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Das Credo von Martin Krengel wird auch in seinem Buch „Bestnote“ deutlich. Um Prüfungen erfolgreich zu bestehen, muss man nicht überdurchschnittlich intelligent sein, sondern nur die richtigen Methoden verwenden. Was erwartet den Leser in diesem Ratgeber?

Derzeit gibt es viele Bücher auf dem Markt, die Studierenden helfen wollen, die Angst vor der Prüfung zu nehmen. Martin Krengels Werkt ist überraschend eingängig zu lesen. Krengel ist Lerncoach und ganz nebenbei noch Doktorandder Psychologie im Bereich der Wahrnehmungs- und Denkforschung.Der studierte Psychologie und Wirtschaftswissenschaftler ist seit Jahren als Autor, Referent und in der Unternehmensberatung tätig. Als Autor ist er vor allem bekannt für seine Bücher „Der Studi-Survival-Guide“ und „Golden Rules“. Darin entwickelt Krengel Zeitmanagementkonzepte für Schüler, Studenten und Berufseinsteiger.

In „Bestnote“ schafft es Krengel rasch, aufgrund seiner unkomplizierten Art zu schreiben, die Leser mit einer gewissen Sicherheit zu beruhigen. Plötzlich fühlt man sich mit seiner Prüfungsangst nicht mehr allein, und weiß, dass man mit dem richtigen Plan jede Prüfung meistern kann – und sei sie noch so kompliziert.

Die 10 Lernprozesse

Krengel sieht sich selbst als „Aufmerksamkeitsökonom“, jemand, der anderen hilft, ihre begrenzte Energie, Zeit und Aufmerksamkeit effektiv zu nutzen. Er weiß am besten, wie man sich und andere motiviert, denn seine ersten Bücher fand er selbst zu trocken, zu oberlehrerhaft. Daraus hat er gelernt und „Bestnote“ daher  in 10 einprägsame Schritte eingeteilt, die, einmal verinnerlicht, automatisch zu einem effektiveren Lernen führen sollen:

  1. Die eigene Lernstrategie bestimmen
  2. In den Lernmodus umschalten; Motivation fördern
  3. Ein Gesamtverständnis vom Stoff bekommen
  4. Den Stoff strukturieren mittels Notizen und Skizzen
  5. Gedanken verbalisieren; Lernen durch Schreiben
  6. Wissen kodieren; Lernen mittels Emotionen und Geschichten
  7. Den Stoff auf Schlüsselstellen reduzieren
  8. Wiederholen, wiederholen, wiederholen
  9. Die Prüfungssituation sicher durchstehen
  10. Das eigene Lernen reflektieren

MartinKrengelDas Buch vermittelt vor allem eines: Jede Prüfung lässt sich bestehen. Es geht nicht darum, so viel wie möglich zu lernen, sondern so zu lernen, dass man die Prüfung meistert. Das ist zunächst einmal nur ein rein ökonomisches Prinzip. Krengel merkt an, dass es wichtig ist, sich darüber klar zu sein, was in der Prüfung abgefragt wird. Man muss sich also zunächst fragen, was der Prüfer als wichtig erachtet. Dazu hilft es, wenn man sich in die Situation des Prüfers versetzt oder ihn – ganz simpel – einfach fragt.

Erst dann beginnt man damit, einen Lernplan aufzustellen. Welche Inhalte sind zentral? Wie kann ich mich belohnen? Wann lerne ich am effektivsten? All diese Fragen machen einen Großteil der Einarbeitungsphase aus. Aber am Ende kann man meistens so viel über Bord werfen, dass der eigentlich zu lernende Stoff plötzlich beherrschbar wird.

Sehr hilfreich istan dieser Stelle auch Krengels Lieblingstipp in Bezug auf die Konzentration in mündlichen Vorträgen: Man solle sich einfach vorstellen, man müsse das Gesagte oder Geschriebene vor einer Gruppe wiedergeben. Diese imaginäre Aufgabe führe automatisch dazu,dass man Unwichtiges aussortiert und Struktur in die gesammelten Daten bekommt. Denn: Erst durch eine sinnvolle Gliederung oder Strukturierung werden aus Daten Informationen. Und aus diesen Informationen möchte man Wissen für die Prüfung machen.

Sollte der Stoff sich einmal nicht in eine logische Struktur gießen lassen, kann man auf Eselsbrücken zurückgreifen.Krengel empfiehlt für schwierigen Stoff mit Visualisierungen, Geschichten oder Emotionen zu arbeiten. Er nennt dies „Kodieren“: Der Stoff wird nicht nur rein schriftlich, sondern bildlich, visuell oder verbal verinnerlicht. Es sollen möglichst viele Sinne angesprochen werden.

Manches banal, vieles hilfreich

In „Bestnote“ arbeitet Krengel mit vielen Beispielen aus dem Alltag von Studierenden. Das Buch ist, wie der Autor im Vorwort erwähnt, absichtlich voll mit Erfahrungen und Emotionen.Besonders gelungen sind die visuellenDarstellungen, die Krengel nicht nur von seinen Lesern fordert, sondern auch selbst in seinem Buch in Hülle und Fülle bietet.  Der“ Detailnebel“ etwa visualisiertdas undurchdringliche Geflecht an Fakten und Daten, welches man bekommt, wenn man in die Materie eintaucht. Nützlich ist daher immer wieder der übersichtliche Blick auf den Nebel, bei dem man die wichtigsten Berge daran erkennt, dass sie aus dem Nebel herausragen. Diese Bergsteiger Analogie hilft sehr gut, zu verdeutlichen, worauf man achten muss wenn man das Gefühlt hat, vom Stoff erschlagen zu werden.

Viele Tipps und Vorgehensweisen, die Krengel gibt, erscheinen recht banal, da sie zumindest jeder Studierende nachvollziehen kann. Aber dennoch helfen sie in den entscheidenden Momenten die eigene Panik zu mindern. Selbstverständlich kann man für so ein fächerübergreifendes Probleme keine konkreten Tipps geben, aber an einigen Stellen wünscht man sich dann doch etwas mehr Beispiele. Etwa bei der Reduktion unterschiedlicher Lernstoffe.

Bei der Nennung von Quellen setzt Krengel dann doch etwas zu sehr auf großen amerikanischen Unternehmen im Netz. So ist Google nicht immer der Stein des Weisen, wenn es darum geht, zuverlässige und gut recherchierte Informationen zu erhalten. Und nur weil bspw. Google zur Schlagwortkombination „Global Picture + Lernen“ nichts findet, heißt das nicht, dass nicht jemand bereits etwas über diese Methode geschrieben hat (wie wäre es stattdessen mit dem originären englischen Begriff „The Big Picture“?).

Inhaltlich könnte man einzig die Verwendung von Eselsbrücken kritisieren. Statt Gedankenarbeit auf die Verbindung von anscheint unverknüpften Daten und Fakten zu verschwenden, um eine Geschichte zu erfinden, könnte man auch versuchen, das eigentliche Prinzip dahinter zu verstehen. Wer sich also die Mühe macht, bspw. als Eselsbrücke für die Menge an elektrischer Ladung eine „Kuh“ zu merken – da es sich anhört wie das tatsächliche Formelzeichen „q“ – der wird erstaunt sein, dass „q“ für „quantum“ steht – was im Englischen nichts anderes als „Menge“ bedeutet.

Fazit

Cover Bestnote für Presse und Web KopieMartin Krengels Buch ist eine unterhaltsam geschriebenes Buch für Menschen, die unter Prüfungsangst leider oder für diejenigen, die strukturiert an ihre Prüfungsvorbereitung gehen möchten. Je früher man sich mit den Grundlagen des Lernens auseinandersetzt, desto besser.

Martin Krengel: Bestnote. Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren. Eazybookz Verlag. 3. Auflage 2013. 260 Seiten.

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