Lehrerin vor SchulklasseKeine Sorge, Hauptsache Bildung hat sich nicht mit dem Axel-Springer Verlag verbündet. Die Headline soll lediglich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft nach der neuen PISA-Studie spiegeln. Der PISA-Schock ist übrigens nicht das Symptom einer Herz-Kreislauferkrankung, die vorwiegend bei Menschen aus der Toskana beobachtet wird, sondern beschreibt das kollektive Blasswerden der deutschen Bildungsverantwortlichen nach der Veröffentlichung der PISA-Studie im Jahr 2001.

Seit jenem schicksalsträchtigen Jahr hat sich im deutschen Bildungssystem einiges geändert – was sich allerdings geändert hat, das weiß man auch nicht so ganz genau, es ist auf jeden Fall ein bisschen besser geworden. Anscheinend aber nicht genug, denn nach der aktuellen PISA-Studie greift man zu drastischen rhetorischen Mitteln und buddelt die Metapher von Roman (Ruck) Herzog wieder aus: „Ein Ruck muss durch Deutschland gehen“ diesmal allerdings durch die Klassenzimmer. Ja, ruckelt es denn nicht schon genug in der deutschen Bildungslandschaft? Leaning Tower of Pisa

Der besagte „Ruck“ wird diesmal übrigens von der deutschen Wirtschaft gefordert. Genauer gesagt von Michael Stahl, seines Zeichens Experte (Ruck-Experte?) von Gesamtmetall. Im Wortlaut: „Wir dürfen uns daher nicht mit Verbesserungen in Trippelschritten zufriedengeben, sondern benötigen einen richtigen Ruck durch die Klassenzimmer“. Soso, einen richtigen Ruck – und auch noch durch die Klassenzimmer (das finden Japaner übrigens überhaupt nicht lustig). Keine Bange, wir wollen diese Salbaderei jetzt nicht genauer aufdröseln.

Ein schwerwiegender Grund für diese Ruckforderung: Die Asiaten sind besser in Mathematik! Und das, obwohl wir doch angeblich die besseren Autos (Panzer sowieso) bauen…. Wir wollen aber noch viel bessere Autos bauen und dafür brauchen wir unter anderem MINT-Nachwuchs – und der muss selbstverständlich gut rechnen können. Schuld an diesem Mathe-Missstand sind vor allem die Mathelehrer (da kann ich aus eigener Erfahrung nur zustimmen), denen es weniger an fachlicher, sondern eher an pädagogischer Kompetenz mangelt.

Wenn ich mich allerdings an meine eigene Schulzeit erinnere und frage, was meine tief verwurzelte Abneigung gegen Zahlen im Allgemeinen und Mathematik im Speziellen verursacht hat – und vor allem, wie man sie hätte vermeiden können – da bin ich wirklich ratlos. Also ich für meinen Teil habe es akzeptiert, dass mich wohl bis zum Lebensende das kalte Grausen packt, wenn ich mehr als drei Zahlen auf einem DIN A4-Blatt sehe. Aber zurück zur PISA-Studie: Ich bin sehr gespannt – ja ich rucke schon vor Erwartung – welche konkreten Vorschläge zur Beseitigung dieses Schmutzflecks auf der deutschen Bildungsweste gemacht werden.

 

Bildnachweis@istockphoto.com/Gala98

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