Das Anschreiben macht in der Bewerbung das wichtigste Dokument aus. Es ist quasi Visitenkarte und Werbebotschaft in einem und sollte dementsprechend pfleglich behandelt und mit einer gewissen Idee des Selbstmarketings verbunden werden.

Damit Sie in Zukunft nicht schon an dieser allerersten Hürde des Bewerbungsmarathons mit einem Bein hängen bleiben und das Ziel damit gar nicht oder nur mit einem großem zeitlichen Abstand auf all Ihre Mitstreiter erreichen, haben wir fünf goldene Kunstgriffe für das perfekte Bewerbungsschreiben zusammengestellt:

Bewerbung schreiben1. Die Kunst der wenigen Worte

Sie schreiben gerne seitenweise Gedichte und sind auch sonst eher so der verträumte Typ, der stundenlang in poetischer Form über Gott und die Welt sinniert? Dann haben Sie leider ein Problem. Denn bei Bewerbungsanschreiben verhält es sich wie bei Röcken junger Frauen im Sommer – kurz ist gut und weniger ist mehr.

Personaler wissen natürlich gute Literatur zu schätzen, suchen diese aber im Regelfall nicht in den zahlreichen Bewerbungsunterlagen, die sie regelmäßig erreichen, sondern auf dem internationalen Buchmarkt.

Deswegen: EINE DIN A4-Seite und dann nur eines: WARUM in Gottes Namen gerade SIE?

2. Die Kunst des Schönen und Hässlichen

Auch wenn noch buntes Druckerpapier von den selbstgemachten Einladungskarten zu Vattern sein 60sten da ist, kann für das Bewerbungsanschreiben am besten weißes Papier verwendet werden (mit einer Stärke von 80g). Dazu sollte die Seite übersichtlich gestaltet sein: linksbündig, Schriftgröße 12, ausreichender Seitenrand und das Wichtigste: Sag JA zu neuen Dingen – vor allem zu neuen Absätzen! Denn diese strukturieren und gliedern Ihr Anschreiben.

Bei der Schrift sollten Sie Ihrem künstlerischen Freigeist ebenfalls Grenzen setzen. Zwar waren regenbogenfarbende und gespiegelte Schriftzüge auf allen möglichen, am Computer gestalteten, Schreiben in den 90er wirklich DER Renner, in einem Bewerbungsschreiben aus dem 21. Jahrhundert kommen sie aber nicht gut an.

Ähnliches lässt sich auch über schlechte Druckqualitäten sagen. Wenn Ihnen Ihr Drucker schon vor geraumer Zeit angekündigt hat, dass der Toner sich dem Ende neigt, dann sollten Sie ihm jetzt spätestens eine neue Ladung gönnen. Ein Anschreiben, indem sich sämtliche Farbnuancen zwischen Gainsboro und dunklem Schiefergrau abspielen, wandert vermutlich wegen zu hoher Kunstfertigkeit direkt in den Müll.

3. Die Kunst der Ansprache

Ehrwürdig Hochwohlgeborener“ – da würde sich der Personaler vermutlich geschmeichelt fühlen. Aber ihn mit richtiger Anrede und korrekten Namen ansprechen ist auch gut und viel besser als „Sehr geehrte Damen und Herren“ (als Kind habe ich mir bei dieser Anrede immer vorgestellt, dass da ein paar Damen und Herren in schicken Anzügen zusammensitzen und das Schreiben der Reihe nach durchreichen).

Heutzutage ist aber im Zweifelsfall nur eine Person für die Bewerbung zuständig und deren Name sollten Sie mit Ihrem angeborenen Entdeckerdrang herausfinden können. Dabei hilft in den meisten Fällen ein Blick auf die Webseite des Unternehmens oder ein Telefonanruf.

Übrigens: Auch wenn sich dies zurzeit ein wenig negativ entwickelt: Die meisten Doktortitel sind ehrlich erworben und werden demzufolge auch gerne getragen. Zwar ist der Doktorgrad in Deutschland kein offizieller Namensbestandteil, gehört aber dennoch in eine respektvolle Anrede hinein.

4. Die Kunst des Rechts und Schreibens

Zwar wissen wir nicht erst seit Verona Porth, ehem. Feldbusch, dass auch mit einem gewissen Dummdeutsch in der Werbung gearbeitet werden kann, doch in der „Eigenwerbung“ Anschreiben erzielt rechtschreibliches Babylon nur selten hohe Erfolgsquoten. Und auch Programme schützen nur unzureichend vor falscher Syntax, unendlichen Wiederholungen oder vielzeiligen Schachtelsätzen.

Genauso wird Ihnen vermutlich Ihr Word-Programm nicht verraten, dass Sie bei dem Vorgang copy/paste nicht die Anrede korrigiert haben und nun ein falscher Name, ein „sehr geehrte Herr…“ oder eine „sehr geehrter Frau…“ als aller erstes zu lesen sein wird.

Kleiner Tipp: Lassen Sie das ganze Schreiben noch einmal von einem Freund, Kollegen, Familienmitglied, Nachbar, Kommilitonen oder sonst wem durchlesen, der findet bestimmt noch das ein oder andere Häkchen.

Super Geheimtipp: Falls Sie sich zufällig beim Bewerbungsschreiben auf einer einsamen Insel, unter Wasser oder auf einem anderen Planeten befinden, wo Sie keinen Kontakt mit anderen Menschen haben: Zur Not reicht es auch das Anschreiben ein, zwei Tage zur Seite zu legen. Oft liest es sich mit einem gewissen Abstand aufmerksamer.

Bewerbung schreiben5. Die Kunst des Formulierens

Ist und bleibt einfach das Allerschwerste, da müssen Sie sich nichts vormachen. Schon der Einleitungssatz ist ein viel diskutiertes Thema: Sollte man nun eine Einleitung mit einem Bezug zu Stelle und Unternehmen schreiben oder direkt in die Vollen gehen?

Tipp: Keine Zeit verschwenden, vor allem nicht die des Personalers. Denn, dass Sie „die Stellenausschreibung des Unternehmens direkt angesprochen hat“, kann dieser sich aufgrund der Existenz Ihrer Bewerbung in seiner Hand schon denken. Also: Ruhig in die Vollen!

Legen Sie dar, aus welchen Gründen der Personaler eine genau definierte Position mit genau Ihnen besetzen sollte. Und fangen Sie nicht an irgendwelche Adjektive aneinander zu schwafeln, beschreiben Sie, was Sie beruflich aktuell ausmacht: Entweder ein Schwerpunkt im abgeschlossene Studium oder die Funktion im derzeitigen Job.

Im zweiten Teil legen Sie Ihre Handlungen dar: Denn sich zu irgendetwas irgendwie fähig fühlen und eigene Stärken aufzählen zu können ist zwar ziemlich super – aber der gemeine Personaler interessiert sich dann doch eher für Fakten: WAS haben Sie an Erfahrung (Ausbildung, Weiterbildung, etc.) vorzuweisen, was können Sie, das genau SIE besonders befähigt für genau DIESEN Job?

Finale: Bringen Sie am Ende Ihre Jobeignung noch einmal auf den Punkt. Hier dürfen Sie auch endlich Ihre persönlichen Stärken von der Leine lassen.

Das Ganze kann dann von Ihnen mit einem selbstbewussten und auffordernden Satz abgeschlossen werden.  Ein zaghaftes „Ich würde mich freuen, wenn ich Sie von meinen Fähigkeiten in einem persönlichen Gespräch überzeugen dürfte“ ist damit nicht gemeint. Fordern Sie vielmehr selbst eine Handlung: „Von meiner besten Eignung überzeuge ich Sie gern im direkten Gespräch. Ich freue mich über Ihren Anruf oder Ihre Mail.“  Keine Zeit für falsche Bescheidenheit! Schließlich wollen Sie diesen Job unbedingt – Oder etwa nur vielleicht?

Bildnachweis:
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