schule-lernen

John Hattie hat mit seiner Studie Aufsehen erregt. Weil er etwas nachgewiesen hat, was viele immer schon ahnten: Für den Erfolg des Schülers ist eigentlich nur einer verantwortlich: der Lehrer.

Hattie ist Professor für Erziehungswissenschaften in Neuseeland und Direktor des Melbourne Education Research Institute in Australien. In seinem Werk „Visible Learning“ hat er eine gigantische Zahl an Einflussfaktoren untersucht, die sich auf die Leistungen von Schülern auswirken. Er möchte das „Lernen sichtbar machen“ und sich dabei nicht mit Gefühlen oder Vermutungen begnügen. Hattie gibt sich nur mit knallharten Fakten zufrieden. Dazu hat er die größte Bildungsstudie der letzten 15 Jahre veröffentlicht.

Was also kann man machen, um die ultimative Studie zum Schulsystem herauszubringen? Richtig. Man untersucht in seiner Studie andere Studien. Hattie hat mehr als 800 Metastudien und 50.000 Einzelstudien untersucht und brüstet sich nun damit, dass er damit die Einflussfaktoren von mehr als 80 Millionen Schülern untersucht hat. Die pädagogische Fachliteratur ist voll von innovativen Ansätzen zur Verbesserung des Lernens. Doch vieles ist unterschiedlich effektiv. Hattie möchte nicht wissen, welche Faktoren positiven Einfluss ausüben, sondern welche die erfolgreichsten Faktoren sind.

Als wichtigste Faktoren nennt Hattie:

  1. Das Vertrauen des Schülers in die eigene Leistung
  2. Altersgerechter Unterricht
  3. Evaluation des Unterrichts
  4. Kompetenzen der Lehrkraft
  5. Feedback an den Lehrer
  6. Vermittlung von Sprachfähigkeiten

Die Schulform ist irrelevant

Das erstaunliche an der Studie von Hattie ist, dass solche Faktoren wie der sozioökonomische Status der Eltern, die Schulform, die Klassengröße etc. einen bedeutend geringeren Einfluss haben, als bisher gedacht. Viel entscheidender ist wirklich Punkt (4) der Aufzählung: der direkte Einfluss des Pädagogen. Lehrer, die ihr Fach kompetent und mit Begeisterung vermitteln, können in allen Fällen eine Verbesserung der Schülerleistungen bewirken, egal ob das Kind einen Migrationshintergrund besitzt oder eine Schule für leistungsschwache Kinder besucht. Interessant ist dies vor allem deshalb, weil Lehrer immer wieder betonen, wie gering ihr Einfluss auf die Schüler tatsächlich ist.

hattie

Was aber ist nun Hatties Fazit? Er sagt, „visible learning“ findet statt, wenn:

  • jeder Schüler das Ziel hat aktiv, engagiert und leidenschaftlich zu lernen
  • jeder Schüler auf seinem ihm eigenen Niveau gefordert wird
  • nach dem Lernprozess überprüft wird, ob die Lernziele erreicht wurden
  • es Feedback in Bezug auf die Methodik des Lehrenden gibt

Was bringt die Studie?

Beruhigend für viele Lehrer ist wohl Hatties Resümee, dass es nicht auf die Lehrerpersönlichkeit ankommt. Natürlich gibt es die geborenen Lehrer, die vor Kompetenz und Autorität nur so strotzen und es auch noch schaffen, Freude am Fach zu vermitteln. Doch entscheidender ist nach Hattie das „Lehrerhandeln“ – das, was der Lehrer konkret im Unterricht tut. Der Lehrende muss dafür sorgen, dass störungsarme Verhältnisse herrschen, dass der Stoff gut erklärt wird, dass klare inhaltliche Strukturen vorliegen und dass für die Schüler viele Anregungen zum Lernen bestehen. Dabei ist es vor allem wichtig, dass der Lernende zum Lehrenden wird und der Lehrende zum Lernenden.

Kritik an der Studie wird vor allem von methodischer Seite vorgebracht: Hattie nutzt computergestützte Verfahren, um riesige Datenmengen zu verarbeiten und glaubt damit eine unfehlbare Empfehlung für den Schulunterricht der Zukunft geben zu können. So supekt einem das erscheint, so überraschend ist das Ergebnis dann auch nicht: Immerhin wird schon lange gefordert, dass sich an der Lehrerausbildung etwas grundlegend verändern muss.

Bildnachweis: © Sinatra and Peter O. Chott

Autor bei GooglePlus

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)