BeratungWer am Anfang seiner Karriere steht, kommt meistens nicht an einem Begriff vorbei: Headhunter. Was nach Western klingt, ist tatsächlich eine etablierte Methode, an seinen Traumjob zu kommen. Der Vergleich mit dem Western kommt nicht von ungefähr.

Auch Headhunter suchen aktiv nach den besten Kandidaten und gehen dabei durchaus entschlossen vor. Sie sind der Verknüpfungspunkt zwischen dem auftraggebenden Unternehmen und der neuen Besetzung für die vakante Stelle. Headhunter sind in ihrem Vorgehen sehr proaktiv: Sie operieren primär über das Telefon und geht so direkt auf interessante Klienten zu, oft wird der erste Kontakt direkt an deren Arbeitsplatz geknüpft.

Wer geht dem Hunter vors Visier?

Headhunter sind besonders interessant für Stellen aus stark karriereorientierten Branchen – einen Job als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni wird man durch sie nicht bekommen. Sie bewegen sich in dem Bereich der Unternehmen und vermitteln dort ihre Kunden. Headhunter interessieren sich in der Regel nicht für frische Absolventen, sondern erst für Kandidaten mit einer Berufserfahrung von mindestens 2 bis 3 Jahren. Und auch hier ist die Zielgruppe ziemlich klar: Es werden Fachkräfte gesucht, also nicht Quereinsteiger, die einen bunten Lebenslauf haben. Sie sind für diejenigen interessant, die ergebnisorientiert ihren Lebenslauf aufbauen und zielstrebig weiter kommen wollen.

Dabei arbeiten Headhunter meist im Auftrag eines Unternehmens und helfen so dabei, Stellen möglichst ideal zu besetzen. Sie suchen sich nur in Ausnahmefällen sogenannte „High Potential“-Kandidaten aus. Dies sind die Absolventen, die zwar kaum Berufserfahrung, dabei aber schon eine bemerkenswerte Zielstrebigkeit und Ehrgeiz während ihres Studiums an den Tag gelegt haben. Beispielsweise durch die strategische Auswahl an Praktika oder auch durch den frühzeitigen Aufbau eines berufsbezogenen Netzwerkes. Doch die Arbeitsweise eines Headhunters funktioniert auch in die andere Richtung: Er kann von einer einzelnen Person engagiert werden, um mit ihm den nächsten Karriereschritt zu realisieren.

Guter Head und schlechte Hunter?

Einen guten Headhunter zu identifizieren ist nicht immer einfach. Da die Bezeichnung nicht geschützt ist, kann sich jeder als ein solcher ausgeben. Entsprechend groß ist die Anzahl an schwarzen Schafen, die einen eher um Geld erleichtern als um die Sorge um die nächste Karrierestation. Ein Warnzeichen ist jedoch, wenn ein Honorar im Voraus verlangt wird. Meist entstehen erst bei einer erfolgreichen Vermittlung Kosten, die anteilig des Gehaltes abgerechnet werden.

Hier muss besondere Sorgfalt bei der Vereinbarung getroffen werden. Arbeitet ein Headhunter direkt im Auftrag eines Unternehmens, fallen für den ausgesuchten Kandidaten natürlich keinerlei Kosten an. Auch hier sollte man sich vor Betrugsversuchen hüten. Ein weiteres Warnzeichen ist, wenn der Headhunter zu sehr drängelt. Kann er eine gewisse Bedenkzeit nicht respektieren, ist Vorsicht geboten.

Ein gutes Zeichen ist, wenn der Headhunter während der Anwerbung des Kandidaten mit dem Unternehmen eng zusammenarbeitet, also auch seinem Auftraggeber viel Einfluss lässt. Merkt man, dass der potentielle Chef eng involviert ist, spricht das für Seriosität. Denn er sollte sich aktiv dafür interessieren, wen der Headhunter ins Visier genommen hat und natürlich auch das letzte Wort haben.

Vorteil bei einem Headhunter ist, dass er über ein Netzwerk verfügt, das man – besonders als Berufsanfänger – nicht hat. Außerdem geht er bei der Suche nach der idealen Besetzung für eine Stelle anders vor, als meistens üblich: Er sieht sich nicht so sehr an, ob die Stelle zu seinem Klienten passt, sondern prüft auch dessen Kompatibilität mit dem Unternehmen.

Wenn der Headhunter dreimal klingelt

Ist man einem Headhunter aufgefallen, wird man üblicherweise von ihm direkt am Arbeitsplatz angerufen. Dabei sollte man einen kühlen Kopf bewahren und sich nicht zu sehr von dem Angebot blenden lassen. Denn oft vergisst man dabei die Frage: Will ich die Stelle wirklich? Ein Angebot einfach so per Telefon präsentiert zu bekommen ist zwar schmeichelhaft, aber muss dennoch genau erwogen werden.

Am besten ist es, man verlegt das Gespräch auf eine passendere Zeit in einem ruhigen Rahmen, möglichst von zu Hause aus. Dann hat man auch noch Zeit, sich einige Hintergrundinformationen einzuholen, die die angebotene Stelle, das Unternehmen und nicht zuletzt den Headhunter selber betreffen. Oft kann man sich auch in seinem Umfeld nach hilfreichen Informationen umhören. Hat man sich gesammelt und sich auf das nächste Gespräch vorbereitet, sollte man so viele Fragen wie möglich stellen. Schließlich soll man abgeworben werben, da muss man genau wissen, für wen man seine aktuelle Stelle verlassen soll.

Je offener und ausführlicher der Headhunter auf diese Fragen antwortet, desto besser. Denn so kann man von einem seriösen Angebot ausgehen. Auch sollte man sich möglichst viele Informationen per Email zuschicken lassen. Eine schriftliche Zustellung der Stellenausschreibung ist hier zudem ein Muss, damit man etwas in der Hand hat und wieder selber den Hintergrund abklopfen kann.

Das Miteinander mit dem Hunter

Die oberste Regel für den Kontakt mit einem Headhunter lautet immer: Diskretion. Sowohl gegenüber ihm als auch dem aktuellen Arbeitgeber. Deswegen sollte man die Kollegen – auch wenn man noch so einen guten Umgang mit ihnen pflegt – nicht einweihen. Denn wenn man dann vorschnell etwas herausposaunt oder noch schlimmer, voreilig kündigt, kann man schnell in Schwierigkeiten geraten.

Auch sollte man gegenüber dem Headhunter nicht zu viel von sich und seiner momentanen Anstellung preisgeben. Wer anfängt zu stöhnen, wie sehr der Chef nervt, der erweist sich als höchst unprofessionell und kommt nicht mehr in Frage. Der Kontakt mit einem Headhunter ist als eine Verhandlung zu sehen: Man sollte sich – vor Allem zu Anfang – nie zu sehr in die Karten schauen lassen.

Bei aller Vorsicht gilt im Umgang mit Headhuntern aber auch: Immer ehrlich sein. Eventuelle Lücken oder Ungereimtheiten sollten offen und sachlich ihm besprochen werden. Denn im Zweifelsfall kommt die Wahrheit durch geschickte Fragetechniken doch ans Licht. Und wer dann beim Lügen ertappt wird, kann eine Zusammenarbeit ganz schnell vergessen.

Warum nicht selbst ins Visier treten?

Möchte man nicht auf den alles entscheidenden Anruf warten, der am Ende vielleicht gar nicht stattfindet, und einen Headhunter selber auf sich aufmerksam machen, gibt es verschiedene Wege: Man sollte sich eine Online-Präsenz aufbauen, am besten durch das Anlegen von Profilen bei Jobbörsen. Dabei muss man penibel darauf achten, dass sie stets auf dem neusten Stand sind.

Außerdem das alt bekannte Networking in der Branche, das grundsätzlich wichtig ist. Wenn irgendwie möglich, kann man auch durch berufsbezogene Aktivitäten in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machen. Dies können Beiträge in Fachzeitschriften sein oder aber auch die Präsenz auf Hochschulmessen. Auch lohnt es sich, Profile nicht nur auf Jobbörsen, sondern auch auf berufsbezogenen Netzwerken anzulegen. Auch hier ist eine ständige und gewissenhafte Aktualisierung der Schlüssel.

Der Umgang mit Headhuntern ist sicherlich nicht komplikationslos, geht man aber mit Vernunft und klarem Menschenverstand an die Sache, können sich daraus interessante Möglichkeiten ergeben. 

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