Die Inklusion im deutschen Schulsystem entwickelt sich langsam, wobei die Sonderschulen nicht an Bedeutung verlieren. Jeder vierte Schüler mit Förderbedarf besucht inzwischen eine Regelschule. Seit sich Deutschland im Jahre 2009 dafür entschieden hat, Schüler mit und ohne Behinderung auf dieselben Schulen zu schicken, hat der Inklusionsanteil um ein Drittel (von 18,4% auf 25%) zugenommen.

Zu beachten ist, dass der Sonderschüler-Anteil an der gesamten Schülerschaft sich indes kaum verändert hat. Zu dieser Erkenntnis ist der Bildungsökonom Professor Klaus Klemm gekommen, der eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat.

Inklusion auf dem Vormarsch

Die gute Nachricht lautet: Kinder mit Handicaps, die einen besonderen Förderbedarf haben, werden nicht mehr zwangsläufig auf eine separate Förderschule geschickt. Die schlechte Nachricht besteht darin, dass laut Studie der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die eine Förderschule besuchen, seit 2009 nur minimal gesunken ist (von 4,9% auf 4,8%). Daraus lässt sich schließen, dass das Doppelsystem (getrennte Regel- und Förderschulen), entgegen dem Ziel der Inklusion, weiterhin unverändert bleibt. Die bestehende Trennung verzögert eine erfolgreiche Inklusion, da die Förderschulen diejenigen Ressourcen besitzen, die für den gemeinsamen Unterricht an den Regelschulen sehr wichtig sind. Um guten, inklusiven Unterricht anbieten zu können, wären bundesweit 9.300 zusätzliche Lehrkräfte nötig, was pro Jahr 660 Millionen Euro kosten würde. Inklusion ist ein erstrebenswertes Ziel, das sich ohne finanzielle Unterstützung und gut qualifiziertes Personal jedoch nicht verwirklichen lässt.

Anderes Bundesland, andere Sitten

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern generell in den verschiedenen Bildungsbereichen sehr groß – und auch bei der Inklusion scheiden sich die Geister. In den Bereichen „Förderung des gemeinsamen Unterrichts“, „Bedeutung von Sonderschulen“ und „Anerkennung von Förderungsbedarf“ hat jedes Bundesland andere Ziele und Vorstellungen. Besonders erschreckend ist, dass 75% aller Schüler auf Förderschulen nicht einmal den Hauptschulabschluss schaffen. Um diese Situation zu verbessern, ist es wichtig, dass die Bundesländer gemeinsam an Konzepten und Standards arbeiten, die die Inklusion – und damit die berufliche Zukunft der jungen Menschen – verbessern.

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