WortzumFreitagEine aktuelle Studie des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulplanung und Hochschulforschung beweist: Wer promoviert hat und einen Doktortitel sein Eigen nennen kann, erhält in der Regel in der freien Wirtschaft ein höheres Gehalt als Akademiker ohne Promotion.

Der Studie zufolge können Promovierte bereits fünf Jahre nach dem Universitätsabschluss ein Einkommen realisieren, das rund ein Drittel über dem Gehalt von Hochschulabsolventen mit Mastertitel oder Diplom liegt. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Zwar profitieren laut der Studie gerade promovierte Ingenieure finanziell von einem Doktortitel, für Sozial- und Geisteswissenschaftler kann ein Titel aber nicht nur Vorteile generieren.

Ingenieure profitieren finanziell von einer Dissertation

Pro Jahr werden über 25.000 Doktortitel an deutschen Universitäten vergeben. Während sich der Aufwand für eine Dissertation für Ingenieure sowie Wirtschafts-, Kultur- und Sprachwissenschaftler finanziell als durchaus lukrativ erweist, stellt sich die Situation explizit für Geistes- und Sozialwissenschaftler oftmals als äußerst prekär da. Business-Experten sehen gerade in diesen Disziplinen einen Titel eher als Stolperstein an. Denn in der freien Wirtschaft verrichten promovierte Berufseinsteiger, die einen Doktor der Kunstgeschichte oder der Philosophie vorweisen können, häufig solche Arbeiten, die weit unterhalb ihres akademischen Anspruches und ihrer Fähigkeiten liegen. Zudem erhalten sie in vielen Fällen befristete Verträge und müssen sich mit einer vergleichsweise schlechten Bezahlung arrangieren. Für forschungsintensive und hochspezialisierte Fächer wie Chemie, Jura, Medizin, Biologie oder eben Ingenieurwissenschaften ist dagegen ein Doktortitel meistens einhergehend mit einem attraktiven Gehalt.

Die „Schönen Künste“ sind in der freien Wirtschaft wenig gefragt

Laut der Studie verdienen demnach promovierte Ingenieure im Schnitt rund 5.500 Euro brutto und liegen damit knapp 34 Prozent über dem Einkommen ihrer Kollegen ohne Doktortitel, die analog der Gehaltsabrechnung auf durchschnittlich 4.117 Euro kommen. Immerhin zehn Prozent mehr im Schnitt verdienen Wirtschafts-, Kultur- und Sprachwissenschaftler als nicht-promovierte Hochschulabsolventen. Geisteswissenschaftler können dagegen sowohl mit als auch ohne Doktortitel von derartigen Einkommenssphären nur träumen. Hier gilt eher: Ganz unten in der Einkommensskala, ganz oben bei der Arbeitslosenquote – in der heutigen Konsumgesellschaft werden die so genannten „Schönen Künste“ eher belächelt als adäquat belohnt. Entsprechende Statistiken beweisen, dass sich selbst ein Doktortitel innerhalb der Literatur-, Musik-, Theaterwissenschaften und Co. kaum einmal als finanziell rentabel erweist. Wer diesbezüglich aufmerksam den Arbeitsmarkt bzw. die Stellenangebote studiert, wird feststellen, dass Germanisten oder gar Afrikanisten zudem eher selten gesucht werden.

Doktortitel in den Geisteswissenschaften kann Nachteile bringen

Natürlich gibt es auch in diesem Bereich Doktoren mit ansehnlichem Gehalt, aber aufgrund der vorhandenen Stellenarmut haben nur die Wenigsten ernsthafte Chancen auf eine solche Perspektive. Es kommt auch vor, dass Bewerber ohne Doktortitel bevorzugt eingestellt werden. Experten sehen dies darin begründet, dass es nicht genügend Stellen gibt, bei der ein promovierter Bewerber Vorteile gegenüber einem Bewerber ohne Doktortitel geltend machen kann. Promovierte Bewerber hingegen haben häufig einen größeren Anspruch, sowohl im Bezug zu ihrer Tätigkeit und Verantwortung als auch bei der Vergütung. Eine Doktorarbeit nimmt viele Lebensjahre in Anspruch, die stattdessen in berufliche Erfahrungen investiert werden können. Es kann also sein, dass man sich aufgrund der fehlenden praktischen Fertigkeiten gegenüber jüngeren Bewerbern trotz Promotion nicht durchsetzen kann. So verwundert es auch nicht, dass ein Doktortitel bei einigen Geisteswissenschaftlern lediglich im Lebenslauf vorkommt – ohne große Erwähnung im Bewerbungsgespräch.

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