schuleVor einigen Monaten haben die Krankenkasse DAK und die Leuphana-Universität Lüneburg die Ergebnisse einer gemeinsamen Projektstudie zur Gesundheit von Schülern und Lehrern an deutschen Schulen vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen deutlich den Bedarf an einer Gesundheitsförderung an deutschen Schulen. Anhand von im Rahmen der Studie erfolgreich erprobten Maßnahmen wird darüber hinaus aber auch gezeigt, wie eine solche Gesundheitsförderung konkret aussehen kann. Das Projekt kommt damit Fragestellungen nach, die in der öffentlichen Diskussion und in der Politik schon seit längerem ein Thema sind.

Die gesundheitliche Situation an deutschen Schulen

Die Studie wurde zwischen 2007 und 2013 in sieben Bundesländern an insgesamt 30 verschiedenen Schulen durchgeführt, wobei das gesamte Spektrum schulischer Institutionen von der Grundschule bis zur Berufsschule und somit auch alle Altersklassen von Schülern erfasst wurden. Von den insgesamt 6000 Schülern, die im Rahmen der Studie befragt worden sind, gab jeder Dritte an, unter Problemen wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Gereiztheit oder Niedergeschlagenheit zu leiden.

Zudem litten viele Schüler unter Übergewicht oder waren Opfer von Mobbing. In der Altersklasse der 10-18jährigen gaben 43 % der Befragten an, sich mindestens einmal im Monat in den Rausch zu trinken. Unter den ebenfalls befragten Lehrern (insgesamt 1200) gab jeder Fünfte an, unter Erschöpfung oder Symptomen von Depressionen und Burnout zu leiden bzw. gelitten zu haben. 20 % der befragten Lehrer dachten in Zusammenhang hiermit ernsthaft über eine Frühpensionierung nach (Quellen: Ärzte Zeitung; DAK.de; Focus).

 Länderprogramme machen den Anfang

All das mag so detailliert noch nicht bekannt gewesen sein, dass Problem einer angespannten Gesundheitslage an deutschen Schulen ist jedoch keineswegs neu und ist bei den zuständigen politischen Institutionen, den Kultusministerien der Länder, keineswegs unbekannt: Das hessische Kultusministerium hat den Problembereich „Schule & Gesundheit“ zu einem seiner Arbeitsfelder erklärt, die Kollegen aus Bayern betreiben ein sogenanntes „Landesprogramm für die gute gesunde Schule Bayern“ und auch in Nordrheinwestfalen existiert ein „Landesprogramm Bildung und Gesundheit“ (Quellen: Bayerisches Kultusministerium; Hessisches Kultusministerium; Ministerium für Schule und Weiterbildung NRW).

Im Frühjahr letzten Jahres betonte der damalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr in Zusammenhang mit der Einführung eines „Gesetzes zur Förderung der Prävention“ wie wichtig es im Rahmen der allgemeinen Gesundheitsförderung sei, auf Kinder und Jugendliche zuzugehen, damit aus diesen „gesunde Erwachsene werden, die nicht an den Folgen einer Erkrankung leiden, die durch ein gesundheitsbewussteres Veralten hätte vermieden werden können.“ (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit). Doch wie kann eine solche Gesundheitsförderung an den Schulen, wo Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihres Alltags verbringen, konkret aussehen?

 Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

Im Rahmen der DAK-Studie wurden an den besagten 30 Schulen über einen Zeitraum von drei Jahren mehrere Maßnahmen erprobt, durch die sich den Projektleitern zufolge eine deutliche Verbesserung der gesundheitlichen Lage an den Schulen erreichen ließ: Hierzu gehörten zum einen die Verbesserung des Essensangebotes, Ernährungsberatungen und die Integration von mehr Bewegung in den Schulalltag (Sportfeste, Fitnessprogramme, neue Geräte für die Pausen) und zum anderen die Einrichtung von Ruheräumen, die Einführung von Mentorenprogrammen mit älteren Schülern sowie von Schlichtergruppen und Anti-Mobbing-Programmen.

An fast 70 % der beteiligten Schulen sollen so deutliche Fortschritte erzielt worden sein und das auch an sogenannten „Brennpunktschulen“, deren Schüler aus sozial schwachen Schichten stammen und in verstärktem Maße von den genannten Problemen betroffen sind. (Quellen: Ärzte Zeitung; DAK.de; Focus).

Das alles stimmt erst einmal optimistisch: Die Probleme sind gut bekannt und Methoden, mit denen ihnen beigekommen werden kann, sind erfolgreich erprobt worden. Doch handelt es sich bei diesem Maßnahmenpaket tatsächlich um ein Patentrezept? Die verbleibenden 30 % der beteiligten Schulen, an denen sich trotz der Maßnahmen keine merkliche Verbesserung eingestellt hat, sprechen dagegen.

Grenzen gesundheitsfördernder Maßnahmen

Die Einführung von Beratungsangeboten, Konfliktlösungs und –vermeidungskonzepten und Anti-Mobbing-Programmen sind zwar begrüßenswert und ihr Erfolg (zumindest im Rahmen der Studie) ist erfreulich – werden diese Angebote von den Betroffenen jedoch nicht in Anspruch genommen, kommt auch das größte Engagement an seine Grenzen. Und da psychische Beschwerden, die offenbar den größeren Teil der gesundheitlichen Probleme an deutschen Schulen ausmachen, zudem eher zu jenen Problemen gehören, die oft nicht offen zur Sprache gebracht und oft auch von den Betroffenen selbst nicht ernst genug genommen werden, sollte man beim Verkünden von Erfolgen in diesem Bereich nie vergessen, dass ihnen womöglich Dunkelziffern ungeahnter Größe gegenüberstehen.

Die Forscher verorten die entscheidenden Kriterien für einen Erfolg der von ihnen empfohlenen Maßnahmen jedoch vor allem auf Seiten der beteiligten Lehrkräfte, die sich durch eine hohe Offenheit und Veränderungsbereitschaft auszeichnen und sowohl von Schulleitung als auch Kollegium in ihrem Engagement unterstützt werden müssten. Zudem habe sich die Begleitung durch externe Experten als förderlich erwiesen (Quelle: DAK.de).

Es stellt sich allerdings auch die grundsätzliche Frage, ob hier nicht lediglich Symptome behandelt werden, während die tieferliegenden strukturellen Ursachen der gesundheitlichen Probleme von Schülern und Lehrern unangetastet bleiben. Die genannten psychischen Probleme wie Gereiztheit, Stress, Burnout etc. scheinen ihre Gründe ja schließlich vor allem im schulischen Alltag der Betroffenen zu haben, der bekanntermaßen oft stark geprägt ist von Leistungsdruck und Konkurrenzdenken (worauf u.a. Kritiker des Notensystems hinweisen). So betrachtet erscheinen die Maßnahmen weniger als Heilmittel, sondern eher als Linderung der stärksten Beschwerden.

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