Der Staat möchte am liebsten Mitarbeiter nur auf Zeit. In einer aktuellen Umfrage sind die meisten Berufstätigen, die befristete Arbeitsverträge haben, bei den Hochschulen, in der Erwachsenenbildung, bei Krankenhäusern und in der öffentlichen Verwaltung eingestellt. Warum es gerade bei den Hochschulen besonders ärgerlich ist.

Die Hans-Böckler-Stiftung hat in der Umfrage den Anteil befristet Beschäftigter aus verschiedenen Berufsbranchen ermittelt. Die Spitzenposition nehmen hier die deutschen Hochschulen ein. An Universitäten und Fachhochschulen sind es 81% der unter Vertrag stehenden, die einen befristeten Vertrag haben. Der Grund: Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz von 2007. Die Absicht des Gesetzes scheint zunächst einleuchtend. Forschung und Wissenschaft ist projektgebunden und soll es auch sein. Außerdem ist sie in vielen Fällen mit einer Qualifikation des jeweiligen Personals verbunden. Damit genügend Menschen die beschränkten Kapazitäten der Hochschulen wahrnehmen können, wird die Einstellung von Personal zeitlich befristet, um alle paar Jahre Platz zu schaffen für die nächste Generation nachrückender Studierender, Promovierender und Habilitierender.

Status- und Karrierunsicherheit bei Doktorand/innen

Tatsächlich ist die Befristung besonders für Doktorand/innen bezüglich der eigenen Lebens- und Karriereplanung eine Katastrophe. Das liegt nicht unbedingt am Wissenschaftszeitvertragsgesetz, welches eine Festeinstellung nach 6 Jahren festlegt, sondern daran, dass viele Stellen halbjährlich oder jährlich neu ausgeschrieben werden. Besonders für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte – darunter auch viele Doktoranden – bedeutet dies, dass sie alle sechs Monate um ihre Stelle bangen müssen. Die Fortführung ihrer Qualifikation hängt somit von Faktoren ab, die der Stelleninhaber nicht beeinflussen kann: Positive Voten von den Gremien der Förderer, die Haushaltslage des Fachbereichs, die allgemeine Haushaltslage der Universität – ja sogar vom Bildungsetat des Bundesministeriums.

Und so wird auch in Zukunft weiterhin eine graue Masse an Doktorand/innen sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln, immer in der Hoffnung, das eigene Projekte bis zur vollständigen Reife durchzubringen. Es gibt Initiativen, die die unklare Rechtssituation der Promovierenden klären wollen. Doch seit 16 Jahren herrscht bezüglich dieser Frage Stillstand bei den deutschen Behörden. Die meisten Ergebnisse der deutschen Forschung werden von dieser Masse produziert – die erst mit der Professur in einen geregeltes Arbeitsverhältnis tritt.

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