WortzumFreitagDas digitale Klassenzimmer ist keine Version von George Orwell gewesen, aber der Begriff liest sich noch immer ein bisschen wie Science-Fiction. Der Online-Alltag hat unterdessen längst die Schulen und Universitäten erreicht. Doch Deutschlands Bildungsinstitutionen haben immer noch Probleme mit veralteten Geräten. Die Diskussion um den Sinn von technisch modernen Einsatzmitteln im Unterricht ist dabei gerade erst entbrannt. (Quelle: Deutschlandradio)

Zeitfresser Technik

Die Schüler der Klasse 7 eines Münsteraner Gymnasiums lachen. Die Biologiestunde droht auszufallen, weil der Lehrer zunächst den Beamer nicht findet, diesen später nicht bedienen kann. Eine Viertelstunde bleibt ihm noch, um die Stammesentwicklung der Wirbeltiere und des Menschen anhand von Folien zu erklären.  Ähnliche Probleme haben junge und ältere Professoren täglich an den Universitäten. Weil in der modernen Welt alles gezählt wird, alles zählt, wäre es mal interessant zu erfahren, wieviel Unterrichtszeit im Bildungsbereich durch den Einsatz von technischen Hilfsmitteln verloren geht.

Das Problem ist, dass die Scham des Lehrpersonals zu groß ist, um eine ehrliche Bestandsaufnahme zu leisten. Die Technik ist zweifellos ein Zeitfresser. Konservative Lehrkräfte verweisen bei diesem Gedanken mit Genugtuung auf ihre bewährten Unterrichtsmethoden.  Dabei kann der Einsatz von technischen Hilfsmitteln im Unterricht durchaus hilfreich sein.

Der langweilige Alleinunterhalter an der Tafel

Wir alle kennen zugleich noch Lehrer, die den langweiligen Unterhalter an der Tafel spielen. Wenn die Didaktikwelt von heute betont, dass es den Frontalunterricht an Schulen nicht mehr gebe, so berichten Schüler und Eltern etwas Anderes. Auch die Vorlesungen an der Universität sind noch immer auf einzelne Professoren konzentriert, die vortragen, während Studenten zuhören und Mitschriften machen. In dieser Unterrichtsform gehen gleichermaßen Inhalte und Aufmerksamkeiten verloren. An dieser Stelle werden bestimmt einige Pädagogen einhaken und laut betonen, dass Lehrer sowie Professoren in einer zunehmend auf Entertainment fokussierten Welt nicht die Aufgabe haben, die jungen Menschen von heute bei Laune zu halten.

Aber haben wir andere junge Leute und eine andere Welt? Der Einsatz digitaler Hilfsmittel im Unterricht kann nicht nur hilfreiche Abwechslung sein, sondern er kann manche Inhalte auch besser vermitteln.  Die Technik ist nur so lange ein Zeitfresser, solange sie nicht bedient werden kann. Für einen modernen Kenntnisstand der Technik  sind aber die Lehrer und Professoren verantwortlich, nicht Schüler und Eltern. In diesem Fall müssen also die Lehrkräfte Deutschlands ihre Hausaufgaben machen.

Möglichkeiten der digitalen Nutzung im Unterricht

Die moderne Technik ist nicht der Feind des Lehrers, das Gegenteil ist der Fall. Lehrer und Professoren können sich sowie Schüler und Studenten mit dem richtigen Einsatz digitaler Hilfsmittel entlasten und so für einen wirklichen Mehrwert im Unterricht sorgen. Komplexe Inhalte können mit Graphiken und visuellen Präsentationen besser dargestellt werden. Dabei ersetzen diese Hilfsmittel nicht ihre personale und didaktische Fachkompetenz. In diesem Verhältnis gibt es keine Konkurrenz, nur Ergänzung, die eine bessere Fortbildung des Lehrpersonals in Deutschland erfordert.

Nicht alles, was neu ist, muss Sinn machen. Aber interaktive Boards sowie die Aufteilung in Arbeitsgruppen, die mit Hilfe der neuen Medien vor der Gruppe Fachreferate halten, sind durchaus sinnvoll und auch längst Alltag in den klassischen Bildungsinstitutionen. Die Welt heute ist online, vernetzt und vertraut mit den neuen digitalen Werkzeugen. Unterricht, der  diese Wirklichkeit leugnet, muss scheitern.

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