Azubi AuslandIn den letzten Wochen wurde in den Medien wieder einmal darüber diskutiert, warum so viele Schüler ihre Berufsausbildung abbrechen. Haben sie keine Lust auf den Beruf oder allgemein keine Lust zu arbeiten? Viele wollen auch einfach etwas anderes ausprobieren, vielleicht doch studieren… Bei den Studenten sieht das jedoch nicht anders aus: auch hier wird immer wieder von hohen Studienabbrecherquoten gesprochen. Die Schüler scheinen nach der Schule einfach nicht zu wissen, was sie wollen und was sie eigentlich können. Die Schulen sollten sich aber auch mit folgenden Fragestellungen beschäftigen: Wo sind meine Stärken? Was macht mir Spaß? Welche Berufe gibt es eigentlich? Wo kann ich mich informieren?
Genau solche Fragen könnten bei Berufsorientierungsmaßnahmen in der Schule geklärt werden.

Welche Möglichkeiten der Berufsorientierung in der Schule gibt es?

Eine relativ fest verankerte Form der Berufsorientierung für Schüler sind Praktika. Die einzelnen Schulformen verpflichten jeden Schüler dazu, ein oder zweimal in seiner Schullaufbahn (je nach Länge der Schulzeit), ein Praktikum zu absolvieren. Dieses finden meistens in der 8./9. Klasse und der 10./11. Klasse statt und dauert zwei bis drei Wochen. Die Schüler suchen sich die Praktikumsstelle in der Regel selbst und in einem Beruf ihrer Wahl. Grenzen gibt es höchstens durch das Alter der Schüler. Praktika sind natürlich vorteilhaft, da sie tatsächliche Einblicke in den Berufsalltag ermöglichen. Problematisch ist aber, dass die Schüler nicht hunderte von Praktika machen können und sich deshalb ebenso wie für einen Beruf auch für eine Praktikumstelle entscheiden müssen.

In Berufsinformationstagen wird es Schülern ermöglicht, verschiedene Berufe kennen zu lernen. Dies geschieht meistens durch kurze Betriebsbesuche von wenigen Stunden oder Vorträge von Menschen, die den betreffenden Beruf ausüben. Innerhalb von einer Berufsorientierungswoche können Schüler so etwa 5-10 Berufe kennen lernen. Im Vorfeld kann man meistens auswählen, welche Berufe man sich anschauen möchte.

Viele Schulen gehen außerdem mit ihren Klassen in einer fest vorgeschriebenen Jahrgangsstufe ins Berufsinformationszentrum (BIZ) der Bundesagentur für Arbeit. Hier lernen die Schüler die Homepage des BIZ kennen, auf der sie sich über Berufe informieren können und auf der es einen Test zur Berufseignung gibt (der allerdings sehr vorhersagbar ist!). Des Weiteren werden die Informationsmöglichkeiten im BIZ selbst vorgestellt, so dass die Schüler erfahren, wo sie sich informieren können. Viele Informationsbroschüren über praktisch alle Ausbildungsberufe und Studiengänge sind dort zu finden.

An einigen wenigen Schulen findet außerdem eine Berufsberatung statt. Diese ist entweder Teil einer allgemeinen Beratungsstelle an der Schule (z.B. durch die Schulsozialarbeit) oder wird lediglich für einen kurzen Zeitraum in jedem Schuljahr installiert und kann dann von den Schülern aufgesucht werden. Hier geht es dann um konkrete Fragen der Schüler, also sowohl die Berufsfindung als auch die Planung der Schullaufbahn für einen Wunschberuf oder etwa allgemeine Informationen über Berufsfelder.

Eine weitere Möglichkeit, die jedoch an Schulen noch nicht so weit verbreitet ist, ist ein Berufsfindungstest wie beispielsweise der Berufsnavigator. Dabei bewerten die Schülerinnen und Schüler gegenseitig in Teams ihre Stärken und Schwächen in verschiedenen Bereichen (Peer-Rating mit Selbst- und Fremdeinschätzung). Anschließend wird das persönliche Stärkenprofil mit den Profilen zahlreicher Berufe verglichen und als Ergebnis gibt es dann mehrere Berufsvorschläge sowie ein Berufsberatungsgespräch.

Eigentlich ist das eine gute Sache, die eventuell ganz neue Jobideen zeigt und Schülern, wenn auch nicht den Traumberuf, dann doch zumindest eine Übersicht über Stärken und Schwächen bringt, die sie für die Berufsfindung nutzen können. Die Planung solcher Verfahren ist für Schulen relativ aufwendig, aber für die Berufsorientierung der Schüler ist es sicherlich eine weitere spannende Möglichkeit.

In manchen Bildungseinrichtungen gibt es auch ein eigenes Fach, mit verschiedenen Bezeichnungen je nach Region, das sich mit Arbeitslehre beschäftigt (teilweise „Wirtschaft-Arbeit-Technik“ o.ä.). Die Orientierung ist meistens relativ technisch, bereitet aber dennoch auf die Arbeitswelt vor und vermittelt wichtige Kompetenzen für den Beruf auch an allgemeinbildenden Schulen. Für die Berufsfindung bietet es allerdings überwiegend nur denjenigen Möglichkeiten, die im technischen oder handwerklichen Bereich einen Traumberuf suchen.

Worum geht es dabei?

Wichtig bei allen genannten Möglichkeiten ist es, den Schülern Informationen über Berufe an die Hand zu geben, sie darin zu bestärken, ihren eigenen Weg zu finden und ihnen zu vermitteln, wie sie an ihr Ziel kommen. Berufsorientierung bedeutet demnach sowohl die Ideenfindung zu unterstützen, als auch die Kenntnis über Berufe und Informationsmöglichkeiten. Ebenso steht es im Vordergrund, den Schülern ihre Stärken und Vorlieben erkenntlich zu machen, die schließlich dazu führen, dass sie einen Beruf finden, der zu ihnen passt.

Berufsorientierung auch im alltäglichen Unterricht?

Auch ohne die vielen besonderen Berufsorientierungsmöglichkeiten für Schulen kann im Unterricht auf die Inhalte der Berufsorientierung geachtet werden. Zwar ist es nicht Inhalt des Kunstunterrichtes, die Ingenieurstudiengänge zu erklären und Mathelehrer wären sicher auch wenig erfreut, wenn es ihre Aufgabe wäre, mit einzelnen Schülern im Unterricht über deren Berufswunsch zu debattieren.

Es gibt jedoch einige Kompetenzen, die in jedem Unterricht gestärkt werden sollten und somit auch zur Berufsfindung beitragen, wie etwa die Entscheidungsfähigkeit, die Entwicklung von Stärken und die Reflexion von Schwächen, die Berücksichtigung von Fachvorlieben sowie die Fähigkeit, herauszufinden, wo man sich informieren kann. Auch im Unterricht, der sich nicht mit Arbeitslehre und Berufen beschäftigt, können also Lob und Anerkennung von Leistungen, die Aufforderung zur Selbstreflexion oder etwa die Nutzung von Methoden wie Internetrecherchen oder Projektlernen dazu führen, dass sich Schüler besser für einen beruflichen Weg entscheiden können.

Warum ist Berufsorientierung so wichtig?

Zwar ist es heute nicht mehr so verbreitet, einen Beruf über das gesamte Leben auszuüben, aber dennoch verbringt der Mensch viele Stunden des Tages mit seiner Arbeit und das über viele Jahre hinweg. Einige psychosomatische Krankheiten wie das Burnout-Syndrom oder Depressionen sind außerdem häufig mit der Arbeit des Betroffenen verbunden. Auch der Abbruch von Ausbildungen und dem Studium sind Folgen der Unzufriedenheit mit der Arbeit. Das alles lässt sich vielleicht vermeiden, wenn man nicht einfach macht, was sich gerade anbietet oder was eben einfach ist, sondern etwas, das Spaß macht. Berufsorientierung ist oft der erste Schritt in den passenden Beruf. Sowohl gesundheitlich als auch aus wirtschaftlicher Sicht wäre dies ideal!

 

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