schule uni trends schuleuni  Nadelöhr Grundschule   Empfehlungen für weiterführende SchulenAlle Jahre wieder stellt die Grundschule ein Nadelöhr für die weitere Schulkarriere von Tausenden von Kindern in Deutschland dar. Die Empfehlungen für weiterführende Schulen, die in der 4. Klasse von den Fachlehrern ausgesprochen werden, bestimmen die weitere Zukunft des Kindes maßgeblich mit. Häufig erkennen die Eltern in der Empfehlung ihren eigenen Status wieder.

Das ist falsch, obgleich es viele Hinweise in der Vergangenheit dafür gegeben hat, dass die Kinder von Facharbeitern trotz gleicher Noten mit anderen Schülern wesentlich seltener die Empfehlung für das Gymnasium erteilt bekommen. Die Bildungsaussichten von Kindern vermischen sich noch heute merkwürdig mit der Herkunft und dem Bildungsgrad der Eltern. Das kann und darf kein Leistungsmerkmal sein.

Über Status, Anspruch und Scheitern junger Generationen

Frühkindliche Bildung ist heute kein Schlagwort mehr sondern Realität. Wir erleben immer mehr Kinder, die schon früh zweisprachig aufwachsen und Prestigeobjekt der Eltern geworden sind. Der Leistungsdruck, den viele Kinder heute aushalten müssen, ist enorm (Quelle: Spiegel). Die Angst, dass das eigene Kind abgehängt wird, spiegelt eine gnadenlose Wettbewerbsgesellschaft wider, die mittlerweile Maß und Mitte verloren hat. Viele Grundschullehrer berichten von aggressiven Eltern, denen sie schließlich aus Gefälligkeit die Empfehlung für das Gymnasium aussprechen. Von einer gesunden Einschätzung des Leistungsvermögens des eigenen Kindes sind viele Eltern weit entfernt.

Der Anspruch der Eltern blendet die Wirklichkeit nur allzu gerne aus. Ein Drittel der Grundschüler in der 2. und 3. Klasse gab jüngst an, dass sie unter dem Schuldruck leiden (Quelle: Fokus). Wir projizieren unsere Erwachsenenwelt auf die Kinder und sind damit verantwortlich dafür, dass immer mehr Kinder frühzeitig Ängste vor dem Scheitern entwickeln. Dabei gehört das Scheitern zum Leben wie die Butter zum Brot.

Unterschiedliche Entwicklungen von Kindern

Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass sich die zwei Jahre in der 5. und 6.Klasse auf der Hauptschule bei mir nicht negativ bemerkbar gemacht haben. In den 80ern war das Schulsystem allerdings noch weitaus durchlässiger, weil es bei entsprechender Leistungsentwicklung noch Möglichkeiten gab, aufzusteigen. Als ich zum 7.Schuljahr aufs Gymnasium wechselte, war ich froh darum, weiter gefördert und gefordert zu werden. Heute dagegen wird die Empfehlung für die Hauptschule oder für die Realschule für manche wie ein Schicksalsschlag wahrgenommen werden.

Teilweise aus verständlichen Gründen, weil die Gesellschaft in ihren Bildungsvorurteilen die Hauptschulen und Realschulen jahrzehntelang schlecht geredet hat und damit selbst dafür gesorgt hat, dass der natürliche Anspruch der Kinder auf unterschiedliche Entwicklungsphasen verloren gegangen ist. Dabei kann eine gute Haupt- oder Realschule vielen Kindern mehr Förderung bieten als das herkömmliche Gymnasium. Aus der Unsicherheit und dem Wunsch der Eltern nach Optionen für den Lernaufstieg werden Gesamtschulen, in denen Realschule und Gymnasium unter einem Dach vereint sind, immer beliebter.

Aber auch hier sind die Aufnahmekapazitäten mancherorts schon an Grenzen gestoßen. Was weiterhin fehlt, bleibt eine gesamtgesellschaftliche Debatte darüber, ob wir wirklich ein Bildungssystem wollen, in dem Wettbewerb die einzige maßgebliche Rolle spielt. Sollte der Wettbewerb das alleinige Leitprinzip des 21. Jahrhunderts sein? Ich meine – nein!  Vielmehr muss die Wirtschaft umdenken und eine neue Debatte um werteorientierte Leitlinien im Umgang miteinander beginnen. Allein schon der Kinder wegen!

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