Wer einen Burnout erlitten hat, sollte sich vor der Wiedereingliederung genau bewusst machen, welche Ursachen dafür maßgeblich waren. War es das aggressive Arbeitsklima? Hat ein Familienschicksal dazu geführt? Oder sind es die ungesunden Wechselwirkungen von Beruf und Familie gewesen? In einem ist sich die heutige Forschung einig. Der Patient braucht für eine erfolgreiche Eingliederung erst einmal Zeit und Ruhe.

Wer die Fehler wiederholt, wird rückfällig

Menschen, die nach einem Burnout von einer frühen Genesung ausgehen, begehen schon den ersten Fehler. Zeit und Ruhe sind bei weitem die wichtigsten Faktoren für einen erfolgreichen Heilungsverlauf. Wer meint, er könne danach wieder der Alte sein, der täuscht sich. Die Aufarbeitung der Ursachen spielt eine fundamentale Rolle in der Therapie, weil sie notwendig für die Veränderungen mit der Wiedereingliederung sind. Es ist ein häufiger Irrtum von Patienten, man könne danach einfach so weiter machen und Leistung wie früher zeigen. Eine Analyse, wo Anforderungen in Überforderung übergegangen sind, zeigt häufig, dass der Patient von einem falschen Leistungsbild ausgegangen ist.

Veränderungen im Beruf

Häufig verändern erfolgreich geheilte Patienten nach der Therapie ihre Berufsorientierung. Es hängt vom Beruf und vom Arbeitgeber ab, inwiefern sich eine Wiedereingliederung in den alten Beruf erfolgreich gestalten lässt. Wer erkennt, dass die notwendigen Veränderungen mit dem alten Arbeitgeber und der Branche nicht zu machen sind, sollte einen Neuanfang versuchen. Wer bereits in den ersten Wochen nach Wiedereingliederung spürt, dass keine neuen Reizpunkte mehr im Beruf zu erleben sind, die Alltagsanforderungen schnell wieder zu einer Routine werden, dem ist ein Berufswechsel dringend empfohlen. Manche Burnout-Patienten meinen, dass sie mit ihrem Wunsch nach einer beruflichen Veränderung ihr Scheitern endgültig offen legen. Es sind diese Patienten, die noch nicht vollständig geheilt sind. Erst wer begreift, dass in einem Neuanfang auch eine neue Chance liegt, wird weniger Angst vor dem Neustart verspüren.

Kollegen am alten Arbeitsplatz

Eine der wichtigsten Fragen stellt sich denjenigen, die mit ihrer Wiedereingliederung in die vorher ausgeübte Tätigkeit zurückkehren. Wie gehen die Kollegen mit mir um? Wie gehe ich jetzt mit ihnen um? Es hängt sicher von der einzelnen Persönlichkeit ab, hier die richtige Strategie zu finden, aber sicher ist, dass ein offener Umgang damit weniger problematisiert und auch für die Kollegen angenehmer ist. Wer die Krankheit weiter tabuisiert, hat in der Regel den damit verbundenen Ausfall therapeutisch noch nicht verarbeitet. Das kann neue Probleme schaffen, wenn die Anforderungen durch Kollegen erneut spürbar werden. Das Vertrauen zu Kollegen kann dabei neue Energien befördern und den Zusammenhalt stärken, weil im Unternehmen ein neues Bewusstsein für die spezifischen Belastungsspitzen im Unternehmen geschaffen werden kann.

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Wie sieht ein (Berufs-) Leben nach dem Burnout aus? Wie kann eine Wiedereingliederung in den (Berufs)-Alltag stattfinden?, 4.5 out of 10 based on 2 ratings