während Planspiele und Simulationen in den Studiengängen außerhalb der Fernuniversitäten häufiger wurden, war dies dort eben nicht möglich, auch wenn sich die Möglichkeiten durch das Internet zunehmend verbesserten.

Serious Games machen es jedoch möglich, auch ohne die Anwesenheit der Studierenden, Simulationen durchzuspielen und so besser auf Handlungszusammenhänge im Beruf vorzubereiten bzw. neue Kenntnisse spielerisch und anwendungsbezogen zu lernen. Dies lässt die Qualität des Lernens im Fernstudium ansteigen bzw. nähert auch die Art des Lernens der in Präsenzstudiengängen an.

Außerdem bieten sich Serious Games in wichtigen Fernstudienbereichen besonders gut an, wie beispielsweise in wirtschaftlichen, gesundheitlichen und organisationstheoretischen Studiengängen (Management etc.).

seriousgamesGibt es auch Argumente gegen Serious Games im Fernstudium?

Problematisch an den Serious Games ist bislang, dass die technische Ausstattung der Teilnehmenden relativ hoch sein muss. Die Computer müssen hochwertig sein, besondern was zum Beispiel die Graphikkarte anbelangt. Diese gute Ausstattung verlangt ein Fernstudium mittlerweile jedoch allgemein.

Des Weiteren sind die Kosten für die Entwicklung eines Serious Game sehr hoch, sodass es für einzelne Bildungsgänge kaum möglich ist, ein genau passendes Spiel entwickeln zu lassen. Vielmehr werden sich wahrscheinlich einzelne Spiele in bestimmten Fachbereichen durchsetzen, die dann allgemeine Kenntnisse vermitteln. Auf ganz spezifische Situationen eines Unternehmens kann dies jedoch dann nicht verweisen.

Ebenso ist nicht zu vernachlässigen, dass die PC-Kenntnisse der Lernenden sehr unterschiedlich sind. Gerade die jüngere Generation kann wahrscheinlich problemlos mit den Spielen umgehen und sich dort hineinarbeiten. Für die Generation 50+, für die das Fernstudium ggf. eine Möglichkeit darstellt, sich weiter zu bilden, um die eigenen Jobchancen zu verbessern, dürfte das im Durchschnitt jedoch wesentlich schwerer sein. Insofern ist es fraglich, ob die Teilnehmergruppe von Fernstudiengängen tatsächlich schon bereit ist, diese neue Art des Lernens anzunehmen und in all ihren Möglichkeiten zu nutzen.

 

Bildnachweis: @istockphoto/danwilton

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