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Was steckt hinter der Hochschulfinanzierung? Im zweiten Teil geht es um die ungerechte Verteilung der Gelder, die dadurch entsteht, dass der Bedarf gar nicht oder auf falscher Basis bemessen wird.

Die Hochschulfinanzierung in Deutschland ist allein wegen des Brain Drain innerhalb der Bundesrepublik schon keine Ländersache mehr. Aber sobald der Bund sich mit Exzellenzinitiativen in die Hochschulfinanzierung einmischt, ist die Aufregung in den Bundesländern groß. Dabei wäre ein ausgewogeneres Kofinanzierungsmodell von Bund und Ländern für alle eine große Chance. Die Exzellenzinitiativen des Bundes haben leider einen fatalen Eindruck in den Ländern selbst erweckt. Der Bund fördert die Spitzenforschung in Deutschland, während er an der Grundlagenausbildung in der Lehre nicht interessiert ist.

Um eine solche Schieflage zwischen Lehre und Forschung zukünftig zu vermeiden, ist es dringend notwendig, verlässlichere Bildungskennziffern zu ermitteln, die die Hochschulfinanzierung ganzheitlich in den Blick nehmen und auch repräsentative Anschlussperspektiven der Studienabgänger  selbst als Qualitätsmerkmal der Lehre markieren. Die Hochschulfinanzierung in Deutschland braucht im Einzelnen dringend eine Praxisprüfung, die sich sowohl nach quantitativen als auch nach qualitativen Merkmalen der erfolgreich vermittelten Berufsanschlüsse ausrichtet.

Bildungskennziffern nach einem Output-Modell

Es ist heute nahezu an allen Hochschulen in allen Bundesländern gängige Praxis, dass quantitative Faktoren wie die Zahl Studienanfänger in einem Fachgang bei der Mittelzuweisung eine Rolle spielen. Und auch die Zahl der Abschlüsse geht in die interne Bildungsstatistik ein und wird mal gern und mal weniger gern als Argument für die weitere finanzielle Ausstattung genutzt. Qualitativ lässt sich daraus indes nichts schlussfolgern, denn die Quoten der Studienabbrecher in bestimmten ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen wie Maschinenbau sind in den letzten Jahren laut Zeitungsberichten gleichbleibend hoch bei etwa 50% geblieben. Bei dem viel beklagten Ingenieursmangel erscheint diese Quote geradezu absurd und müsste eigentlich zu sofortigen Folgen bei der Mittelzuweisung führen.

Aber es passiert nichts, weil die Länder im Bereich der Bildung kein nachhaltiges Qualitätsmanagement  führen, das sich wirklich nach den beruflichen Anschlusserfolgen der Studenten ausrichtet. Allen Hochschulen sowie ihren Fakultäten ist eines gemeinsam, nämlich ihr ausschließlicher Blick ins System. Dabei müsste die erfolgreiche Einbindung der Hochschulabsolventen im Interesse jeder Universität und Fakultät liegen. Stattdessen werden an vielen Universitäten Pseudobüros mit integrierter Berufsberatung angeboten, die jeder Student in dieser Form auch bei der Agentur für Arbeit bekommen könnte.

Lösungsperspektiven

Wer solche Steuerverschwendungen nach Gießkannenprinzip zukünftig vermeiden möchte, der muss damit beginnen, ein echtes Bildungscontrolling einzuführen, das die Bildungskennziffern sowohl nach quantitativen als auch nach qualitativen Faktoren genauer bemisst. Wenn die Länder Bildung weiter steuern möchten, müssen sich auch hierfür mehr Steuergelder ausgeben. Der Nutzen wäre aber dann gewiss, denn es würde ein gezielteres Fördern bedeuten und den Praxisdruck auf Lehrpersonal an Universitäten erhöhen, die ihre komfortablen Altverträge in kleinen Sprechzimmern aussitzen.

Zu wichtigen qualitativen Kriterien eines Studienganges gehören vor allem die Lehre, die Praxisnähe des Fachganges, viele Schnittstellen des Fachganges mit möglichst vielen Berufsfeldern (Generalisten statt Spezialisten), die Nachhaltigkeit des Studienganges selbst, der internationale Grad der Ausbildung sowie die Sozialkompetenzen, die der Hochschulabsolvent im einzelnen Fachgang erlernt. Solange aber die Hochschulen länderweit weiterhin nicht verpflichtet werden, genau Buch zu führen über die Erfolge ihrer Absolventen, fließen weiter Milliarden von Steuergeldern in ein Bildungssystem, das intransparent in der Finanzierung und in der tatsächlichen Erfolgsbilanz schlecht bewertbar bleibt.

Ein Studienabschluss ohne berufliche Anschlussperspektive ist für alle der größtmögliche Schaden und kann durch ein ausgeklügeltes Ideenmanagement mit neuen Praxisansätzen vermieden werden. Wenn Bildung wirklich in diesem Land eine Rolle spielt, dann sind jetzt von seiten der Länder Taten gefragt.

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