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Der Wechsel von einem nicht-berufstätigen Status zurück in das Berufsleben kann mit Schwierigkeiten verbunden sein. Besonders zwei Fälle kommen vermehrt vor: die Elternzeit und die Arbeitslosigkeit. Doch deshalb muss die „Problembewerbung“ nicht zu einem Problem werden!

Verfasst von Till Tauber

In der heutigen Zeit sind geradlinige Lebensläufe im Beruf nur noch selten vorzufinden. Immer mehr berufliche Karrieren beinhalten Wechsel des Arbeitgebers, des Standortes und natürlich der Position. Prinzipiell ist für viele attraktive Stellen ein ständiger Wechsel von Vorteil. Man spricht dann im üblichen von einer typischen beruflichen „Karriere“. Deutlich hiervon abzugrenzen und daher problematisch sind jedoch der Wechsel aus der Elternzeit oder Arbeitslosigkeit zurück in das Berufsleben. Mit solch einer „Problembewerbung“ kann es schwierig werden, für eine passende Wunschstelle zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Wohlgemerkt: Kann – nicht muss.

Warum ist die Bewerbung als Angestellter einfacher?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Bewerbung aus einem Angestelltenverhältnis oder der Selbstständigkeit heraus immer bessere Chancen bietet, als eine Bewerbung aus einem der oben genannten Situationen heraus. So glauben viele Personaler, dass jemand, der für einen längeren Zeitraum nicht im Beruf aktiv war, gewisse Nachteile gegenüber einem berufstätigen Bewerber mit sich bringt. Zum einen sind die Entwicklungen in vielen Branchen sehr schnelllebig und erfordern seitens der Arbeitnehmer ein kontinuierliches „am Ball bleiben“ in Form von tagtäglicher Berufserfahrung oder auch geeigneten Weiterbildungsmaßnahmen.

Hierzu zählt selbstverständlich eine Weiterbildung in eigener Verantwortung, beispielsweise mit geeigneter Fachliteratur oder mittels einer wohlüberlegten Internetrecherche. Aber zu bedenken ist auch, dass ein berufstätiger Bewerber voll im „Arbeitsrhythmus“ steckt. Ein unbeschäftigter Bewerber müsste sich erst wieder mit dem Berufsalltag arrangieren und könnte eventuell eine längere Eingewöhnungsphase benötigen. Ein zukünftiger Arbeitgeber möchte immer den bestmöglichen Arbeitnehmer rekrutieren und den dazu erforderlichen Aufwand so effizient wie möglich halten.

Doch mit solider und wohl durchdachter Überzeugungsarbeit können Sie mit Ihrer Bewerbung punkten, auch mit einer „Problembewerbung“. Als Faustregel gilt: Machen Sie Ihre Bewerbung nicht zu einem Problem! Setzen Sie einen Fokus auf das, was Sie einem zukünftigen Arbeitgeber bieten können und zählen Sie nicht auf, was Sie nicht können oder was Sie in Ihrer Freizeit gemacht haben. Negative Tendenzen und Hinweise auf nicht erreichte Ziele sollten nie im Anschreiben oder Lebenslauf thematisiert werden.

Elternzeit – Zeit für Familie… und für Weiterbildung

computer250pxWenn Sie sich aus der Elternzeit heraus bewerben, so haben Sie bereits zuvor meist in einem Beruf gearbeitet und haben so in den meisten Fällen bereits Berufserfahrung gewinnen können. Auch wenn der Fokus in dieser Zeit auf die Fürsorge und Erziehung Ihres Kindes liegen sollte, so haben Sie – wenn Sie ehrlich mit sich selbst sind – doch Zeit übrig, sich ein wenig mit dem Thema Weiterbildung zu beschäftigen. Sie müssen ja nicht gleich ein Vollzeitstudium anstreben, aber es gibt genügend Möglichkeiten, sich weiterzubilden und so bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung zu schaffen. Die Angebote reichen hier von Weiterbildungs- oder Fortbildungskursen bei den Industrie- und Handelskammern über Seminare bei Fernuniversitäten hin zu kompletten Fernstudien.

Die Angebote von Fernhochschulen sind für viele Bereich interessant und bleiben gleichzeitig bezahlbar. Wer seine Englischkenntnisse noch weiter verbessern möchte, findet ein ähnliches Angebot bei der Open University. Vermeiden Sie grundsätzlich in dem Anschreiben oder im Lebenslauf auf Erziehungsdetails einzugehen. Solche Informationen bieten für den Leser Ihrer Bewerbung keinen Mehrwert. Im Vorstellungsgespräch ist es ebenfalls sehr ungünstig, Erziehungsthemen zu thematisieren und dabei den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Zeigen Sie sich interessiert und als gut informiert über aktuelle Entwicklungen in Ihrer Branche.

Arbeitslosigkeit – Nutzen Sie Ihre Zeit so effektiv wie möglich!

Arbeitslosigkeit ist nie ein angenehmes Thema – ganz gleich ob Sie ein Arbeitsverhältnis selbst ohne Aussicht auf eine neue Stelle gekündigt haben oder gekündigt worden sind. Dennoch ist es wichtig, dass Sie nicht in eine Starre verfallen und untätig sind. Nutzen Sie die Ihnen zur Verfügung stehende Zeit, um nach geeigneten Stellen zu recherchieren und beginnen Sie am besten gleich eine Weiter- oder Fortbildung. Sie haben die Möglichkeit, ein Fazit aus Ihrer bisherigen beruflichen Tätigkeit zu ziehen und zu sinnvollen Schlussfolgerungen für das zukünftige Berufsleben zu kommen. Aus möglichen Fehlern der Vergangenheit kann man immer lernen.

mappe250pxWeiterbildungen und Fortbildungen sollten stets einen direkten Bezug zu Ihrer bisherigen Tätigkeit haben oder eine sinnvolle Ergänzung zu Ihren bisherigen Fähigkeiten und Fachkenntnisse darstellen. Nutzen Sie hier nicht nur das Angebot der Agentur für Arbeit, sondern zeigen Sie sich pro aktiv und schlagen Sie selbst geeignete Bildungsmaßnahmen vor. Auch ein Praktikum kann ein Mittel der Wahl sein, um im Beruf zu bleiben, auch wenn Sie dafür nicht das bisherige Gehalt bekommen. Zum einen bleiben Sie so quasi berufstätig, zum anderen dürfen Sie auf keinen Fall in Ihrer Bewerbung eine Tatenlosigkeit durchschimmern lassen. Es ist wichtig, dass Sie den Punkt „Arbeitslosigkeit“ im Lebenslauf mit sinnvollen Informationen versehen. Thematisieren Sie sie auch nicht im Anschreiben. Gehen Sie lieber auf Ihre bisherige Berufserfahrung ein und zeigen Sie, wie Sie mit Ihrer Fachexpertise und Ihren Fähigkeiten zu der ausgeschriebenen Stelle passen.

Tipps für Ihre Bewerbung

Ihre Bewerbung kann nur dann überzeugen – insbesondere, wenn es sich um eine Bewerbung aus der Elternzeit oder Arbeitslosigkeit heraus handelt – wenn Ihr Anschreiben und Ihr Lebenslauf vollkommen aufeinander angepasst sind, also korrelieren und sich nicht widersprechen. Mit den üblichen Standardsätzen der Art „Ich arbeite sehr selbstständig, bin flexibel und teamfähig.“ erreichen Sie Ihr Ziel nicht.

Verfassen Sie ein individuelles Anschreiben für jede Stellenanzeige und passen Sie auch Ihren Lebenslauf an. Im Normalfall darf Ihr Lebenslauf nicht länger als zwei DIN A4 Seiten sein. Nur wenn Sie auf eine sehr lange berufliche Tätigkeit zurückblicken, können Sie den Lebenslauf um eine weitere Seite ergänzen. Führen Sie nur jene Informationen auf, die von Relevanz für die angestrebte Stelle sind und verrennen Sie sich nicht in unwichtige Details.

Selbstverständlich müssen die im Lebenslauf enthaltenen Aussagen soweit wie möglich mit entsprechenden Zeugnissen und anderen Nachweisen belegt werden. Aber auch hier gilt: Halten Sie die Zeugnisanlage so kurz wie möglich. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Bewerbung! Zeigen Sie Initiative, Durchhaltevermögen und die vermeintliche „Problembewerbung“ wird nicht zum realen Problem.

TauberTill Tauber

Till Tauber ist Geschäftsführer des TT Bewerbungsservices und ausgewiesener Experte in Sachen Bewerbung. Der TT Bewerbungsservice erstellt professionelle und individuelle Bewerbungsunterlagen. Als hauptberuflicher Bewerbungsschreiber ist Tauber mit den gängigen Problematiken vertraut und hat 2013 ein E-Book mit dem Titel „Der einfache Weg zur Online-Bewerbung“ veröffentlicht.

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