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Die Korruption in der Wissenschaft ist ein Phänomen, das lange Zeit totgeschwiegen wurde. Wenn Forschungsergebnisse unter dem wissenschaftlichen Deckmantel für Geld präsentiert werden, wenn Gefälligkeitsgutachten Namen von Wissenschaftlern tragen, weil diese sich bereichern wollen, geht Vertrauen in die Wissenschaft nachhaltig verloren. Das passiert schließlich auf Kosten der Gesellschaft, die in der Wissenschaft noch immer einen echten Kompass für Unabhängigkeit sieht. Wie lange noch?

Pfadabhängige Zitierkartelle hebeln die wissenschaftliche Unabhängigkeit aus

Der Alltag von Wissenschaftlern an Hochschulen sieht nicht selten so aus, dass sie mit zeitbefristeten Arbeitsverträgen ausgestattet sind, damit pfadabhängig werden und das erforschen, was Geld bringt. Ein wissenschaftliches Berufsleben außerhalb der Hochschulen ist schwierig, weil ihre Unabhängigkeit damit ganz offen auf dem Spiel steht. Die allzu große Nähe von Wirtschaft und Wissenschaft verträgt sich nun einmal nicht. Die Zunahme von Drittmittelprojekten ist für die chronisch unterfinanzierten Hochschulen kein Zufall. Die aktive Akquise um Drittmittelprojekte hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass Hochschulen verstärkt den Kontakt zur Wirtschaft gesucht haben.

Entsprechend interessengesteuert fallen dann mitunter Forschungsaufträge aus, die von Wissenschaftlern im Ergebnis manipuliert werden. Sie zitieren in ihren wissenschaftlichen Untersuchungen dann gerne andere pfadabhängige Forschungsarbeiten, während sie kritische Studien zum Thema unterdrücken. Damit aber verliert sich die transparente und kritische Breite eines Themas, kommt es auch unter Zeitdruck zu fatalen Verkürzungen und Manipulationen von Ergebnissen, die in der kritischen wissenschaftlichen Revision selten zu einer öffentlichen Auseinandersetzung führt.

Beispielhaft für eine solche Diskussion ist die wissenschaftliche Debatte um die Klimaerwärmung, die unter Wissenschaftlern selbst einen großen Graben hinterlassen hat, weil die Verfechter der jeweiligen anderen Position sich gegenseitig der auftragsgesteuerten Manipulation der Ergebnisse verdächtigen.

Vertrauen in Wissenschaft und Staat

Das Vertrauen in die Wissenschaft berührt das Vertrauen der Bürger in den Staat elementar. In allen Ministerien von Bund und Ländern repräsentieren die Minister die Ergebnisse, die ihre Mitarbeiter aus den Referaten aus wissenschaftlichen Untersuchungen herauslesen, die sie wiederum in Auftrag gegeben haben. Die Wissenschaft übernimmt damit einen großen Teil der politischen Mitgestaltung. Die öffentlichen Aufträge von Bund und Ländern zur Forschungsthemen werden unterdessen auch von Lobbyisten wahrgenommen, die ganz andere Interessen verfolgen.

Die Gefahr der Einflussnahme von Lobbyisten auf die Wissenschaft ist beispielsweise in der Medizin, der Agrarforschung oder in der Pharmazie besonders groß, weil sich hinter solchen Aufträgen und mit den Ergebnissen zumeist große Gewinn- oder Verlustpotentiale für Unternehmen verstecken. Der Saatgutproduzent Monsanto dominiert mittlerweile den Mainstream der agrarbiologischen Forschung. So entstehen systemimmanente Zitierkartelle, die der wissenschaftlichen Unabhängigkeit eines ganzen Forschungssektors abträglich sein können. Wann immer Ergebnisse schon vor der eigentlichen Untersuchung feststehen, ist Vorsicht geboten, wird eine öffentliche kritische Würdigung seitens der Wissenschaft notwendig. Daher gilt es, die Transparenz von Forschungsaufträgen aus Politik und Wirtschaft zu erhöhen.

Bildnachweis: © istock/al_fernandes

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