FachForum_Generation_Y

Das Forum DistancE-Learning hatte am vergangen Donnerstag in Köln zum Fachforum mit dem Schwerpunkt „Generation Y“ eingeladen. Im Vordergrund stand die Frage, in welchem Maße die nachwachsende und mit digitalen Medien groß gewordene Generation die Kursanbieter vor neue Herausforderungen stellt.

Dass die Generation Y anders lernt, ist den meisten Beteiligten klar. Der Lernstoff muss on demand verfügbar sein und das möglichst auf jedem mobilen Endgerät, das man besitzt. Nur so lassen sich in der modernen Gesellschaft die Lernzeiten, die mittlerweile knapp bemessen sind, effektiv nutzen: in der U-Bahn, während der Mittagspause oder auf dem heimischen Sofa.

Junge Lernende suchen den „Flow“

Den Auftakt machte der empirische Sozialforscher Prof. Dr. Schipperges mit seinem Vortrag: „Wie verändert sich unser Lernen?“. Die traditionellen Werte, wie Ordnung und Disziplin, die vor allem ältere Menschen verinnerlicht haben, finden sich erstaunlicherweise in veränderter Form auch bei jungen Menschen. Die junge Generation ist geprägt durch das Verlangen nach Verbindlichkeiten, ein sogenanntes „re-grounding“. Sie suche nach vertrauenswürdigen Quellen und effektiven Methoden, auf die man sich verlassen kann. Dieses Verlangen sei darin begründet, dass diese Generation Krisen als Dauerzustand erlebe (Umweltkrise, Wirtschaftskrise, Finanzkrise etc.). Das schürt Unsicherheit in vielen Lebenbereichen, führe aber zu einer neuen, ungewohnten Adaptivität – etwa gegenüber dem Arbeitsmarkt.

So auch beim Lernen. Statt Ordnung durch Regeln, wie die ältere Generation, wünschen sie sich jedoch Ordnung durch Strukturen. Disziplin verwirklichen sie indirekt durch den „Flow“, den jeder Lerner kennt, wenn er sich in einen Lernstoff hinein vertieft. Informationen sind kein Selbstzweck, sondern werden nach ihrem Nutzen hinterfragt. Die jungen Lernern wollen erfahren, „was man wo warum wissen sollte“.

Vermittle ein Lebensgefühl, kein Produkt

forumdistanceAuch Prof. Henseler, Creative Managing Director der Sensoryminds GmbH, sprach davon, dass ein neues Denken nötig sei, um junge Lerner anzuweisen, zu motivieren und erfolgreich zum Abschluss zu führen. Man solle denken wie ein modernes Unternehmen oder ein Start-Up, da man sonst lediglich zu „Zulieferern der Internet-Konzerne werde“. Es geht Henseler vor allem um die Wirkung eines Produkts statt um die Nutzung. Wer heute erfolgreich Produkte an seine Kunden bringen möchte, muss auch ein dazugehöriges Lebensgefühl vermitteln. Dabei profitiere die junge Generation von einer besseren Usability (Benutzerfreundlichkeit) technischer Geräte und einer umfassenden Personalisierung. Der „User 2.0“ möchte alles zu jeder Zeit an jedem Ort personalisiert verfügbar haben. Software von heute kann uns nicht nur mit Informationen versorgen, sondern uns coachen – also uns sagen auf welcher Strecke wir mit Stau rechnen müssen etc.

Der Slogan erfolgreicher amerikanischer Unternehmen am Markt lautet daher auch: „the key to doing more is knowing more“. Das gelte auch für den Bereich Lerninhalte. Sie sollten nicht abstrakt und losgelöst von alltäglichen Problemen vermittelt werden, sondern den Lerner und seinen Alltag einbeziehen. Statt also zu Beginn der Lerneinheit anzukündigen, dass ein Fachbuch gelesen wird, kann man auf den Inhalt durch Videos, Webinhalte und Aufgaben neugierig machen. Der fachliche Inhalt tritt nicht direkt in den Vordergrund, bleibt aber erhalten.

Jede Generation lernt anders

Zum Abschluss machte Prof. Schäffer von der Universität der Bundeswehr München darauf aufmerksam, dass Lernen immer auch das Lernen von etwas bedeute. Man können nicht im luftleeren Raum über „das Lernen“ sprechen. Zumindest sei zu unterscheiden zwischen dem sachorientierten Wissen-Lernen, dem handwerklichen Können-Lernen, dem alltagssozialen Leben-Lernen und dem abstrakten Lernen-Lernen. Wenn eine ältere Generation Medieninhalte für eine andere bereit stelle, so müsse man sich über die Begrenzung der Benutzung der jeweiligen Generation klar sein (die sog. „Eingebundenheit in eine generationenspezifische Medienpraxiskultur“).

Fazit

Besonders im Bereich Lerninhalte und Lernmedien macht sich ein Generationenkonflikt bemerkbar. Während die einen gerne mit den klassischen Methoden der Textlektüre zufrieden sind, wollen die anderen einen bunten Mix aus unterschiedlichen Medien, der ihnen den Stoff nicht nur überall verfügbar macht, sondern darüber hinaus auch attraktiv und praxisnah präsentiert. Die Fernschulen haben nun die schwere Aufgabe, beide Klientelgruppen zufrieden zu stellen. Dabei ist der Unterschied jedoch nicht beschränkt auf das Alter. Generationen sind nicht gleichzusetzen mit Altersklassen. Es geht vielmehr darum, wieviele Medien man im Alltag selbst nutzt und wie gut man mit ihnen vertraut ist – und vor allem, ob man von ihnen einen Mehrwert im Hinblick auf Wissensvermittlung erwartet.

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