universitaet_SHochschulen und Fachhochschulen stehen heute immer mehr unter Druck. Auf der einen Seite sind sie bestrebt, die Qualität in Lehre und Forschung weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite haben sie es seit Jahren mit einem regelrechten Ansturm auf die Universitäten zu tun. Letzteres hat weniger mit den zeitlich überschaubaren doppelten Abiturjahrgängen etwas zu tun als vielmehr mit dem Gesamtversprechen, das Politik und Gesellschaft seit zwanzig Jahren auf Bildung geben.

Heute studieren daher nahezu doppelt so viele junge Menschen als noch vor zwanzig Jahren. Leider ist das Budget vieler Hochschulen und Fachhochschulen weiterhin knapp, sind die Hörsäle vielerorts überfüllt, fehlt es an ausreichenden Lehrangeboten. Ist der Bildungshaushalt zu knapp? Und wie kann die Qualität in Lehre und Forschung auf Dauer gesichert werden?

Drittmittel aus Wirtschaft und Forschungsgesellschaften

Für Universitäten und Fachhochschulen sind Drittmittel aus Wirtschaft und Forschungsgesellschaften zu einem unverzichtbaren Teil in der Hochschulfinanzierung geworden. Für die weitere Unabhängigkeit der Universitäten in Lehre und Forschung mag diese Anteilsfinanzierung noch nicht allzu kritisch sein. Es besteht aber unter Bildungswissenschaftlern durchaus die Sorge, dass mit einer weiteren Zunahme der Drittmittel an der Gesamthochschulfinanzierung die Unabhängigkeit der Forschung und Lehre mittelfristig zur Disposition stehen könnte.

Um auf die steigende Nachfrage an akademischen Bildungsdienstleistungen reagieren und den Teil der Drittmittelfinanzierung dauerhaft begrenzen zu können, muss der Bildungshaushalt zeitlich aufgestockt werden, bevor der demografische Wandel wieder einsetzt. Projektorientierte Förderinitiativen von Bund und Ländern  sollten daher dringend in den nächsten Jahren ausgebaut werden. Neben der Modernisierung der Austattung gehört dazu vor allem die Weiterentwicklung des Personals.

Dienstleistungsort Hochschule

Die Qualität einer Hochschule beginnt beim Lehrpersonal. Für die nachhaltige Qualifizierung des akademischen Lehrpersonals fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 186 Hochschulen in 16 Bundesländern (Quelle: Qualitätspakt Lehre) mit zielorientierten Projekten. Innerhalb dieser geförderten Projekte geht es unter anderem um neue methodische und didaktische Unterrichts- und Prüfungskonzepte in der Hochschullandschaft. Seminare und Vorlesungen werden heute von den Studenten evaluiert, damit die Dozenten wichtige Rückmeldungen erhalten und auf Kritik reagieren können. An dieser Entwicklung kann man erkennen, dass die Hochschule längst ein Dienstleistungsort geworden ist.

Die immer noch hohe Zahl der Studienabbrecher muss allerdings weiter Sorgen bereiten. Der Qualitätssicherung der Lehre in einer deutlich veränderten Lernumgebung kommt daher eine bedeutende Rolle zu. Eine Hochschule mit großer Fluktuation und hohen Abbruchquoten bedarf einer kritischen Bewertung. Die veränderte Lern- und Lehrkultur zählt heute zu den größten Herausforderungen, die Hochschulen und Fachhochschulen zu meistern haben. Im Zuge der Bologna-Reformen hat in vielen Bachelor- und Masterstudiengängen eine Wissenskomprimierung eingesetzt, die das zeitliche Pensum der Studentinnen und Studenten in einer eigenen Dynamik dramatisch aufgebläht hat.

Professoren und Dozenten, die sich mit diesen Veränderungen wirklich auseinandersetzen und daraus eigene qualitative Schlussfolgerungen für neue Lehrkonzepte ziehen, können langfristig dazu beitragen, dass wieder ein gesundes Lernklima an der Alma Mater entsteht. Eine solche Qualitätssteuerung in der akademischen Bildung lässt sich mittelfristig aber nur mit weiteren zielorientierten Förderinitiativen durch Bund und Länder sichern.

 

 

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