Social MediaNach einer Woche, in der Hauptsache Bildung jede Menge qualifizierte Beiträge zum Thema Werte veröffentlicht hat, möchte ich abschließend noch einmal die Frage aufgreifen, ob das Internet, unter anderem mit seinen vielen „sozialen“ Kommunikationsplattformen, Werte verändert hat. An diese Frage möchte ich jedoch nicht wissenschaftlich herangehen, sondern zwei Beispiele aus dem Leben nennen. Es kann durchaus passieren, dass ich dabei Werte und Tugenden verwechsle und die Betrachtungsweise völlig subjektiv ist– man möge es mir nachsehen.

Der „Umgangston“ in Sozialen Netzwerken

Ich habe zwei pubertierende Töchter und werde deshalb auch fast zwangsläufig mit Facebook konfrontiert. Dabei ist es mir schon öfter aufgefallen, dass in dieser Community, bzw. in der Nutzergruppe meiner großen Tochter, ein mehr als rauer Umgangston herrscht. Als ich vor circa 30 Jahren in diesem Alter war, da fand soziale Interaktion überwiegend an der Bushaltestelle, auf dem Bolzplatz oder in den örtlichen Vereinen statt. Bei ungefähr jedem dritten Satz, den ich heute manchmal im Rahmen einer Facebook-Zickenkonversation lese, hätte es an diesen Stellen früher ganz einfach eine Watsch´n gegeben und gut war´s.

Circa jedes zweite Facebook Geflame von heute, hätte damals eine handfeste Keilerei ausgelöst und mindestens einmal am Tag wäre notfallmedizinische Intervention erforderlich gewesen. Da konnte man nicht einfach einem 3 Jahre älteren Jugendlichen eine Beleidigung an den Kopf werfen – bzw. konnte man das schon, musste dann aber extrem schnell rennen oder schmerzhafte Konsequenzen ziehen. Heute schreibt man seine Beleidigung in den Chat oder sonst wohin und geht dann schnell wieder offline – meist ohne weiteren Konsequenzen.

Beleidigende Mitspieler in Online-Spielen

Ein weiteres Beispiel sind Online-Spiele. Hier will ich kurz ein Erlebnis schildern, welches das Online-Rollenspiel World of Warcraft betrifft, denn ich muss zugeben, dass ich selbst sporadisch dieses Spiel spiele. In Online-Spielen können andere Spieler schon so richtig nervig sein und einem manchmal sogar weitgehend den Spaß am zocken verderben. Auf meinem Server spielte beispielsweise ein ganz besonderer „Stinkstiefel“, der andere Spieler ständig beleidigte und angriff, wegen dieser Person hätte ich fast das Spielen aufgegeben.

Wie der Zufall so will, traf ich mich eines Tages mit einem Schulkollegen, der auch WoW spielte. Er erzählte mir, dass bei ihnen die ganze Familie dieses Spiel spielt, unter anderem auch sein jüngster Sohn. Als er mir den Namen des Spielcharakters seines Sohnes und den Server auf dem er spielt mitteilte, fiel ich aus allen Wolken. Ganz genau! Der beleidigende und aggressive Ork-Schurke entpuppte sich als ein pickelgesichtiger, schüchterner Zwölfjähriger. Als er erfuhr, dass ich von seinem virtuellem Verhalten wusste, wechselte er übrigens den Server….

Gedanken dazu

Alleine diese beiden Beispiele führen mich persönlich zu der Frage, ob wir vor dem Computer, also hinter dem Schutzschild der Anonymität, andere Werte leben als in der persönlichen Interaktion mit unseren Mitmenschen. Oder übertragen wir sogar die Werte, die im Web für uns Gültigkeit haben, nicht nur in soziale Netzwerke sondern auch in unser soziales Netz. Es wäre schön, wenn Werte wie Respekt, Empathie und positive Wertschätzung überall Anwendung finden könnten, unabhängig davon ob wir anonym agieren oder nicht. Meine Meinung dazu ist, wenn man Werte leben will dann bitte in ALLEN Bereichen des Lebens, alles andere ist Heuchelei.

Ich möchte das aber gar nicht weiter ausführen, sondern jeden dazu anregen, selbst darüber nachzudenken.

 

BildnachweisListockphoto.com/iPandastudio

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