WortzumFreitagMancher mag sich heute vielleicht noch fragen, was einen guten Lehrer ausmacht, was Menschen überhaupt antreibt, diesen Beruf auszuüben. Beim Thema Lehrer fallen jedem gleich die eigenen Lehrer ein, die eigene Schulzeit, und reflexartig nennen die meisten gleich die schlechten Lehrer, von denen sie gequält wurden.

Warum sich die Erinnerungen schnell auf die schlechten Erlebnisse der Schulzeit stürzen, ist ungerecht, doch offenbar ist der Begriff Schule heute durch Medien und Klagen der Kinder und Enkelkinder so negativ besetzt, dass die guten Lehrer in Vergessenheit geraten sind. Das ändert nichts daran, dass es sie gab und gibt, und weil sie in ihrer hervorragend stillen Pädagogik selten auffallen, müssen sie ähnlich still ertragen, später kaum genannt oder erwähnt zu werden.

Beziehung zu Kindern und Jugendlichen aufbauen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Eltern und Lehrern besteht darin, dass Eltern heute eine Beziehung zu ihren zwei oder drei Kindern aufbauen und pflegen, während Lehrer dies täglich mit etwa hundert unterschiedlichen Kindern und Jugendlichen in überfüllten Klassen zu leisten haben.

Gute Lehrer müssen daher vor allem Kinder und Jugendliche mögen, ihre unterschiedlichen Lebensphasen verstehen, ohne sich mit allzu großer Nähe ihnen anzubiedern. Schließlich brauchen Schüler Werte und Orientierung. Wenn sie erleben, dass der Pädagoge eine eigene klare Persönlichkeit besitzt, die durchaus auch mal unangenehm oder kantig ist, erfahren sie nötige Grenzen und zollen dem Lehrer Respekt.

Fachwissen mit Begeisterung vermitteln

Der Idealtyp muss darüber hinaus sein eigenes Fach mit Begeisterung und Kompetenz vermitteln, damit die Schüler ihn ernstnehmen können. Einfach nett und verständnisvoll zu sein, reicht nicht aus, denn Kinder und Jugendlichen wollen etwas lernen, wenn sie ein Fach begeistert oder für ein Fach begeistert werden. Der Unterricht bietet dafür heute vielfältigere Möglichkeiten, alle aktiv am Unterrichtsstoff zu beteiligen.

Pädagogisch versierte Lehrer bauen viele interaktive Lern- und Referatsgruppen in den Unterricht ein, damit Schüler erleben, dass sie mit Neugier und Fleiß eigene Kompetenzen entwickeln können. Ebenso spüren sie bei der anschließenden Präsentation, dass sie Lerninhalte gut darstellen müssen, um verstanden zu werden. Der gute Lehrer gibt Schülern damit eine eigene Plattform, damit diese an fachlichen Aufgaben wachsen können.

Soziale und interkulturelle Kompetenzen

Soziale und interkulturelle Kompetenzen von Pädagogen sind heute wichtiger denn je. Es ist gerade in diesem Punkt ein Dilemma, dass das Schuljahr wenig Fortbildungszeit für Lehrer erlaubt. Lehrer, die vor zwanzig oder dreißig Jahren ihr Referendariat und das zweite Staatsexamen abgeschlossen haben, fühlen sich gerade vor dem Hintergrund radikaler Veränderungen rund um Familienstrukturen überfordert. Die klassisch traditionelle Familie ist auf dem Rückzug, der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund nimmt zu. Das erfordert neue pädagogische Ansätze für Lehrer, weil durch die stärkere Differenzierung und Individualisierung der Schüler das Konsensverhalten in der Klasse nachlässt, Lehrer sich hier häufig alleine gelassen fühlen.

Die meisten Lehrer haben ihren Beruf angetreten, weil sie Idealisten sind, einen nachhaltigen gesellschaftlichen Beitrag leisten wollen, aber derzeit hautnah erleben müssen, wie Schüler immer weniger in der Lage sind, Empathie für die Mitschüler zu entwickeln. Die lebensnahe Wirklichkeit einer Kultur der Rücksichtslosigkeit im Arbeitsleben der Erwachsenen hat das Verhalten Jugendlicher längst beeinflusst. Was Eltern in der Realität erleben, spiegelt sich heute bei Jugendlichen im Verhalten viel stärker wider.

Umso mehr sind soziale und interkulturelle Reflexionen des Lehrers gefragt, die diesen gesellschaftlichen Veränderungen gerecht werden. Gute Lehrer haben selbst den Anspruch, sich hier weiterzuentwickeln, damit sie es im Unterricht auch einfacher haben. Sie begreifen sich selbst als Lernende und wissen einzuschätzen, dass die Welt außerhalb des Klassenzimmers unmittelbar Auswirkungen auf ihre Tätigkeit in der Schule hat. Leider erlauben es enge Lehrpläne und andere strukturelle Vorgaben kaum, dass sich Lehrer hier wirklich weiterentwickeln können.

Fazit

In einem schwieriger werdenden Lernumfeld gibt es nach wie vor viele gute Lehrer, die begeistert ihren Beruf ausüben, eine Beziehung zu Kindern und Jugendlichen aufbauen und auch hervorragende Vermittler bei Konflikten sind. Sie können differenzieren und gleichzeitig einen transparenten und professionellen Unterricht führen, der von interaktiven Lernphasen geprägt ist und die Motivation und Kompetenzen der Schüler fördert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VN:F [1.9.22_1171]
Diesen Artikel bewerten
Rating: 0.0/10 (0 votes cast)