Warum eine Studienplatzklage genau die richtige Entscheidung sein kann.

Wahrscheinlich wird es vielen Abiturienten spätestens zum Wintersemester ähnlich gehen: Sie wissen, was sie studieren wollen, sie wissen auch ungefähr an welche Uni es gehen soll, aber dann hagelt es nur Ablehnungsbescheide. Und das liegt nicht daran, dass sie ein schlechtes Abi haben. Es wollen einfach immer mehr junge Leute studieren – da wird der doppelte Abiturjahrgang nicht gerade für Entspannung an den deutschen Hochschulen sorgen. Zwar sind die Unis bemüht, ihre Kapazitäten auszubauen, aber trotzdem werden nicht wenige auch dieses Mal keinen Bescheid für ihr Wunschstudium erhalten. In diesem Falle kann man die Zeit während der Wartesemester mit einer anderen Ausbildung effektiv nutzen, ins Ausland gehen und dort studieren oder zunächst einmal abwarten. Viele fassen jedoch den Entschluss, sich in ihr Wunschstudium einzuklagen.

Über diesen Schritt denken mehr Studierende nach, als man glauben möchte. Von den Erfolgen hört man regelmäßig in der Presse, aber kaum jemand kennt diejenigen, die sich erfolgreich einklagen konnten. Denn nur wenige bekennen sich öffentlich als „Einkläger“, wenngleich nichts Unrechtes getan und erst recht nicht anderen ein Studienplatz weggenommen wurde. Sie haben rechtliche Schritte eingeleitet, um ihr Ziel zu erreichen und haben dafür nicht selten auch (finanzielle) Risiken in Kauf genommen.

Christiane*, die sich selbst mit Hilfe von den Anwälten von studienplatz-klage.de in ihr Medizinstudium eingeklagt hat, war bereit, mit uns zu sprechen und hat uns erklärt, warum sie sich für diesen Weg entschieden hat.

©Thomas Wengert/pixelio.de

HS_Bildung: Warum war es für dich so wichtig, dich in dein Wunschstudium einzuklagen?

Christiane: Ich habe früher nie geplant, mir meinen Studienplatz einzuklagen. Jede/r hat das Recht, seinen Interessen nachzugehen und das Fach zu studieren, das ihn/sie begeistert.  Ich finde, mit 18 Jahren kann ein Mensch nicht wissen, was er aus sich machen will. Es ist zu früh, um die Entscheidung für den gesamten weiteren Lebensweg zu treffen. Nach dem Abitur wusste ich noch nicht genau, was ich mit mir und meiner Zukunft anfangen will. Die endgültige Entscheidung für das Studienfach Medizin hatte ich erst später. Für mich war die Studienplatzklage die letzte Chance auf dem Weg zu meinem Traumberuf – und auch irgendwie zu meiner Selbstverwirklichung. Ich hatte kein Abitur mit 1,0. Auch die Wahl meiner Leistungskurse hatte ich mit Hinblick auf mein Traumstudium nicht optimal getroffen. Darum habe ich einen Anwalt beauftragt, meine Interessen zu vertreten.

HS_Bildung: Und mit einer Ausbildung, oder ähnliches, ein Wartesemester aufzunehmen und dann regulär in das Studium zu rutschen, war für dich keine Option?

Christiane: Für mich war das damals keine Option. Das lag aber vielmehr daran, dass ich zum damaligen Zeitpunkt nicht vor hatte zu studieren. Mein Zukunftsplan sah ganz anders aus. Ich habe mir das Medizinstudium nicht zugetraut und zunächst ein anderes Studium angefangen. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich mehr erreichen kann und dass ich noch längst nicht am Ziel meiner Leistung oder meiner Erwartungen bin. Rückblickend würde ich meinen Werdegang in jedem Falle anders organisieren, über Wartesemester, eine Ausbildung oder ähnliches – aber hinterher ist man immer schlauer…

HS_Bildung: Hattest du keine Angst vor den Kosten und dass es vielleicht letztendlich trotzdem nicht klappt?

Christiane: Ich war mir dessen ständig bewusst. Ich habe früher viel Geld neben meiner ersten Ausbildung Beiseite gelegt. Damals hatte ich noch nicht den Plan zu klagen. Aber als sich mein Studienwunsch verfestigt hat und meine Chancen auf einen Platz immer noch nicht besser wurden, war mir klar, dass ich es unbedingt riskieren muss. Wie schon angedeutet, habe ich mir das Medizinstudium nach dem Abitur nicht zugetraut, ich dachte, ich könnte das nicht schaffen. In meinem anderen, ersten Studium wurde jedoch mein Interesse geweckt (oder wieder erweckt?) und ich habe mich auf gut Glück beworben. Dann habe ich noch den Anwalt hinzugezogen, um sicher zu gehen, dass ich wirklich alles probiert habe…

Das Geld sparen neben diesem ersten Studium war ein positiver Nebeneffekt. Ich habe studiert und nebenbei gearbeitet, ich hatte nie viel Zeit, um mein Geld auszugeben – da bietet es sich natürlich an, das Gesparte in eine Studienplatzklage zu investieren. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich es unversucht gelassen hätte. Das sparen hatte sich also gelohnt. Wäre die Klage nicht erfolgreich gewesen, dann hätte ich zwar viel Geld investiert, aber dafür auch die Gewissheit gehabt, alles in meiner Macht stehende unternommen zu haben, um meinen Traum zu realisieren.

HS_Bildung: Ging es bei dir primär um das Studienfach oder wolltest du auch gerne an eine bestimmte Uni?

Christiane: Bei mir ging es nur um das Studienfach. Ganz egal wo, deswegen richtete sich auch Studienplatzklage gegen mehrere Universitäten.

HS_Bildung: Wie zügig läuft eine solche Klage ab? Normalerweise dauern Gerichtsverfahren ja relativ lange. Wenn ich irgendwann im Sommer den Ablehnungsbescheid bekomme und trotzdem gerne zum Wintersemester studieren möchte, reicht da die Zeit? Also hat sie bei dir noch gereicht?

Christiane: Papier ist natürlich geduldig, so war es auch in meinem Falle. Ich habe ein Jahr gewartet und zwischenzeitlich meine bisherige Ausbildung weiterverfolgt. Keiner – auch kein Anwalt – kann vorher abschätzen, wie lang so etwas dauert. Aber ich finde mit einer Dauer von einem Jahr kann man ganz zufrieden sein. Letztenendes habe ich selber nicht mehr mit einem positiven Ausgang meiner Studienplatzklage gerechnet. Und plötzlich musste ich von einem Tag auf den anderen alle Zelte abbrechen und mein Leben komplett auf den Kopf stellen. Aber es hat sich gelohnt! Ich würde es noch einmal genau so machen.

HS_Bildung: Und wie läuft so eine Klage dann ab? Trifft man sich tatsächlich mit Vertretern der Uni vor Gericht?

Christiane: Nein, jedenfalls war das bei mir nicht der Fall. Ich habe einen Anwalt kontaktiert. Hatte einige Vorgespräche mit ihm, in dem wir das Vorgehen, meine Erfolgschancen und natürlich die Kosten besprochen haben. Alles Weitere hat der Anwalt geklärt. Ich war selber nie vor Gericht. Abhängig vom Anwalt kann man sich stets und ständig beraten lassen. Mein Anwalt war immer für mich da, bei all den Sorgen, Bedenken und Fragen, die ich hatte.

HS_Bildung: Wissen deine Kommilitonen, dass du deinen Studienplatz eingeklagt hast? Wenn ja, wie haben Sie darauf reagiert?

Christiane: Nein, sie sind ahnungslos. Ich will nie herausfinden, wie sie darauf reagieren…

©Thomas Wengert/pixelio.de

HS_Bildung: Wie gehen die Professoren und Dozenten mit Studienplatzklägern um? Wissen Sie, dass du dich eingeklagt hast? Wird man „herausgeprüft“?

Christiane: Ich hatte nie das Gefühl, dass die Dozenten wissen, dass ich mich eingeklagt habe. Die Einzigen, die das wissen, sitzen in der Verwaltung der Universität.

Ich glaube, dass es die Lehrenden (oder auch die Mitarbeiter in der Verwaltung) nicht kümmert, ob du dich eingeklagt hast oder nicht. Sie haben viele Aufgaben, wie Lehre und Forschung, zu erledigen, sodass sie keine Energie darauf verschwenden die „Nadel im Heuhaufen“ zu suchen und herauszuprüfen. Es geht viel mehr darum, diejenigen, die gefördert und gefordert werden wollen, zu unterstützen. Und wenn man sich schon in einen Studienplatz einklagt, dann macht man das nicht aus einer Laune heraus, sondern weil man das Studium unbedingt will, um dann sein Bestes im Studium und bei den Prüfungen zu geben.

HS_Bidung: Unter den meisten Studierenden gibt es ja immer noch das Vorurteil, dass Leute, die sich einklagen, anderen den Studienplatz wegnehmen – faktisch ist es doch gar nicht so, oder?

Christiane: Schwierige Frage: tatsächlich glaube ich, dass dem nicht so ist. Nur weil sich jemand einklagt, heißt das nicht, dass ein anderer seinen Platz nicht bekommt. Grundlage ist die Kapazität der Lehre der Universität, d.h. wie viel Lehrende zur Verfügung stehen und wie viel Studenten sie dadurch „abdecken“ können. Danach richtet sich, ob die Universität noch einen aufnehmen kann, oder ob sie tatsächlich wie angegeben ausgelastet ist und damit berechtigterweise den Studenten bzw. Kläger ablehnen muss.

HS_Bildung: Würdest du dich wieder für diesen Weg entscheiden und auch anderen raten, es mit einer Studienplatzklage zu versuchen?

Christiane: Es ist eine Einzelfallentscheidung. Ich würde nicht jedem dazu raten. Nicht bei jedem ist die Aussicht auf Erfolg gegeben. Ich kann nur dazu raten, falls ihr darüber nachdenkt, dann lasst euch doch einfach von einem Anwalt beraten. Das kostet im besten Falle nichts, oder nur eine Kleinigkeit, und danach wisst ihr mit Sicherheit, ob es nun genau für euch ratsam ist, eine Klage durchzuführen oder ob es für euch eher rausgeschmissenes Geld ist.

Nicht vergessen sollte man allerdings, vorher schon mal bei der Rechtsschutzversicherung nachzufragen, ob sie die Kosten, oder zumindest einen Teil davon, übernehmen. Ich würde auch immer die Familie einweihen. Es ist wichtig, dass man sozialen Rückhalt und Unterstützung hat. Daher: bedenkt die ganzen negativ behafteten Vorurteile. Ihr müsst mit irgendwem über eure Sorgen reden können.

Meine Klage war erfolgreich. Dennoch würde ich in meinem bisherigen Werdegang einiges anders machen, so dass eine Klage nicht mehr erforderlich wäre. Ich kann nur dazu raten, dass ihr euch bei der Agentur für Arbeit, in Unternehmen, bei Bekannten oder ähnlichen, sobald ihr wisst, was ihr machen wollt, über euren Studienwunsch informiert und beraten lasst.

HS_Bildung: Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast und uns so hilfreich die Fragen beantwortet hast! :-)

Studienplatz

Mehr zur Studienplatzklage

Wer selbst über eine Studienplatzklage nachdenkt oder sich vielleicht schon konkret informieren möchte, findet über das Portal Studienplatz-Klage weiterführenden Informationen zum Thema. Zudem gibt es die wichtigsten Fakten mit aktuellen Rankings und Fristen in einer Infobroschüre zusammengestellt.

Studienplatz-Klage.de

 

*Name von der Redaktion geändert

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