Schulhefte waren gestern. Eine Medienklasse am Archenhold-Gymnasium in Berlin-Köpenick lernt mithilfe von Wikis. Der Zugang ist auch von zu Hause möglich – die Schüler sind mit Begeisterung dabei.

Die Schüler der Medienklasse des Archenhold-Gymnasiums Berlin haben nun seit zwei Jahren Wikis im Einsatz. Dabei wurde das Wiki nicht nur in den naturwissenschaftlichen sondern auch in den geisteswissenschaftlichen Fächern vielfach eingesetzt. Mithilfe dieser Plattform können die Schüler individuell oder gemeinsam Informationen über verschiedene Quellen, auch über das Internet, sammeln und bewerten. Darüber hinaus sind sie angehalten, ihre Informationsbeschaffung zu reflektieren, vor allem dann, wenn sich in der Gruppe unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Die Schüler verfassen, wie man es aus der weltweit offenen Wikipedia kennt, eigene Lexikon-Seiten, inklusive Gliederung und Quellenverzeichnis, die immer mit dem Lehrer abgestimmt werden können. So erfolgreich das Projekt der Berliner Schule auch ist – es ist keinesfalls repräsentativ.

Melanie Unbekannt, Mitarbeiterin von Twoonix, dem Unternehmen, welches die Wiki-Anwendung der Schule entwickelt hat und pflegt, sieht sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern noch Nachholbedarf in Sachen Informationsbeschaffung über das Internet: „Ein Schüler sollte lernen, nicht nur eine einzige Informationsquelle zu nutzen. Und auch Lehrer müssen schauen, welche Möglichkeiten das Internet bietet. Denn dort sind manchmal sehr tolle Schätze zu finden. Jedoch müssen auch sie die entsprechenden Quellen bewerten und dies geht natürlich nicht ohne ein gewisses Grundverständnis der neuen Technologie.“

Freie Lern- und Lehrmaterialien

Daher spricht vieles für den Einsatz von freien Lehr- und Lernmaterialien, im Englischen „Open Education Resources“ genannt. Das Konzept der OER wurde 2002 vom UNESCO „Forum on the Impact of Open Courseware for Higher Education in Developing Countries“ entwickelt. Der Grundgedanke ist, dass der Zugang zu Lehr- und Lerninhalten für Bildungsinstitute und Lernende kostenlos sein soll. Weiterhin steht OER für die Nichtlizensierung von Inhalten, sodass diese frei verändert, kombiniert und wiederverwendet werden können, wie es der Lehrplan erfordert. Als Software kommen auch häufig Open-Source-Lösungen zum Einsatz, also Anwendungen, die kostenlos verfügbar und frei veränderbar sind – wie die Wikis.

Das kostenlose Lehrmaterial soll keinesfalls die klassischen didaktisch aufgearbeiteten Schulbücher ersetzen. Kostenlos bedeutet jedoch nicht unbedingt qualitativ schlechter, wie Frau Unbekannt betont: „Die freien Lehrmaterialien, die es bereits gibt, haben oftmals Lehrer schon entwickelt, da war von OER noch nicht die Rede. Diese Materialien hatten sie auch schon in ihrem Unterricht im Einsatz. Nun haben sie mit der Web 2.0 Technologie die Chance, ihre Materialien zu teilen und können von den Ideen der anderen profitieren und sich austauschen.“

Bisher ist das Angebot an kostenlosem Unterrichtsmaterial in Deutschland noch sehr überschaubar. Große Plattformen, wie ZUM oder Wikibooks, sind selten. Zudem fehlte bisher die Möglichkeit, Inhalte nach ihrer Qualität zu beurteilen. Einen ersten Schritt in diese Richtung tat das Institut für Informationssysteme und Computermedien der TU Graz für den deutschsprachigen Raum. Unter der Betreuung des Instituts hat Frau Rossegger eine Studie mit Namen „Konzept für Open Educational Resources im sekundären Bildungsbereich“ veröffentlicht, welche die Entwicklung eines adäquaten Kriterienkatalogs für OER Angebote behandelt. Anhand dieser Kriterien wurde anschließend der OER-Quality-Index entwickelt.

Die Arbeit mit den Wikis und die Nutzung von OER hat den Berliner Schülern jedenfalls Spaß gemacht. Das interaktive Lernen hat dazu geführt, dass viele aktiv mitgearbeitet haben. Die Kommunikation und das gemeinsame Lernen hat dazu geführt, dass die Schüler häufig mehr machten, als sie überhaupt machen mussten.

Weitere Informationen:

„Gemeinsames Lernen mit Wikis ist nachhaltig“ – Twoonix Blog
Wissenschaft in die Schulen – Kostenloses Unterrichtsmaterial des Spektrum Verlags

Bildnachweis: Wikipedia Logo © Wikimedia Foundation / wikimediafoundation.org

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