entdeckenDie Zahl der Online-Bildungsangebote ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Kerstin Stengel, selbst Leiterin eines E-Learning-Anbieters, hat sich deswegen vor allem mit der wissenschaftlichen Betrachtung von E-Learning und dessen Effektivität beschäftigt. In ihrem Gastartikel stellt sie uns ihre Beobachtungen zu der Harvard Studie von den Forschern Daniel Schacter und Karl Szpunar vor:

Die beiden Wissenschaftlicher sind  der Frage nachgegangen wie hoch die Lerneffektivität in virtuellen Klassenzimmern tatsächlich ist. Denn die Ablenkung beim E-Learning durch E-Mail, Internet oder Fernsehen ist hoch – wie die Experten festgestellt haben. Um es vorweg zu nehmen: Die Lösung, so meinen die Harvard-Forscher, ist, Lerner frühzeitig und häufig zu testen. Durch das Einstreuen von Kurztests in Online-Kurse vermindere sich die Gefahr des Abschweifens um die Hälfte. Die Lernenden machen sich dreimal mehr Notizen und nehmen den Lernstoff besser auf, so die Analyse der beiden Psychologie-Professoren, die vor kurzem in der Harvardgazette zu lesen war.

Motivation vs. Ablenkung

Zudem war Gegenstand der Studie die Frage, wie sich die Lernzeiten der Homeoffice-Nutzer optimieren lassen. Und was passieren muss, damit Lerner das Wissen, das sie brauchen, so effektiv wie möglich aufsaugen können. Denn in der Untersuchung kam heraus, dass Schüler für ein einstündiges Kursmodul bis zu vier Stunden Zeit benötigen. Als Grund gaben sie an, wie schwierig es war, sich nicht ablenken zu lassen. Die Forscher schließen daraus, dass Anreize im Onlinekurs die Aufmerksamkeit auf diesen erhöhen – was im Ergebnis Zeit spare, weil der Grad der Ablenkung signifikant sinke.

Auch fiel den Forschern auf, dass Online-Unterricht zwar immer populärerer wird, es allerdings erschreckend wenig harte wissenschaftliche Fakten darüber gebe, wie Menschen im virtuellen Klassenzimmer zu Recht kommen. Zwar herrsche die Ansicht vor, dass virtuelle Unterrichtseinheiten kurz und motivierend sein sollten. Valide Untersuchungsergebnisse hierzu fehlten jedoch.
Mit Hilfe von zwei Experimenten wollten Schacter und Szpunar hierzu Antworten finden. Zuerst wurde einer Lerngruppe ein Kursmodul gezeigt, das in vier Einheiten zu je fünf Minuten unterteilt war. Nach jedem Segment mussten die Schüler Aufgaben lösen. Einen Teil der Gruppe befragten die Forscher anschließend zu den Kursinhalten, während eine zweite Gruppe weiterhin Aufgaben löste.

Kurztests erhöhen die Aufmerksamkeit 

Tipps_lernenIm zweiten Versuch wurden die Teilnehmer in drei Gruppen unterteilt. Ähnlich wie beim ersten Experiment mussten sie ein in vier Segmenten unterteiltes Lernmodul ansehen. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Teilnehmer bereits während des Zusehens befragt wurden, ob ihre Gedanken abschweifen. Wie im ersten Versuch erhielten alle drei Gruppen auch diesmal in jeder Kursunterbrechung Aufgaben zum Lösen. Eine Gruppe befragten die Forscher zum Thema des Kurses, eine andere löste weiterhin Aufgaben und die dritte Gruppe konnte sich nochmals mit dem soeben Gelernten beschäftigen. Das Ergebnis ist erstaunlich: Bis zu 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie während des Online-Kurses gedanklich abschweifen. Auffallend war, dass diejenigen am wenigsten abgelenkt waren und am meisten Stoff behalten konnten, die nach jeder Lernsequenz einen Kurztest absolvierten.

Es reicht also nicht aus, ein Lernmodul zu unterbrechen, um etwa etwas nachlesen zu können. Wissen festige sich nachhaltiger, wenn Kurzprüfungen die Aufmerksamkeit der Lernenden erhöhe. Finden diese nicht statt, neigen Menschen dazu abzuschweifen, so die Harvard-Forscher. Demnach ist die Prüfung die wirksame Komponente. Als Grund für die gesteigerte Wachsamkeit sehen Schacter und Szpunar das Wissen der Lernenden, dass Sie Fragen beantworten müssen. Ob im Live- oder Online-Training, bislang müssen Teilnehmer in der Regel erst am Ende oder viel später das Gehörte zusammenfassen. Wenn sie aber wissen, dass hin und wieder kurze Testfragen auftauchen, steigt die Aufmerksamkeitskurve und der Lernstoff bleibt besser haften.

Auch zum Vermindern von Prüfungsangst haben die Forscher eine interessante Entdeckung gemacht. Diese lasse sich reduzieren, wenn den Studierenden die Befürchtung genommen wird, der Lernstoff sei besonders schwierig.

DownloadKerstin Stengel

Kerstin Stengel ist Marketing-Leiterin des international aktiven E-Learning-
Anbieters Skillsoft mit Sitz in Düsseldorf

SKILLSOFT

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