Eine Aktion der Internationalen Hochschule Bad Honnef Bonn (IUBH) spaltete die Gemüter. Denn es gibt ein Stipendium für ein Fernstudium im Wert von über 11 000 Euro zu gewinnen. Der Gewinner wird jedoch nicht von einer Jury auserkoren, sondern per Online-Abstimmung. Dazu stellt man mittels Foto- oder Videobeitrag seine Motivation dar und hofft auf genügend „Likes“.

Zu gewinnen gibt es ein Voll-Stipendium für ein Fernstudium entweder im Bereich „Bachelor Betriebswirtschaftslehre“ oder „Master General Management“. Die Beiträge der Kandidaten sind sehr unterschiedlich. Einige haben ein Video nach Drehbuch angefertigt, andere zeigen nur ein Foto oder stellen ihre Motivation schriftlich dar. Auf der Seite www.dein-stipendium.de kann man die derzeitige Top-10 sehen. Das Voting läuft noch bis zum 14. März. Die Selbstdarstellungen reichen von spielerisch verträumt, über lustig bis hin zu peinlich.

Wer wird gewinnen? Derjenige, der sich am wenigsten verspricht? Derjenige, der die besten Spezialeffekte einbaut? Oder doch der Klassiker: Derjenige, der am authentischsten ankommt? Die wenigsten geben echte Gründe für ihre Bewerbung an. Viele versuchen es mit sentimentalen Bildern aus ihrem Leben und der wiederholten Aufforderung für „ihren Traum“ zu voten. Ist das verkehrt? Erst einmal nicht. Denn immerhin vergibt die IUBH auch reguläre Stipendien, die nach den klassischen Auswahlverfahren verteilt werden: www.iubh-fernstudium.de. Daher ist das ganze zunächst einmal als gute Marketingstrategie zu sehen. Und das Publikum bekommt nette Unterhaltung und Partizipation geboten.

Selbstdarstellung vs. Seriosität

Denn es geht natürlich auch um die Einbindung von Social Media. Gewinner wird derjenige, der am meisten Freunde und Follower hinter sich scharen kann. Und es geht, wie Simone Janson meint, um Selbstdarstellung – diese spielt in sozialen Netzwerken immer eine Rolle. Nur gut, dass es sich um ein Fernstudium im Bereich BWL handelt, bei dem die Selbstdarstellung auch eine gewisse Relevanz besitzt. Abgesehen davon würde es auch beim klassischen Bewerbungsgespräch heißen: „Wer sich gut verkauft, gewinnt.“ Nur werden bei dieser Scoial-Media-Aktion viele gewichtige Faktoren eliminiert: Studienergebnisse, charakterliche und fachliche Eignung, soziales Engagement und persönliches Auftreten (abseits einer Videodarstellung). Kurz: Es bleibt den Bewerbern überlassen, was sie von sich darstellen.

Eines fällt jedoch bei dieser Marketingstrategie etwas unter den Tisch: nämlich, dass es bei der Bewerbung um eine Studienförderung immer auch um Seriosität geht. Die Vermarktung eines Studiums über Social Media mag einen unterhaltsamen Effekt haben, kann jedoch auch zu einer Gefahr für den Bewerber werden. Mit allzu persönlichen und privaten Darstellungen ist schnell eine gewisse Grenze überschritten, die man in einem Vorstellungsgespräch nicht einmal in Reichweite hat. Ein erfolgreiches Studium ist für viele ein erstrebenswertes Ziel, welches sich nicht allein aufgrund von Selbstvermarktung und Einfluss anderer erwerben lassen sollte. Daher schrecken auch einige davor zurück, sich auf den Kanälen online zu zeigen. Zu Recht, denn wer später eine wissenschaftliche Karriere einschlagen möchte, der sollte auch darauf bedacht sein, dass richtige Bild von sich zu vermitteln.

Bildnachweis: @istockphoto/erel photography

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