WortzumFreitagNun ist es also amtlich. Ungleichbehandelt ja, aber nicht ungerechtfertigt. Felix, ein Junge aus Hessen, der schon seit zwei Jahren erfolgreich an der Fernuni Hagen Informatik studiert, ist offensichtlich nicht reif genug und hat nicht ausreichend Sozialkompetenz, um den Realschulabschluss zu erlangen.

Ausbildungsgleichheit heißt nicht automatisch Chancengleichheit…

Warum? Der hochbegabte Schüler, gelangweilt vom Unterricht, der ihn nicht forderte, ging nach der neunten Klasse ab, um sich seinem Studium zu widmen. Schon seit 2009 hatte er „nebenschulisch“ Informatik studiert, nachdem er die Schule beendete verfolgte er dies intensiver und wollte sich zeitgleich aufs Abitur vorbereiten. Denn bei seiner früheren Schule handelte es sich um ein Gymnasium mit verkürzten gymnasialen Bildungsgang G8. Zu den Sommerferien 2010 verließ Felix also die Schule mit dem Zeugnis der 9. Jahrgangsstufe und der „Versetzung in die Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe“.

Dass das dem gleichen Stand wie einem Realschulabschluss entspricht sollte man meinen, geht es doch danach für die G8-Schüler genauso in die Oberstufe wie bei den G9-Schulen. Folglich besteht zwischen G9-Schülern und G8-Schülern eigentlich kein Qualifikationsunterschied, sondern Ausbildungs-Niveaugleichheit.

Und so beantragte Felix mit seiner Anwältin Sibylle Schwarz sein Zeugnis mit dem Vermerk „Gleichstellung mit dem Mittleren Bildungsabschluss /Realschulabschluss“ zu versehen.
Doch nun steht nach einigem gerichtlichen Hin und Her fest: Das ist nicht zulässig! Der hessische Verwaltungsgerichtshof entschied diese Woche überraschend, dass zwar eine Ungleichbehandlung vorliegt, diese aber durch gewichtige sachliche Gründe, gerechtfertigt ist.

Und was sind das nun so für gewichtige Gründe? Nun der Gerichtshof äußert sich wie folgt:

„[…] Es liegt grundsatzlich im normgeberischen Ermessen, festzulegen, von welchen fachlichen und sozialen Kompetenzen die Zuerkennung des mittleren Bildungsabschlusses abhängig gemacht wird. Die Gesamtheit der Berechtigungen, die mit der Zuerkennung des Realschulabschlusses einhergehen, prinzipiell einheitlich vom Durchlaufen von 10 Schuljahren und dem damit verbundenen Erwerb einer bestimmten Reife sowie von sozialen Kompetenzen abhängig zu machen, stellt eine im Hinblick auf die Rechtsposition der Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern verhältnismäßige Regelung zur Verwirklichung legitimer sachlicher Ausbildungs- und Erziehungsziele dar. […]“

Geeignet ist nicht gleich kompetent…

Im Klartext heißt dies nicht vielmehr, als dass G8ler unreif und inkompetent sind. Zwar sind sie grundsätzlich ausreichend fachlich für die gymnasiale Oberstufe geeignet, zeitgleich aber offensichtlich nicht genügend sozial kompetent um einen Realschulabschluss zu erhalten.

Ach ja, und das Abitur darf Felix natürlich auch nicht machen, das darf man in Deutschland nämlich erst mit 19 Jahren im Fernstudium ablegen.

Schöne neue Bildungswelt…

 

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