pferderennen

Ja, wie? Pferderennen oder Agora? Was soll das bedeuten? Es geht doch um die Bundestagswahl! Richtig. Und die Agora war der städtische Marktplatz im antiken Griechenland.

Und was genau hat das mit der Bundestagswahl zu tun?

Ganz einfach: Am kommenden Sonntag muss man sich nicht nur für eine Partei entscheiden, sondern auch für eine Entscheidungsstrategie. Man muss also entscheiden, auf welcher Grundlage man entscheidet. Logisch, oder?

Das Pferderennen

Setzt man, wie bei einem Pferderennen, auf einen der Favoriten, dann entscheidet man sich für eine strategische Wahlentscheidung, abhängig von den bisherigen Umfrageergebnissen. Diese haben ergeben, dass sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden stärksten Favoriten abzeichnet. Die eigene Stimme kann also erheblich dazu beitragen, dass einer dieser beiden Favoriten das Rennen gewinnt. Alle anderen Möglichkeiten lässt man bei dieser Entscheidung außen vor.

Bei dieser Strategie lässt man sich von den bisherigen Meinungen der Mitbürger beeinflussen. Man selbst spielt das „Züngelein an der Waage“ und trägt gezielt zum Stimmgewicht einer der beiden Kontrahenten bei. Dabei vertritt man die Position, dass eine Stimme für kleinere Parteien, womöglich sogar solche, die es aller Voraussicht nach nicht in den Bundestag schaffen, reine Verschwendung sei.

Die griechische Agora

Auf der Agora liefen zu den Hochzeiten der antiken griechischen Kultur viele Gelehrte umher, die mal vor sich hin redeten, mal in einer Tonne wohnten und mal zu ihren Schülern sprachen. Sie alle waren, ihrer bescheidenen Ansicht nach, weise. Und sie alle waren anderer Meinung. Vor allem wetterten sie gegen Leute, die von sich behaupteten, sie wüssten über die Dinge der Welt Bescheid. Daher wurden sie philósophos genannt.

Wer sich vor der Wahl für die griechische Agora entscheidet, der entscheidet sich für seine eigenen moralischen und vor allem politischen Vorstellungen. Die Wahl fällt also auf eine Partei, die der eigenen Ansicht am ehesten entspricht – unabhängig der Meinung anderer Wähler oder bisheriger Tendenzen. Fällt die Wahl auf eine der kleineren Parteien, die es vielleicht auch gar nicht in den Bundestag schaffen, dann ist das nicht schlimm – denn man hat mit bestem Gewissen gewählt.

Und was jetzt?

Pferderennen oder Agora. So einfach ist es dann leider doch nicht. Denn kleine Parteien, die als mögliche Regierungspartner gehandelt werden, würden natürlich dafür plädieren, ihnen eine der beiden verfügbaren Stimmen zu geben. Außerdem kann man einwenden, dass die Quoten bei einem Pferderennen auch nur Wahrscheinlichkeitswerte sind. Oder man vertritt die Auffassung, dass dieser ganze Zirkus sowieso nichts an den bestehenden Verhältnissen ändert.

Daher kann man nur eines mit Sicherheit sagen: Wir haben die Wahl!

Bildnachweis: © flickr.com/Slooby Jose

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