Seit Mitte der 1990er, spätestens jedoch seit PISA werden im Bildungswesen immer mehr Evaluationen durchgeführt. Am Semesterende wird das Seminar bewertet, Fortbildungen und Workshops werden zum Schluss evaluiert und auch in den Schulen finden sowohl interne als auch externe Evaluationen (durch außen stehende Prüfer) statt. Ziel der ganzen Evaluationswelle ist die Sicherung der Qualität im pädagogischen Bereich und eine Rechtfertigung gegenüber Geldgebern.

Qualität im Bildungswesen

Bis vor wenigen Jahren wurde unkritisch angenommen, dass Schulen in Deutschland die Schüler gut fördern und dass pädagogische Arbeit in der Regel erfolgreich und gut ist. Finanzielle Mittelknappheit, Kürzung von Ressourcen und die ersten miserablen PISA-Ergebnisse haben jedoch dazu geführt, dass die Qualität auch in diesem Sektor einmal genauer unter die Lupe genommen werden sollte. Zutage kam, dass die Förderung von Kindern und Schülern doch nicht so optimal ist, wie es aussieht und dass viele pädagogischen Konzepte wenig effizient sind. Da jedoch die Gelder im sozialen Bereich immer knapper werden, ist es heute alltäglich, dass wirksame Methoden und Programme mit Hilfe von Evaluationen erkannt und schließlich umgesetzt werden sollen. Aber auch wenn die Evaluation eine gute Qualität bestätigt, ist es die Regel geworden, die pädagogischen Vorgehensweisen in regelmäßigen Abständen zu kontrollieren oder auszubauen.

Rechtfertigung geforderter Geldmittel

In Zeiten knapper Kassen genügen verbale Begründungen – etwa wie wichtig es doch sei, gerade dieses Projekt zu fördern und zu zahlen – nicht mehr. Dazu müssen konkrete Daten und Fakten auf den Tisch. Ein Projekt, das Jugendliche auffängt, die keine Ausbildung gefunden haben, wirbt mit Vermittlungszahlen in Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisse für sich. Schulen und außerschulische Projekte für Schüler können ebenfalls Bewertungen ihrer Klientel vorweisen, um die Kommune zu mehr Zahlungen zu bewegen. Evaluationsergebnisse sind demnach sehr gut geeignet, um Qualität nachzuweisen und diese auch Förderern gegenüber kenntlich zu machen.

Qualitätsmanagement und Entwicklung

Eng mit den Evaluationen verbunden ist die Weiterentwicklung von Institutionen. Sind Ergebnisse erst einmal dargestellt und ausgewertet, liegt es nahe, dass dann auch daran gearbeitet wird, diese Ergebnisse in einzelnen Aspekten zu verbessern. Wenn die Teilnehmer von Fortbildungen am Ende etwa den Dozenten loben, die Organisation der Online-Materialien jedoch weniger gut bewerten, kann das Weiterbildungsinstitut genau hier ansetzen und so die eigene Qualität erhöhen und sich weiterentwickeln.
Evaluationen führen dann also dazu, dass eine Art Reflexion der Einrichtung stattfinden, die schließlich zu einer Optimierung von Arbeitsprozessen und Organisation führen kann. Die Qualität im Bildungswesen steigt hierdurch, ohne dass dies besonders kostenintensiv ist. Allerdings sollte man beachten, dass gerade im Bildungsbereich auch qualitative Aspekte vorhanden sind, die eventuell unzureichend oder gar nicht messbar sind und sich den Evaluationsvorhaben somit entziehen. Es kommt also immer auch darauf an, etwas mit den angesammelten Daten anfangen zu können.

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)