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Die Hochschulfinanzierung in Deutschland ist ein wichtiges und zugleich schwieriges Thema. Bildung ist weitestgehend Ländersache. Das ist noch einfach zu verstehen. Wie aber bekommen die Hochschulen ihr Geld?

Wie die Gelder im Einzelnen an die Hochschulen weitergereicht werden, welche Kriterien für die Mittelzuwendung eine Rolle spielen und wie intransparent das Finanzierungssystem wirklich ist, zeigt sich demjenigen, der das Ganze genauer unter die Lupe nimmt. Durch die Stärkung der Selbstverwaltung deutscher Hochschulen hat die Intransparenz, was die Einnahmen und Ausgaben angeht, leider zugenommen. Wenngleich Universitäten jährlich Rechenschaftsberichte ablegen, erfüllen diese selten Bilanzierungsstandards nach dem HGB (Handelsgesetzbuch).

Grundfinanzierung

Träger der Hochschulfinanzierung in Deutschland sind die Bundesländer. Insgesamt 90% der Gesamtkosten werden von der öffentlichen Hand bestritten. Davon übernehmen die Länder 80 %, der Bund mit Sonderforschungsprogrammen und Exzellenzinitiativen 10%. Die restlichen 10 % werden durch sogenannte Auftragsforschungen aus der privaten Wirtschaft generiert. Von 1995 bis 2008 sind die Ausgaben für Bildung inflationsbereinigt von 14 Milliarden auf 18 Milliarden gestiegen. Das macht einen fast gleichbleibenden Anteil von 1,1% des Bruttoinlandsprodukts, der in die Bildung investiert wird. Damit bleibt Deutschland laut OECD-Durchschnitt im Mittelfeld.

Verteilung an die einzelnen Hochschulen

Bei der konkreten Zuwendung an die einzelnen Hochschulen des Landes spielen bestimmte harte und weiche Faktoren wie die Zahl der Studierenden, die personale Betreuungsquote oder auch die Zahl der Abschlüsse je Fakultät eine Rolle. Es sind in der Regel eher quantitative Messfaktoren, die für die Bewilligung von Geldern eine große Rolle spielen. Im Sinne der Verteilungsgerechtigkeit ist man in den letzten Jahren deutschlandweit dazu übergegangen, die Mittelzuweisung im Bereich der Forschung nach dem Input- und Outputmodell zu berechnen. Nach dieser Milchmädchenrechnung bringen mehr Gelder auch mehr Forschungsinitiativen und Forschungs- und Abschlussarbeiten hervor, was bereits vom renommierten Wissenschaftler Richard Münch kritisiert wurde. Eine genauere Betrachtung zeigt nämlich, dass traditionelle Universitäten in einem Bundesland wesentlich stärker von den Geldzuwendungen der jeweiligen Landesregierung profitieren und deshalb dennoch nicht unbedingt mehr Absolventen in einem Jahrgang hervorbringen. Es scheint nach Münch („Die akademische Elite“) vielmehr so zu sein, dass eine finanzielle Überfütterung einer Hochschule zur Trägheit einer bestimmten Fakultät führt.

Das politische Versprechen auf Bildungsrendite versus seiner Kosten

Während der Staat beziehungsweise die einzelnen Bundesländer seit Jahrzehnten eine Bildungsinfrastruktur aufrechterhalten und ausbauen, die Bürger und Nachwuchspotentiale im Land halten soll, steht es um die Einnahmeseite im Bereich Bildung eher schlecht. Die Länder haben bei steigendem Bildungsbedarf und kontinuierlichen Kostensteigerungen im Sozialbereich zunehmend Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Die Rentabilität der länderweiten Kostenübernahme, was  die Hochschulfinanzierung angeht, steht und fällt mit dem Klebeeffekt der Absolventen im Land selbst. Im föderalen Bildungssystem findet der Brain Drain (gemeint ist der Wegzug des akademischen Nachwuchses in ein anderes Bundesland oder sogar ins Ausland)  in engeren Grenzen statt. Umgekehrt kann es sich kein Bildungsland im Wettbewerb leisten, an dieser Stelle zu kürzen. Bildung ist eines der wenigen Kompetenzfelder, die sich politisch im Rahmen der Globalisierung noch steuern lassen. Das Prinzip Freibier für alle, das nach dem Wegfall der Studiengebühren in den meisten Ländern wieder herrscht, hat den Ansturm aller sozialer Schichten auf die Universitäten seinerzeit in einem Bundesland wie NRW unter der Regierung von Johannes Rau begründet. Er hält bis heute an. So wertvoll diese Entwicklung ist, so berechtigt sind zugleich die Forderungen nach einem transparenteren Finanzierungssytem.

Kennziffern für eine Bildungsrendite

Es ist sehr erstaunlich, dass es in diesem komplexen Bildungssystem bis heute keine verlässlichen Kennziffern darüber gibt, ob und inwieweit die Rendite auf Bildung sich bei den Absolventen bezahlt gemacht hat. Arbeiten sie alle in dem von ihm angestrebten Bereich oder konnten sie während des Studiums zumindest sekundäre Kompetenzen für den späteren Beruf erwerben? Das Input- und Outputmodell, das auf die Mittelzuweisung an deutschen Hochschulen im Bereich der Forschung großen Einfluss hat, sollte daher schleunigst Anwendung auf die Perspektive von Hochschulabsolventen und das akademische Nachleben angewendet werden. Wir alle kennen die Geschichten vom taxifahrenden Archäologen. In einer Hochschullandschaft, die noch immer chronisch unterfinanziert ist und in der Drittmittel an Universitäten immer wichtiger werden, hat die Forschung gegenüber der Lehre auf Dauer zwangsläufig Vorrang, weil nur sie rentabel ist. Wenn am Ende wegen der Vernachlässigung der Lehre auf einen Spitzenforscher Tausend Studienabbrecher kommen, rechnet sich das System aber nicht mehr. Welche Kriterien bei der Rentabilitätsbewertung eines Hochschulstudienganges eine Rolle spielen, ist dabei einfach aufzuzeigen.

Bildnachweis: © flickr.com – sebadorn

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