Mit 2,5 Millionen Studenten sind mehr Menschen an deutschen Hochschulen eingeschrieben als je zuvor. Hinzu kommen die zahlreichen Weiterbildungsangebote und anderen Möglichkeiten der Zusatzqualifikation. Die Arbeitgeber sprechen seit Jahren dennoch vom drohenden Fachkräftemangel. Sind private Bildungsanbieter die Lösung dieses Problems?

Es sind mittlerweile nicht mehr 17 Prozent (2002), sondern 30 Prozent, die nach der Schule noch einen Hochschulabschluss machen. Damit sind es zwar bedeutend mehr Absolventen als noch vor 10 Jahren, aber immer noch nicht genug. Folgt man Frank Heinrich, dem Leiter der Hamburger Stensington Akademie, müssten es 35 Prozent sein, um den nahenden Fachkräftemangel abzuwenden. Dabei ist die Entwicklung demographisch betrachtet erstaunlich: Zwar gibt es immer weniger Schüler, aber immer mehr von ihnen besitzen eine Studienberechtigung.

Schlechte Studienbedingungen an staatlichen Unis

Die Folgen sind uns durch die Medien bereits bekannt: Überfüllte Hörsäle und ein Trend zu schlechteren Studienbedingungen. Die neuen Abschlüsse Bachelor und Master werden zwar von den Unternehmen recht gut aufgenommen, haben aber an vielen universitären Einrichtungen zu einer regelrechten strukturellen Überforderung geführt. Hinzu kommen die mit den Reformen einhergehenden Sparmaßnahmen vieler staatlicher Universitäten. An vielen Instituten gibt es immer mehr befristete Stellen – vor allem im Mittelbau. Heinrich beschreibt das Problem so: „Die Zahl nebenberuflich Beschäftigter ist seit 2001 um 85 Prozent gestiegen. Gewerkschafter sprechen in diesem Zusammenhang schon von einem ‚wissenschaftlichen Prekariat’“. Hinzu kommen zeitintensive Aufgaben wie Drittmittelerwerb und Verwaltungsarbeit. So ist es nicht verwunderlich, dass neben der eigenen Forschung kaum noch Zeit für die Betreuung der Studierenden bleibt.

Alternative private Hochschule?

Die privaten Hochschulen hingegen versprechen kleine Seminare mit einer überschaubaren Teilnehmerzahl, gute Kontakte zur Wirtschaft, ein praxisnahes Studium und ein Networking, welches nach der Ausbildung in den Beruf verhilft. Was paradiesisch klingt, hat natürlich seinen Preis. Wer einen Abschluss macht, kann bis zu 32 000 Euro in der Kreide stehen. So verwundert es nicht, dass man gleichzeitig einen Bildungskredit der KfW angeboten bekommt. Dennoch ist es verlockend zu wissen, dass viele private Anbieter einen staatlichen Abschluss vergeben – mittlerweile sogar Masterabschlüsse, die keinen Bachelor voraussetzen.

Die traurige Bilanz wäre also, dass es trotz Fördermaßnahmen und der von der Regierung versprochenen Investition in Bildung immer noch keine ausreichenden staatlichen Angebote gibt. Die Konzentration auf einzelne „Leuchttürme der Bildung“ ist vor diesem Hintergrund mit Skepsis zu betrachten. Eine breite finanzielle Unterstützung, vor allem, was das Personal an den staatlichen Hochschulen angeht, könnte zu einer besseren Betreuungsrelation führen. Solange dies nicht geschieht, stehen private Anbieter in diesem Punkt deutlich besser da.

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