Fragt man Abiturienten, was sie nach den Prüfungen beruflich planen, so bekommt man zunächst ein Achselzucken. Wenige Augenblicke später kommt dann schon eine forschere Antwort.  Viele von ihnen sagen, dass sie ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren möchten. Nach der Abschaffung des Zivildienstes ist die Zahl der jungen Menschen, die sich freiwillig sozial engagieren, erfreulich hoch. Und in der Tat spricht vieles nach dem Abitur für den Freiwilligendienst.

Praxiserfahrungen im sozialen oder ökologischen Dienst

Viele Schüler haben nach dem Büffeln eine Sehnsucht nach Praxis. Sie sind mit Theorien, Lektüren und Formeln überladen und müssen erst einmal Abstand davon gewinnen, um sich neu zu entdecken. Das Abitur stellt eine echte erste Lebensetappe dar, und so wundert es nicht, wenn junge Menschen eine neue Orientierung suchen. Die Alltagserfahrungen, die sie im FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) machen können, bieten ihnen eine echte Chance, sich neu zu entdecken und danach zu entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Wer unsicher in der beruflichen Karriereplanung ist, dem kann man nur zuraten, sich die Optionen offen zu lassen und erst einmal einzutauchen in die Welt des Erwachsenenalltags.

Auslandsjahr – Eine echte Alternative

Wer mit einem Auslandsjahr liebäugelt, der muss sich unterdessen etwas früher damit beschäftigen und sollte wenigstens im letzten Abiturjahr schon den einen oder anderen Erfahrungsbericht dazu gelesen haben. Australien oder die USA sind weit weg, und jeder muss für eine solche Entscheidung bedenken, dass auch das Auslandsjahr bestimmte Entscheidungen über die spätere Berufswahl nur aufschiebt. In diesem Überbrückungsjahr lassen sich natürlich die Fremdsprachenkenntnisse ausbauen. Zugleich ist die nachweisbare Auslandserfahrung ein wichtiges Plus  für spätere Arbeitgeber.

Studieren – Aber was?

Eine große Problematik stellt der enge Zeitrahmen zwischen Abitur und Studium dar. Die Abiturienten bekommen ihr Abschlusszeugnis in der Regel im Juni, sehen dann ihren Schnitt und müssen häufig bis zum 15. Juli als Stichdatum entscheiden, für welche Fächer sie sich an welcher Hochschule einschreiben. Allein dieser enge Rahmen für Entscheidungen ist verantwortlich für die noch immer hohe Abbruchquote in Studiengängen oder für die erhöhte Zahl der Studiengangwechsler. Wer auf der einen Seite mit der Reform zum G8 die jungen Menschen früher in den Beruf bringen möchte, der muss auf der anderen Seite zur Kenntnis nehmen, dass zwischen 30-40% pro Jahrgang  durch eine falsche Entscheidung zwei oder manchmal auch drei Jahre wieder verlieren. Diese erschreckend hohe Zahl hat sicher auch andere Gründe, doch wäre es wünschenswert, wenn den jungen Menschen an dieser Schnittstelle ihres Lebens mehr Zeit bliebe. Die Studienwahlentscheidung hat sehr viel mit der Persönlichkeit und den Stärken eines Menschen zu tun. Häufig fehlt es den Abiturienten auch an klaren Berufsbildern. In jedem Fall ist hier eine ordentliche Beratung empfehlenswert. Die Präsenzdienste der Agenturen für Arbeit an den Schulen während der Abiturzeit können kaum die Fragen zu den vielfältigen Möglichkeiten des Einzelnen beantworten.

Eine Ausbildung als erster beruflicher Meilenstein

Dieser Tage hören wir, dass Unternehmen darüber klagen, keine Auszubildenden mehr zu bekommen. Was dran ist an diesen Klagen, lässt sich nur sehr schwer einschätzen und ist sicher von Branche zu Branche unterschiedlich. Wer eine Ausbildung nach dem Abitur anstrebt, der muss sich in der Regel ein Jahr zuvor um einen Ausbildungsplatz kümmern. Es nehmen aber in der Tat die Fälle zu, in denen eine spätere Initiativbewerbung außerhalb der Fristen noch zum Erfolg führen kann. Dafür sollte man aber mindestens eine ordentliche Bewerbermappe präsentieren können.  Gleiches gilt für ein Praktikum, das für bestimmte Studiengänge eine Voraussetzung zur Zulassung ist. Auch hier gilt die Empfehlung an junge Menschen, sich genau anzuschauen, wie die Anschlussperspektive aussieht. Eine richtige Entscheidung trifft man nur einmal.

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 9.0/10 (1 vote cast)
Was nach dem Abi? Freiwilliges Jahr, Auslandsjahr oder Studium?, 9.0 out of 10 based on 1 rating