iStock_000014521043SmallHinsichtlich der Kosten und Finanzierung des privaten Hochschulstudiums halten sich hartnäckig Missverständnisse und Irrtümer, die sich Jahr für Jahr zum jeweils nächsten Abiturabschlussjahrgang verbreiten. Es ist die Annahme, dass allein das Portemonnaie der Eltern über die Möglichkeit eines Studiums an einer Privathochschule entscheide. So ziehen viele junge Menschen diese Alternative überhaupt nicht erst in Betracht und wissen folglich nichts von den Möglichkeiten einer anderweitigen Förderung.

Scholarship der Privathochschulen

Es gibt Universitäten, die ihren Studenten eine Mischfinanzierung anbieten, wobei dann die Studenten die Studiengebühren zum Beispiel nur zu einem Drittel tragen müssen, während Freunde und Förderer der Universität zwei Drittel der Kosten tragen.  Zum Teil haben die Universitäten aber auch  Kooperationen mit örtlichen Bankinstituten, die dann den Studenten ohne Bonitätsprüfung  einen Studienkredit mit besonders niedrigen Zinsen anbieten.

Weitere Fördermöglichkeiten wie der Erlass von Studiengebühren von bis zu 50% bei bestimmten Voraussetzungen sowie die Vergabe von Stipendien machen zudem eine elternunabhängige Finanzierung möglich. Die Angebotsbreite der unterschiedlichen Universitäten sowie ihre Akkreditierung und staatliche Anerkennung einschließlich der Promotionsmöglichkeit erfordert jedoch ein Selbstvertrauen der Bewerber in ihr eigenes Potenzial.  Die Aufnahmeverfahren könne ungewöhnlich sein, denn in einem persönlichen Gespräch müssen Bewerber mitunter kuriose und brüskierende Fragen beantworten. Hier kommt es auf den Persönlichkeitstyp eines jeden an.

Stipendium durch eine Stiftung

Für junge Menschen, die sich sozial oder politisch schon frühzeitig engagiert haben oder sich durch anderweitige herausragende Leistungen hervor getan haben, bietet sich auch eine Finanzierung über Stipendien von Stiftungen an. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat eigens dafür eine Online-Datenbank zur Verfügung gestellte, die jungen Menschen bei ihrer Orientierung helfen sollen. Der Stipendienlotse ist eine häufig aufgeschlagene Seite und bietet einen guten Überblick darüber an, für welchen Studiengang bzw. bei welcher Stiftung man ein Stipendium beantragen kann.

Studienkredite von der Bank

Bei diesem Thema ist Vorsicht angesagt. Bei über 80 Anbietern deutschlandweit sollten sich Interessenten für ein privates Hochschulstudium zunächst einmal ihren Finanzbedarf ausrechnen, bevor sie Angebote einholen. Die Zinskonditionen für einen Studienkredit sind so unterschiedlich, dass gerade hier böse Fallen auf junge Hochschulabsolventen warten, die ihren Finanzbedarf vorher nicht genau ermittelt haben und in einer Nachfinanzierungsfalle stecken. Die Zinsbelastung ist zudem nicht allein ein Kriterium für den Vergleich, sondern auch der Abzahlungsplan nach Abschluss des Studiums.

Wer sich generell für eine volle „Fremd-Studienfinanzierung“  interessiert, sollte sich darüber hinaus auch über die Alternative Bildungsfond informieren, hier haben die Studenten, anders als beim Studienkredit, keine fixe Schuldenlast. Erste Infos zum Thema hält die Initiative Festo Bildungsfonds bereit, die für MINT-Studenten eine bankenunabhängige und sozialverträgliche Studienfinanzierung anbietet. Hier sind auch Förderungen von Auslandsaufenthalten und Auslandssemester während des Studiums möglich, ebenso können Lebenshaltungskosten und Studienmaterial (wie zum Beispiel ein Laptop)  finanziert werden. Auch Studenten, die berufsbegleitend ihr Studium absolvieren, haben die Möglichkeit einen Bildungsfond zu erhalten.

Zuschuss und Darlehen über Bafög

Im Rahmen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG) erhalten Studierende unter bestimmten Voraussetzungen ein zinsgünstiges Bankdarlehen. Wer beispielsweise eine weitere Ausbildung, die eine erste Hochschulausbildung sinnvoll ergänzt, anschließen möchte, kann beim Amt für Ausbildungsförderung einen Antrag stellen. Wer eine durch einen Fachrichtungswechsel verlängerte Studiendauer finanzieren muss oder finanzielle Unterstützung bis zum Studienabschluss benötigt, weil die BAföG-Förderungshöchstdauer überschritten wurde, hat ebenfalls die Möglichkeit der Finanzierung durch das Amt der Ausbildungsförderung. Die Höhe des Darlehens legt dann das zuständige BAföG-Amt fest. Ausgezahlt wird es von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Allerdings gilt dieses Angebot nur für staatlich anerkannte Privathochschulen.

Wie jetzt entscheiden?

Noch gar nicht. Man muss aber in jedem Fall berücksichtigen, dass auch das Studium an einer öffentlichen Hochschule oder Fachhochschule Kosten verursacht. Auf diesen ersten Blick bleibt dennoch festzuhalten, dass das Studium an einer Privathochschule teurer ist als das Studium an einer öffentlichen Hochschule. Wer aber andere Kriterien wie Qualität der Lehre und des Lehrpersonals, Angebote von Praktika und Vernetzung der Hochschule, Abschlussmöglichkeiten und Anerkennung von Abschlüssen sowie Anschlussperspektiven mithilfe eines Career Center ins Auge fasst, kann eingedenk der manchmal kürzeren Studiendauer an Privathochschulen zu überraschenden Ergebnissen hinsichtlich der Kostenfrage kommen. Wer eine Privathochschule in Wohnortnähe besucht, für den ergeben sich beispielsweise auch hier wieder völlig andere Kosten.  Es kommt letztlich auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten an, die sich im privaten Umfeld ergeben. Eine unabhängige Studienberatung kann hier bei der Entscheidung wirklich weiterhelfen.

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