UniDer doppelte Jahrgang der Abiturienten 2013 macht nun auch in NRW die Runde. Viele müssen dabei eine Studienplatzabsage nach der anderen hinnehmen. Und während einige sich vor Wochen noch nach der freien Zeit sehnten, fällt ihnen nun die Decke auf den Kopf und sie schieben Panik, weil sie händeringend nach Alternativen suchen. Die meisten Abiturienten haben sich an mehreren Universitäten bundesweit eingeschrieben, aber viele wissen schon jetzt, dass sie für ihr Wunschstudium keinen Studienplatz erhalten werden. Das ist aber nicht das Ende der Welt, denn es gibt tolle Alternativen.

Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ)

Was früher Zivildienst hieß und Männern vorbehalten war, heißt heute Freiwilliges Soziales Jahr und ist für alle offen. Katrin (19) aus Warendorf hat gerade ihr Abitur mit einem Schnitt von 2,6 geschafft. Sie wollte Wirtschaftsinformatik studieren, obgleich sie ahnte, dass sie den dafür erforderlichen Durchschnitt aufgrund der Beliebtheit des Studiums und  der doppelten Jahrgänge nicht vorzeigen konnte.Sie versuchte es, bekam aber wie erwartet vor zwei Wochen überall Absagen. „Das war hart, auch wenn ich es irgendwie wusste. Man fühlt sich nicht gut. Eine Bekannte meines Vaters hörte zufällig davon und schlug vor, ich solle doch ein Freiwilliges Soziales Jahr  an einer Don Bosco Schule in Brasilien machen. Ich wusste bis dahin überhaupt nicht, dass man ein Freiwilliges Soziales Jahr auch im Ausland absolvieren kann.“

Nun geht alles ganz schnell. Katrin wird also von Mitte September an in Brasilien ein soziales Schulprojekt für vernachlässigte Kinder betreuen, nebenbei Portugiesisch lernen und in späteren Anschlussperspektiven bereits einen Auslandsaufenthalt vorweisen können.

Auszeit Australien – Nebenbei die Englischkenntnisse ausbauen

Gruppe (1)Maik (18) aus Senden hat Verwandte in Australien und ebenfalls keinen Studienplatz erhalten. Eigentlich hatte er vor, BWL zu studieren, aber mit seinem Durchschnitt von 3,1 hat er sich nicht einmal an den Universitäten einschreiben können, die von ihrer Lage und ihrem Ruf völlig unbeliebt bei jungen Menschen sind. „Ich habe gedacht, dass ich zumindest in der Prärie eine Chance habe. Nada, nothing, nichts. Und dann kommen die ganzen Schlaumeier und sagen einem, dass sie ja schon immer gesagt hätten, man solle sich für das Abitur anstrengen. Das denke ich im Nachhinein auch, aber ich nehme es jetzt so, wie es ist. Weil ich Verwandte in Australien in der Nähe von Sydney habe, werde ich mir ab Oktober eine kleine Auszeit dort gönnen, vielleicht nach einem Job suchen. Ich bin jung und offen. Nebenbei kann ich in Australien meine Englischkenntnisse ausbauen.“

Ausbildung – Geht das noch?

Sybille (19) aus Münster hat den Kampf um die Studienplatzvergabe gar nicht erst mitgemacht. „Ich wusste, dass mein Schnitt mit 2,2 bereits knapp für mein Wunschstudium Oecotrophologie werden würde. Also habe ich mich frühzeitig um einen Ausbildungsplatz beim Deutschen Roten Kreuz beworben, obgleich die dafür eigentlich keine Kapazitäten mehr haben. Über Freundinnen weiß ich aber, dass man mitunter auch noch sehr kurzfristig einen Ausbildungsplatz oder eine Lehrstelle erhalten kann, wenn man ordentliche Bewerbungsunterlagen beisammen hat und beim Vorstellungsgespräch einen vernünftigen und guten Eindruck hinterlässt. Wer noch nach einem Ausbildungsplatz sucht, sollte sich umgehend an die Bundesagentur für Arbeit (BA)wenden.“

Beliebt ist, was gefällt und zu einem passt

Es geht nach dem Abitur nicht allein um den Faktor Zeit. Es geht mehr um den Faktor des Zeitwertes für junge Menschen. Wer soziale Kompetenzen ausbauen kann oder so früh bereits Selbständigkeit im Ausland unter Beweis stellt, der ist für Arbeitgeber aller Branchen später allemal ein Gewinn. Dabei sollten sich junge Menschen vielmehr bei ihrer Entscheidung fragen, wer sie sind und was sie vom Leben eigentlich später erwarten. Wer sich dreizehn oder nun zwölf Jahre zu einem großen Teil in Noten bewertet gefühlt hat, der weiß noch längst nicht, was noch so in ihm steckt. Deswegen ist Mut der beste Ratgeber für junge Menschen nach dem Abitur. Ganz gleich, ob sie einen Studienplatz für ihr Wunschstudium erhalten haben oder nicht.

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