Die Steinzeit  war offline. Wie wir bis weit in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Einzig Militär und Geheimdienste konnten GPS-Systeme  und Funkfrequenzen nutzen. Mit der breiten Einführung des World Wide Web 1993 haben sich Kommunikations- und Bildungsprozesse im gefühlten Minutentakt beschleunigt. Selbst Luther hat mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche keine so schnelle Resonanz gefunden. Heute sprechen die Finger mehr als der Mund, wenn es um die Kommunikation via Email, SMS oder Facebook geht. Diese Entwicklung ist in ihrem Kern eine Frage der Bildung. Haben die virtuellen Netzwerke unseren Bildungshorizont verändert?

Die Anforderungen im beruflichen Alltag sind durch das Web schlagartig erhöht worden. Vieles dabei ist heute eine Frage der Technik. Studenten sichern sich bereits Seminarplätze über Apps und genießen diesen Wettbewerbsvorteil.  Im Büro oder auch privat sind wir gewohnt, vierundzwanzig Stunden verfügbar zu sein.  „Noch 148 Mails checken…“ singt Tim Bendzko. Das geht heute mal eben so oder muss gehen. Von Multitasking spricht die Wirtschaft gern, wenn es um die optimale Nutzung des Humankapitals geht. Die moderne Sprache verrät uns – wie wir leben, wie wir denken, wie wir uns bilden. Dabei steht außer Zweifel, dass die breite Vernetzung über den PC dafür gesorgt hat, dass viel mehr Menschen an wichtigen Bildungsprozessen teilhaben können. Doch wie steht es um die Qualität der Kommunikation?

Bildung hat etwas mit Kommunikation zu tun. Bildung muss kommuniziert werden. In der Vorstellung eines digitalen Klassenzimmers steckt die große Gefahr, dass die Menschen verlernen, situativ und persönlich zu agieren. In digitalen Fernräumen der Kommunikation verlieren sich zwangsläufig soziale Kompetenzen. Wer Bildung nicht mehr persönlich mitgeteilt bekommt, der wird zukünftig menschliche Nahräume im Arbeitsalltag kaum mehr meistern können. Die medialen Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre haben dabei durchaus Fortschritte gebracht, wenn es um das Bewusstsein über die Kommunikation geht. Dennoch ist zu betonen, dass alles dafür getan werden muss, dass die Vermittlung von Bildung zu einem größeren Anteil personal bleiben muss. Wir können und dürfen Professoren nicht gegen Computer eintauschen. In diesem Sinne ist es für die Zukunft entscheidend, dass Menschen in der Lehre und in der Bildungsvermittlung wieder eine höhere Wertschätzung entgegengebracht kommen.

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