Young adultsFachkräftemangel bedeutet nicht immer gleich Fachkräftemangel, „Experten“ sind nicht immer gleich Experten und Meinungen sind nicht immer gleich endgültig.

In der Diskussion um den Fachkräftemangel in Deutschland spalten sich die Gemüter und auch wir haben die Problematik um die Pauschalisierung möglicher Gründe thematisiert. Aber der Fachkräftemangel ist genauso kontrovers wie facettenreich, denn er hängt von vielen Faktoren und äußeren Einflüssen ab. Betrachtet man den Fachkräftemangel jedoch einmal differenziert, ist es leichter nachzuvollziehen, was wirklich geschieht und wer genau in den vergangenen Jahren dagegen gekämpft hat.

Networking als Erfolgskonzept entdeckt

Gegen den Fachkräftemangel bei Ingenieuren haben insbesondere Politiker, Vereine, Unternehmen und Bildungsinstitutionen angekämpft. Basis des Erfolgskonzepts war zunächst Networking, welches im Laufe der Jahre immer mehr ausgebaut wurde. Alle genannten Institutionen haben sich in den letzten 10 Jahren zunehmend untereinander vernetzt um den Fachkräftemangel besser zu verstehen und entsprechende Strategien und Taktiken gegen den Mangel auszuarbeiten und durchzuführen. Politiker haben den Arbeitsstandort Deutschland besser im Ausland beworben, Unternehmen haben ihre Einstellungspolitik angepasst und ihre Konzepte im Personalmarketing überarbeitet und ingenieurwissenschaftliche Vereine haben neue Initiativen gegründet um neue Zielgruppen (z.B. Frauen und Jugendliche) für den Ingenieursberuf zu begeistern.

Die Kommunikation, insbesondere Marketing & PR Arbeit und die positive Berichterstattung in den Medien sollte über die Jahre dazu verhelfen, dass die Maßnahmen Früchte tragen. Mit Erfolg, mittlerweile wird der Arbeitsstandort Deutschland im Ausland als attraktiver wahrgenommen, das allgemeine Berufsbild der Ingenieure hat sich verbessert und der Studienstandort Deutschland hat sich für Ingenieurswissenschaften und verwandte Bereiche ebenfalls stärker am (internationalen) Markt positioniert (s. Infografik).

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Neue Strategien für neue Zielgruppen

Zunächst mussten sich Bildungsinstitute strategisch neu ausrichten. In Zusammenarbeit mit Repräsentanten von Vereinen, aus der Politik und der Wirtschaft haben Sie an der Weiterentwicklung des deutschen Berufsbildungs- und Hochschulsystems gearbeitet. Es wurde zunehmend ein duales System eingeführt, welches sich gerade in Berufsfeldern mit praktischem bzw. technischem Bezug besonders  bewährt hat. Hierfür galt es, mit zielgerichteten kommunikativen Maßnahmen (z.B. Überarbeitung von Websites, Gründung von Foren, Fanpages in den sozialen Medien, Anzeigen in Nischenmagazinen, Präsenz auf (Bildungs-) Fachmessen, etc.), eine ausreichende Anzahl qualifizierter Schulabsolventen für eine duale Ausbildung zu begeistern. Zeitgleich wurde auch das Hochschulsystem beworben, um weiterhin ausreichend Nachwuchs für die innovations- und wachstumsförderlichen Studiengänge im Ingenieurswesen zu generieren.

Das besondere des Kommunikationskonzeptes war die spezifische Ansprache von einzelnen Zielgruppen-Segmenten, die benötigt wurden, um den Fachkräftemangel nachhaltig auszugleichen; junge, weibliche und ausländische Neuzugänge sollten für den weiteren Bildungsweg im ingenieurwissenschaftlichen Bereich gewonnen werden.

Anderseits galt es die Inhalte und Abläufe der Studiengänge zu überarbeiten und mehr Unterstützung anzubieten mit dem Ziel die hohen Abbruchquoten zu  reduzieren und den Bildungsweg im Allgemeinen attraktiver zu machen. So haben Bildungsinstitutionen neue Studienangebote für den internationalen Markt entwickelt und diverse Programme zur Verständnis- und Lernunterstützung der teils sehr komplexen Ingenieurwissenschaftlichen Zusammenhänge für Studenten angeboten.

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Fazit?

Interdisziplinäres Networking, ausgeklügelte Marketingkommunikation sowie positive Berichterstattung in den Medien über die zahlreichen Initiativen gehören zu den ausschlaggebenden Faktoren des gesamten Konzepts. Diese haben der Industrie auf lange Sicht den Rücken gestärkt und so kann Deutschland nach 10 Jahren wieder seine traditionelle Stärke in den Ingenieurswissenschaften zeigen.

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Über den Autor

Gastautor Kai Michaelsen ist Msc Marketing Student an der Leeds Metropolitan University in Leeds.

Er arbeitet im Auftrag der Firma Deutsche Automation und beobachtet mit Blick auf Marketing- und Kommunikationsthemen stetig die Entwicklungen im Bereich Ingenieurswesen und behandelt dabei vollem das Themenspektrum rund um die Fachkräftesicherung.

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