Auch wenn Akademiker zunehmend weniger Kinder bekommen und dann durchschnittlich erst mit Mitte 30, gibt es dennoch ein paar Studenten, die bereits während ihrer Zeit an der Hochschule Eltern werden. Diese Studenten haben es zwar nicht leicht, aber es gibt dennoch zahlreiche Unterstützungen, die das Projekt „Studieren mit Kind“ durchaus gut möglich machen.

Kindergeld, Elterngeld und Co.

Die Finanzen scheinen im Studium zunächst zu knapp, um auch noch ein Kind durchzubringen, doch man darf die staatliche Unterstützung dabei nicht vergessen. Klar ist, dass man als Elternteil ein Recht auf Kindergeld in Höhe von 184 € für das Kind hat (ab dem dritten Kind mehr). Hinzu kommt, dass die meisten Studenten selbst noch einen Kindergeldanspruch haben, der auch nicht wegfällt, wenn sie selbst Eltern sind.

Des Weiteren steht Studenten für mindestens 12 und maximal 14 Monate Elterngeld zu. Die Höhe des Elterngeldes richtet sich normalerweise nach dem vorherigen Gehalt. Da Studenten jedoch nichts bis wenig verdienen, gehören sie in die Gruppe, denen der Mindestsatz des Elterngeldes zusteht – 300 €. Einem Elternteil kann dieses Geld für 12 Monate gezahlt werden und dem anderen dann für weitere 2 Monate. An Alleinerziehende werden in der Regel aber 14 Monate gezahlt.

Außerdem wird die BAföG-Rechnung bei Eltern verändert. Dem Studenten mit Kind steht eine elternunabhängige Förderung zu. Der Satz richtet sich somit lediglich nach dem eigenen Gehalt und ggf. nach dem des Ehe- oder Lebenspartners. Dieses Geld ist allerdings weiterhin als 50%iges Darlehen zu sehen.
Je nach Einkommenslage kann man außerdem bei einigen Organisationen (z.B. der Caritas) anfragen, ob diese eine Unterstützung für die Erstausstattung für das Kind zahlen. Diese Erstausstattung zahlen außerdem auch manche Krankenkassen. Studenten, die ein Stipendium erhalten, sollten sich außerdem informieren, welche Fördermöglichkeiten für Studenten mit Kind bestehen. Auch dabei wird das Stipendium in der Regel elternunabhängig ausgezahlt und es gibt Zuschläge für das Kind. Finanziell ist diese Situation demnach gut zu meistern.

Studienorganisation mit Kind

Natürlich geht es nicht nur um die finanzielle Sicherheit für Studenten mit Kind. Auch die Frage danach, wie man es schaffen soll Vorlesungen und die Kinderbetreuung zu vereinen, ist entscheidend.
Zum einen sollte man sich darüber im Klaren sein, dass auch nach der Umstellung auf Bachelor und Master eine Verlängerung des Studiums ohne Probleme möglich ist. Die Mitarbeiter der Universität können dazu aber auch beraten. Anstatt sich zu viel Stress zu machen und das Kind möglicherweise von Anfang an ganztags wegzugeben, kann man das Studium also auch einfach nach hinten hinauszögern.

Trotzdem braucht man auch für die wenigen Stunden Uni in der Woche und für das Lernen eine geeignete Betreuung für das Kind. Aber auch dazu gibt es mittlerweile genügend Möglichkeiten. Viele Universitäten verfügen über eigene Kindertagesstätten. Hier können die Kinder ab einem festgelegten Alter je nach Gruppe hingegeben werden (in der Regel frühestens ab 6 Monaten). Außerdem gibt es noch die Möglichkeit eine Tagesmutter für  die Stunden, in denen man zur Uni muss, zu beschäftigen. Manchmal begleiten sogar diese Tagesmütter oder -omis die Studenten auch einfach zur Uni, sodass sie in den Pausen ihr Kind sehen können.

Genauso kann man sich zum Beispiel mit anderen Studenten zusammen zutun, die in derselben Situation sind und eine Betreuung zu organisieren. So passen immer die, die gerade keine Uni haben,auf die Kinder der anderen auf. Wem das dennoch anfangs zu stressig ist, kann natürlich auch ganz klassisch ein bis zwei Urlaubssemester einlegen. Hierbei sollte man allerdings bedenken, dass dann kein BAföG und kein Stipendium gezahlt werden.

Flexibilität im Studium

Trotz geregelter Betreuung für das Kind, ist es manchmal schwierig, sich an bestimmte Fristen und Termine zu halten. Das Kind kann am Klausurtermin krank werden oder die Tagesmutter springt spontan ab. Auch hier hat man als Student mit Kind Rechte, die Fristen etwas flexibler zu gestalten.

Im Einzelnen sollte man dazu die Sozialberatungsstelle der Hochschule aufsuchen und sich informieren. Häufig genügt es aber auch schon, dem Dozenten die Situation zu schildern und mit ihm einen Alternativtermin auszumachen bzw. die Frist zu verlängern. Die wenigsten haben hiermit ein Problem.

Hilfe für gestresste Studenten mit Kind

Gerade die erste Zeit kann für jedes frisch gebackene Elternteil stressig werden. Studenten, die sich eine Doppelbelastung vornehmen, kann dies natürlich auch immer wieder überfordern. In jeder Stadt gibt es allerdings Beratungsstellen und Organisationen, die hier unter die Arme greifen können.

Die Organisation „wellcome“ und teilweise auch der Kinderschutzbund verfügen über ehrenamtliche Mitarbeiter, die als Familienhilfe unterstützend zur Seite stehen. Sie wollen damit genau die Aufgaben übernehmen, die sonst die Großeltern des Kindes oder etwa Nachbarn übernehmen würden, die während des Studiums aber oft zu weit weg sind.

Studentenleben mit Kind

Das Bild eines Studenten, dessen Woche nur drei Tage hat, der an allen anderen Tagen feiern geht und überhaupt neben ein paar Lernphasen vor allem in Parks und Kneipen abhängt, trifft auf Studenten mit Kind nicht zu. Ihr Alltag ist der eines jeden Elternteils. Das kann dazu führen, dass Kontakte zu anderen Studenten schwer möglich sind, da sich der Lebensstil so stark voneinander unterscheidet.

Das heißt nicht, dass man als Student mit Kind ausgeschlossen wird, aber das Partyleben mit den anderen Studenten zu genießen wird eher selten der Fall sein. Um trotzdem studentische Kontakte zu pflegen bieten manche Universitäten und nahe gelegene Familienbildungsstätten manchmal extra Spielgruppen oder andere Veranstaltungen für Studenten mit Kind an. Hier kann man dann also Studenten kennenlernen, die in ähnlichen Situationen sind.

Familienfreundliche Universitäten 

Über eine Kindertagesstätte verfügt mittlerweile fast jede Hochschule, einige haben sogar mehrere. Generell gilt jedoch, dass die Hochschule familienfreundlicher ist, je größer sie ist und je höher der Frauenanteil an Studenten ist. Das liegt einfach daran, dass die größeren Universitäten auch allein statistisch häufiger Studenten mit Kindern haben und sich eine Kindertagesstätte sowie Beratungsstellen somit lohnen. Ebenso sieht es mit dem Frauenanteil aus. Häufig ist es eben so, dass auch in akademischen Kreisen die Frau diejenige ist, die Kind und Beruf/Studium miteinander verbindet. An technischen Hochschulen, an denen in der Regel der Männeranteil größer ist, besteht somit häufig eine schlechtere Betreuungs- und Beratungssituation.

Wie man sieht, ist es nicht unmöglich, das Studium mit Kind zu schaffen. Auch wenn man vielleicht etwas länger braucht und im Studium möglicherweise nicht so viel schafft, wie man gerne möchte, ist es wirklich machbar. Hinzu kommt, dass der Zeitpunkt, im Studium ein Kind zu bekommen auch gar nicht so schlecht ist. Immerhin muss man anschließend seinen Job nicht unterbrechen oder pausiert zwischen Studium und Job, ohne einmal gearbeitet zu haben. Das Unterstützungssystem durch den Staat, ehrenamtliche Organisationen und die Unis selbst machen das Studieren mit Kind zumindest mittlerweile durchaus möglich.

Bildnachweis: @istockphotos.com/fotostorm; @istockphotos.com/lostinbids

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