universitaetDie parteilose Bildungsministerin Waltraud Wende will Fachhochschulen des Landes Schleswig-Holstein zukünftig das Promotionsrecht einräumen. Der Aufschrei der Hochschulen kam prompt und fiel laut aus. Die Hochschulen spüren, dass ihr Alleinstellungsmerkmal in Gefahr ist. Dabei liegt in dieser Idee eine große Chance.

Viel Arbeit für wenig Resonanz

Die Themenabsprache für eine Promotion ist eine uniinterne Angelegenheit. Meistens folgen Promovierende den Vorschlägen des Professors. Tun sie es nicht, laufen sie Gefahr, dass die Betreuung in der Thementiefe nachlässt. In der Hoffnung auf eine wissenschaftliche Anschlussperspektive tragen sie alsbald die gesammelten Lebenswerke des betreuenden Professors zusammen, vertreten hierbei zumeist seine Forschungsrichtung und bringen an bestimmten Punkten natürlich auch neue Ansätze und Punkte ein. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, ein Erfüllungsgehilfe des Doktorvaters geworden zu sein.

Zugleich wird mit diesem Prozedere deutlich, dass der Betreuer der Arbeit mit seinem Themenlebenswerk bestimmt, was von Allgemeininteresse ist und was nicht. Insbesondere in Geistes- und Sozialwissenschaften sind Dissertationen mitunter uferlose Unterfangen, die fernab der Themenperipherie Fachwissen horten, das gleich ins Archiv wandert. Für das internationale Prestige muss ohnehin hinzugefügt werden, dass fast 90 % aller Forschungsarbeiten in englischer Sprache verfasst sind, sodass Dissertationen in deutscher Sprache wenig Resonanz für viel Arbeit abwerfen.

Das Promotionsrecht an Fachhochschulen bringt neuen Wind

paragrafWas kann nun die Idee aus Schleswig-Holstein bewirken? Fachhochschulen genießen nicht umsonst den Ruf, praxisorientierte Inhalte zu vermitteln. Nun muss nicht jedes Wissen nutzbar sein, aber wer sich die Zahlen der Promotionen in den letzten Jahren anschaut, muss feststellen, dass  diese von Jahr zu Jahr gestiegen sind. Das alleine will nichts heißen, aber es liegt der Verdacht nahe, dass sich Promotionen für die Hochschulen rechnen, ganz gleich, ob das Thema gefragt ist oder nicht.

Eine interessante Ergänzung erfährt diese Perspektive, wenn man bedenkt, dass auch an den Hochschulen Rationalisierer in den Verwaltungen sitzen, die ganze Orchideenfächer zusammenstreichen. Das macht es sich für manche Fächer gut, noch Promotionen abgenommen zu haben. So entstehen schnell praxisferne Promotionen, die dem System geschuldet sind. In der stärker praxisorientierten Einbindung einer Dissertation, die thematisch den Weg nach außen suchen muss, liegt die große Chance, die sich mit der Idee des Promotionsrechts für Fachhochschulen denken lässt.

Promovierende und Professoren müssen sich hier einer dritten Instanz stellen, nämlich der Praxistauglichkeit ihres Forschungsthemas. Da tut dem ganzen Prozedere nur gut, zumal es auch Unternehmen die Möglichkeit bietet, mehr Außeneinblicke durch den wissenschaftlichen Nachwuchs zu erhalten. Der Weg Schleswig-Holsteins bietet daher eine längst überfällige Ergänzung des Promotionsrechts, die auch Nachwuchswissenschaftlern in der Provinz die Möglichkeit bietet, sich weiterzuentwickeln.

 

Bildnachweis@istockphoto.com/froxx

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