Klar, für viele hat das große Show-Ereignis bereits vorletzte Woche wieder mit Heidi und ihren GNTM-Mädels angefangen. Aber für einige andere beginnt das Highlight des Castings-Sommers erst morgen: Morgen startet im Vatikan nämlich das Konklave: Hundertfünfzehn betagte Kardinäle kommen aus allen Himmelsrichtungen zusammen und suchen den neuen „Vatican Next Top Pope“ (kurz: VNTP). Am Ende gibt es statt einer großen Live-Show, viel weißen Rauch und ein neues Kirchenoberhaupt, das dazu noch einen Vertrag auf Lebenszeit gewinnt. So wenn es denn will…

Langjähriger Quotenkönig vor dem Aus?

Und theoretischer hat auch fast jeder von uns noch die Chance: Immerhin kann nach dem Kirchenrecht eigentlich jeder getaufte männliche Katholik zum Papst gewählt werden; es gibt keine näheren Regelungen oder Bestimmungen. Allerdings – und hier kommen wir zum „eigentlich“ – war die letzte Wahl eines Nicht-Kardinals, nämlich die von Papst Urban VI, im 14. Jahrhundert und liegt damit bereits 635 Jahre zurück.

Da stellt sich natürlich als erstes die Frage: Machen die Veranstalter was falsch? Ruhen sie sich vielleicht auf ihrem extrem lang andauernden Erfolg der Show zu sehr aus? Muss es in Zukunft vorher mehr offene Castings geben? Oder eventuell täte auch ein Wechsel in der Jury dem Format gut? Vielleicht sollten aber auch die Macher der Show stärker auf die Wünsche des Publikums eingehen?

Sollte auch eine Frau Papst werden können?

Warum eigentlich nicht? Schließlich wandelt sich der Geschmack des Publikums im Laufe der Zeit und das muss nun einmal auch von Show-Größen wie der Katholischen Kirche eingesehen werden. Nach aktuellen Umfragen gibt es unter den Fans der Show ganz eindeutige Tendenzen, was die Änderungswünsche des Formats anbelangt: Der Wettbewerb soll wieder offener sein und für alle gleichermaßen zugänglich. Im Klartext heißt das: 76 Prozent der Befragten wünschen sich in der nächsten Auflage von VNTP eine Frau als Papst. Und auch der überwiegende Teil aus dem Katholiken-Fanclub ist mit 71 Prozent für einen weiblichen Sieger der nächsten Wahlen.

Und auch wenn es vielleicht für diese Auflage der Show schon zu spät ist, die offene Kritik an die Macher und die Wünsche des Publikums, sollten zumindest für die 268. Wahl des neuen VNTP Anklang finden – nur so wird sich auch ein alter Quotenkönig langfristig halten können…

Quelle: Stern, Nr. 9, 21.02.2013, Seite 28

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