schuleWenn man Lobbyismus hört, dann hat man eher das Bild von großen Konzernen im Kopf, die versuchen, in der Politik ihre Interessen durchzusetzen. Aber es gibt auch andere Bereiche unserer Gesellschaft, in denen Unternehmen immer mehr Einfluss nehmen. Und die permanente Unterfinanzierung von Bildung macht genau dies möglich: Lobbyismus an unseren Schulen. Egal ob die Finanzierung von Schulausflügen, die Ausgabe von Arbeitsblättern oder das Veröffentlichen von Schulbüchern –  die Wirtschaft hat einen neuen, effektiven Weg entdeckt, an ihren Kunden von morgen zu kommen.

Frühestmögliche Präsenz schaffen

Laut eines Forschungsprojekts der Uni Augsburg zufolge beteiligen sich 16 von 20 der umsatzstärksten Unternehmen an der Produktion von Schulmaterialien. Damit nehmen sie nicht nur indirekt Einfluss auf die gesellschaftliche Meinung, sondern versuchen auch ihr unternehmerisches Bild frühestmöglich genau dort – nämlich bei unseren Kindern– zu verankern.

Das Problem beim Schul-Sponsorship, egal welcher Art, ist: Die Einflussnahme wird immer Hauptziel der Lobbyisten sein und der pädagogischen und wissenschaftlichen Vermittlung übergeordnet bleiben. Damit sind Einseitigkeit und Manipulation des Lehrmaterials häufig schon vorprogrammiert.

Bestmögliche Entscheidung treffen

Und eigentlich sollte man meinen, dass eindeutige Lobbyarbeit verboten gehört, so wie auch die politische Einflussnahme durch Regierung, Schulbuchverlage und Lehrer aufgrund des Beutelsbacher Konsenses verboten ist. Doch die Kultusministerien können durch ihre unklar formulierten Erlässe keine bindende Entscheidung treffen. Oder wer soll tatsächlich entscheiden können, wann ein „Werbeeffekt hinter dem pädagogischen Nutzen deutlich zurückbleibt“?  Lehrer und Schulen haben selten die Kompetenz und im Arbeitsalltag auch kaum die Zeit, alle Finanzierungen, gesponserten Materialen und Arbeitsbücher auf mögliche Lobby-Interessen zu untersuchen.

Lobbycontrol fordert deswegen die Politik auf, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und hat dazu einen öffentlichen Brief an die Kultusminister der Länder formuliert, in dem der Verein diese und die Schulen dazu auffordert, sich aktiv mit dem Problem zu befassen. Dazu dringt er zusammen mit der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf die Einrichtung einer unabhängigen öffentliche Prüfstelle, die die Zuwendungen von Dritten kontrollieren soll.

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