iStock_000014521043SmallAlle Jahre wieder überlegen einige deutsche Abiturienten, ob sie an einer privaten Hochschule ihr Studium absolvieren sollen. Alle Jahre wieder werden die Vor- und Nachteile diskutiert und gegeneinander abgewogen. Die seit Jahren ausgetauschten Argumente um das Für und Wider eines privaten Hochschulstudiums sind bekannt und werden gebetsmühlenartig passend zum Anmeldezeitraum wiederholt. Diese rituell vorgetragenen Diskussionen vernachlässigen jedoch, dass es dabei immer um Einzelfallentscheidungen geht, die ohne ausführliche individuelle Studienberatung nicht auskommen. Und bei kaum einem anderen Bildungsthema gibt es so viele Irrtümer und Klischees.

 Grundsätzliches zu privaten Hochschulen

 Deutschlandweit gibt es 100 staatlich anerkannte Hochschulen in privater Trägerschaft (Stand 30.März 2011). Darunter befinden sich 13 private Hochschulen und gleichgestellte Hochschulen mit Promotionsrecht. 82 (Fach-)Hochschulen bieten keine Promotionsmöglichkeit an. Hinzu kommen noch eine private Kunst- und Musikhochschule sowie kirchliche Hochschulen. Die staatliche Anerkennung ist im Hochschulrahmengesetz (HRG § 70) geregelt. Die einzelnen Länder können aber zusätzliche Regelungen treffen. Die institutionelle Akkreditierung erfolgt über den Wissenschaftsrat, der Bund und Länder seit 1957 berät. Im Jahre 2004 hat sich ein „Verband der privaten Hochschulen e.V.“ gegründet, der die Interessen auch politisch vertritt. Im Jahre  2010 haben sich etwa 5% aller Studierenden an einer privaten Hochschule eingeschrieben.

 Studienangebote und Studienordnung

 Das Übergewicht von Fachhochschulen und von ökonomisch orientierten Studienangeboten zeigt, dass die private Wirtschaft sich in der Förderung und im Ausbau der Privathochschulen inhaltliche eine Mitbestimmung erhofft, die dazu führen soll, praxisnäheren Lehrstoff anzubieten. Wer an einer privaten Hochschule studieren will, muss sich darüber im Klaren sein, dass viele mittelständische und auch große Unternehmen durch die private Trägerschaft Einfluss auf die Inhalte beanspruchen. Zugleich aber ergeben sich hieraus auch Synergieeffekte, weil Netzwerke zwischen Unternehmen und Hochschulen bestehen, die zu echten und langfristigen Partnerschaften führen. Für Studenten ergibt sich damit ein echter Vorteil, im Rahmen von Praxisphasen erste Erfahrungen in einem mittelständischen oder größeren Unternehmen zu sammeln, ohne auf eigene Faust nach Praktika suchen zu müssen.

Ähnlich zu den öffentlichen Hochschulen gibt es aber auch unter den Hochschulen in privater Trägerschaft Budgetzwänge, die unter anderem dazu führen, dass an vielen privaten Universitäten und Fachhochschulen ein immenser Druck herrscht, was die Einschreibungszahl der Studierenden angeht. Im Hinblick auf die Studienordnung treten bei den Studierenden in den letzten Jahren vermehrt Unsicherheiten auf, weil sie mitunter nachteilig angepasst bzw. verändert werden und dabei einer bestimmten Willkür der Privathochschulen unterworfen sind, weil eine studentische Mitbestimmung nicht vorgesehen ist. Wer bereits Teilleistungsscheine in einem Fach erworben hat, für den dürfen im Zuge einer neuen Prüfungsordnung rückwirkend keine Nachteile entstehen.

Entscheidung für oder gegen eine private Hochschule

 Wie oben bereits beschrieben, bleibt die Entscheidung eine Einzelfallentscheidung und will gut überlegt sein. Im geplanten Dossier werden Entscheidungsmerkmale und individuelle Anhaltspunkte genauer beschrieben, hierzu zählen im Einzelnen:

  • Kosten und Finanzierung des privaten Hochschulstudiums
  • Qualität der Lehre und des Lehrpersonals an privaten Hochschulen
  • Angebote von Praktika und Vernetzung der Hochschule
  •  Abschlussmöglichkeiten und Anerkennung von Abschlüssen
  • Anschlussperspektiven – Career Center

In den folgenden Wochen werden diese einzelnen Kriterien genauer untersuchen und in einem eigenen Beitrag vorgestellt. Am Ende der Serie wird das gesamte Dossier als PDF zur Verfügung gestellt werden.

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Private Hochschulen im Test – Was leisten sie wirklich?, 6.0 out of 10 based on 2 ratings